Von Yasmin El-Sharif, Anne Seith und Julian Trauthig
Kirsten Müßen, 33, Lehrerin
"Früher, als ich noch keine Lehrerin war, hätte ich nie gedacht, dass man in diesem Beruf so viel am eigenen Schreibtisch sitzt. Inzwischen unterrichte ich seit vier Jahren und vieles ist ganz anders, als ich es mir je vorgestellt hatte. Das heißt aber nicht, dass es mir nicht gefällt. Ganz im Gegenteil.
Ich bin Englisch- und Französisch-Lehrerin an einem Gymnasium in einer Kleinstadt, die etwa 45 Kilometer von meinem Wohnort entfernt liegt. Das heißt, dass ich jeden morgen um circa halb sechs aus dem Bett muss, um pünktlich zur Schule zu kommen.
Die große Pause am Vormittag nutze ich fast immer, um mich im Lehrerzimmer mit anderen Kollegen abzustimmen oder Änderungen im Stundenplan nachzusehen. Eine Pause im eigentlichen Sinn ist das daher nicht. Manchmal schaffe ich es vielleicht, ein halbes Butterbrot zu essen. Eine richtige Pause habe ich erst, wenn ich nach Schulschluss gegen zwei nach Hause komme.
Ab 14.30 Uhr beginnt die zweite Hälfte meines Arbeitstags - an meinem eigenen Schreibtisch. Ich bereite den Unterricht für den nächsten Tag vor oder korrigiere Klausuren. Unter der Woche endet mein Arbeitstag daher in der Regel nicht vor 18.30 Uhr. An Samstagen und Sonntagen korrigiere ich jeweils noch einmal vier bis fünf Stunden.
Uns Lehrern wird ja immer wieder vorgehalten, dass wir so viele Ferienwochen im Jahr haben. Richtig Freizeit habe ich aber auch nur im Sommer. Um Ostern oder Weihnachten herum habe ich nämlich meistens zu tun, weil vor den Ferien noch Klausuren geschrieben werden, die ich dann in der freien Zeit korrigiere.
Allerdings weiß ich auch, dass ich im Vergleich mit anderen Berufstätigen in vielerlei Hinsicht mehr Freiheiten habe. Wenn ich unter der Woche mal einen freien Nachmittag brauche, dann arbeite ich halt am Wochenende länger. Außerdem bin ich froh, dass ich als Beamtin einen sicheren Job habe und eine tolle Bezahlung, die mir und meiner Familie Sicherheit gibt. Klar, ich trage viel Verantwortung. Aber wir Lehrer können wirklich zufrieden sein. Und die Arbeit mit Kindern macht großen Spaß."
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