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13.09.2009
 

Krise der US-Gastarbeiter

Leere Kassen im gelobten Land

Aus Mexiko berichtet Knut Henkel

Gastarbeiter: Milliarden für Lateinamerika
Fotos
REUTERS

Sie schlagen sich in die USA durch, um dort Geld für ein besseres Leben zu Hause zu verdienen: Gastarbeiter aus Lateinamerika sind eine Wirtschaftsmacht - sie überweisen jährlich Milliarden Dollar in ihre Heimatländer. Doch die Krise hat nun auch sie erreicht. Plötzlich bleiben die Gelder aus.

Schüchtern posiert José González Tapa vor seinem weißlackierten Nissan Pick-up. Er ist der ganze Stolz des Fuhrunternehmers - und seine zentrale Einkommensquelle.

Auf der Ladefläche sind zwei von einem buckligen Dach geschützte Bänke montiert, täglich ist er damit zwischen den Provinzstädten La Mesa und Tierra Colorada unterwegs. Meist kutschiert der rundliche Mann Passagiere zwischen den beiden Ortschaften herum, manchmal aber auch Waren oder Möbel. "Ich mache alles, was anfällt, und bin glücklich, den Pick-up zu haben", sagt der 38-jährige.

Fünf Jahre hat er in den USA als Lagerarbeiter geschuftet, bis er das Geld für den Wagen zusammen hatte. Dann kam er zurück zu seiner Familie und erfüllte sich den lang gehegten Traum von der Selbständigkeit: "Ein gut bezahlter Job ist hier auf dem Land kaum zu finden. Die ganze Region lebt von den Überweisungen aus den USA", sagt der Unternehmer.

Tatsächlich ist Guerrero damit keine Ausnahme. Der Bundesstaat ist genau wie die benachbarten Regionen Oaxaca und Chiapas bekannt für den anhaltenden Exodus in Richtung USA. Dort, beim reichen Nachbarn, verdienen die Emigranten in der Tomaten- oder Erdbeerernte Kaliforniens, in den Lagerhallen Floridas oder als Haushaltshilfe in Chicago deutlich mehr als in Tierra Colorada oder La Mesa.

200 bis 300 Dollar pro Monat

Und das Geld schicken sie dann jeden Monat an ihre Familien, meist über Finanzdienstleister wie Western Union oder MoneyGram. 200 bis 300 Dollar sind es durchschnittlich, die pro Monat in die Heimat transferiert werden, haben die Experten des Multilateral Investment Fund (MIF) berechnet.

Das Geld der Gastarbeiter hat eine große ökonomische Bedeutung für die Empfängerländer: Allein 2008 flossen 70 Milliarden Dollar aus den USA und Europa nach Lateinamerika und die Karibik, schätzen die Banker. Eine Investitionsspritze, die die Entwicklungshilfe um ein Mehrfaches übersteigt und auch gegenüber den 128 Milliarden Dollar ausländischen Direktinvestitionen nicht allzu klein wirkt.

Doch mit dem Geld steigt die Abhängigkeit von den "Remesas" genannten Überweisungen - und das wirkt sich in Zeiten der Wirtschaftskrise katastrophal aus.

In Mexiko etwa sind die Migrantendollar nach dem Erdöl die wichtigste Devisenquelle und machen etwa 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Rund 25 Milliarden US-Dollar flossen allein 2008 laut der Interamerikanischen Entwicklungsbank aus dem Ausland nach Mexiko. In diesem Jahr werden es deutlich weniger sein. Von einem Rückgang zwischen 12 und 18 Prozent gehen die Experten aus, wodurch sich Mexikos Wirtschaftskrise weiter verschärft. Bisher haben die Migranten in den USA vor allem in der Bauwirtschaft, der Landwirtschaft, im Dienstleistungssektor und anderen Niedriglohnsektoren gearbeitet - und genau da werden jetzt Jobs gestrichen.

Das Problem mit den Migrantendollars haben auch andere Länder in Mittelamerika. Spitzenreiter ist Honduras, wo die Geldüberweisungen aus dem Norden rund ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen. Ähnlich abhängig sind Nicaragua, El Salvador und Guatemala.

Mühselige Reise gen Norden

Gleichzeitig exportieren diese Länder das Gros ihrer Produkte in die USA - und leiden deshalb doppelt. Wegen der Wirtschaftskrise wird weniger geordert und obendrein weniger überwiesen.

Und doch hindert das die Menschen in den Heimatländern nicht, ihr Glück im gelobten Land zu versuchen - obwohl die Reise gen Norden mühselig ist. "Auf den Dächern von Güterzügen, zu Fuß, per Bus oder mit dem Fahrrad sind Männer, Frauen, aber auch Kinder auf dem Weg in die USA unterwegs", sagt Pater Heyman Vázquez. Bei ihm in der Migrantenherberge von Arriaga, einer Provinzstadt in Mexikos Bundesstaat Chiapas, können sich die Durchreisenden aus Honduras, Nicaragua und El Salvador drei Tage erholen und auf den nächsten Güterzug warten. Der bringt sie dann einige hundert Kilometer weiter gen Norden.

Es sind Menschen wie José Alberto García, der sich auf den Weg machen will. Der 18-jährige Honduraner ist seit knapp einer Woche mit einem Kumpel unterwegs. "In Honduras haben wir keine Chance. Für einen Tag Arbeit in der Landwirtschaft bekommen wir fünf bis sechs Dollar, und die politische Situation ist brisant. Also sind wir los", sagt der junge Mann.

Vier, vielleicht fünf Jahre will er in den USA in der Landwirtschaft arbeiten - und dann zurück zu seinen Eltern und Geschwistern, die in einem kleinen Dorf rund eine Fahrstunde von Tegucigalpa entfernt leben. Wie viele andere träumt auch José Alberto den Traum vom eigenen Haus. Und einer Existenz als Taxifahrer.

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Das ist ja interessant - dieselbe Erfahrung habe ich um 1990 herum schon in Georgia, New Mexico und California gemacht, wobei ich einschränken muss: Diejenigen Deutschen waren die offensten Rassisten, die schon 10-30 Jahre in [...] mehr...

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14.09.2009 von opag78: Kurzer Kommentar

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13.09.2009 von Berta: Sein oder Nicht-Sein

Tscha und dann wundern wenn es plötzlich wieder neue Fidels gibt. mehr...

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