Von Yasmin El-Sharif, Anne Seith und Julian Trauthig

Edwin Kohl, 59, Inhaber eines Pharmaunternehmens
"Um sechs Uhr morgens mache ich mir eine Tasse Tee und lese meine E-Mails. Wenn ich fit bin, schwimme ich danach. Ich habe ein Becken im Haus, das ist großer Komfort. Bin ich zu müde zum Sport, lese ich gleich meine Zeitungen. Dann erledige ich dringende Anrufe, anschließend geht's ins Büro. Der Rest des Tages vergeht mit Besprechungen und Meetings.
Wir bringen gerade ein neues Arzneimittel-Versorgungskonzept auf den Markt - die Technologie ermöglicht, individuelle Medikamentenpackungen zu erstellen. Chronisch Kranke und Ältere, die viel unterschiedliche Arzneimittel einnehmen müssen, erhalten so in ihrer Apotheke regelmäßig ihre individuell zusammengestellte Wochenpackung. Jetzt, in der Einführungsphase, haben wir Hochbetrieb. Es kommen etwa Vertreter von Krankenkassen, bei denen ich für das System werbe.
Trotzdem mache ich normalerweise um 18 Uhr Schluss. Ich will belastbar bleiben. Das bin ich auch meiner Familie schuldig. Schon weil ich will, dass meine Söhne meinem Beispiel einmal folgen und das Unternehmen übernehmen.
Ich habe vor 30 Jahren als One-Man-Show angefangen. In einer ehemaligen Zwergschule, die ich gemietet habe. Von dort aus habe ich medizinische Wegwerfartikel aus den USA vertrieben. Die erste Urlaubswoche gab es nach sechs, sieben Jahren. Heute fahre ich ins Oberengadin oder nach Frankreich, wo ich Ferienwohnungen habe. Lange bleibe ich nie, schließlich muss ich ein 1500-Mann-Unternehmen führen.
Ein Leben in einem Großkonzern kann ich mir nicht vorstellen. Wir sind ein Familienbetrieb, in dem eine bestimmte Ethik herrscht. Wir sägen uns nicht gegenseitig an den Stühlen."
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