Von Susanne Amann
Wesentlich radikaler ist wiederum das vierte Szenario, das die Zukunftsforscher entwerfen. Unter dem Stichwort "Verzichtskapitalismus" zeichnen sie das Bild einer entschleunigten Ökonomie, die das bedingungslose Wachstum nicht mehr als oberstes Ziel begreift. Grundidee ist dabei, dass der Wachstumsgedanke der vergangenen Jahrzehnte den Planeten bereits über Gebühr belastet habe und weitere fatale Konsequenzen des Klimawandels verhindert werden müssen.
Dafür aber werden radikale Maßnahmen ergriffen: So wird für jeden Haushalt eine CO2-Bilanz errechnet und es gibt eine Beschränkung bei der Nutzung von Autos oder Flugzeugen. "Die Ökologisierung der Wirtschaft ist die zentrale Herausforderung", schreibt Studienautor Eike Wenzel. Gleichzeitig setzt man auf die Impulse aus dem Mittelstand - denn nur der sei strukturell in der Lage, eine grüne und ethisch verantwortungsvolle Wirtschaft in die Tat umzusetzen. Um den ökologischen Ansatz nicht zu verwässern, will man gleichzeitig verhindern, dass Großunternehmen - etwa Energieriesen - in die Wachstumsfelder der erneuerbaren Energien eindringen.
Trotzdem setzt man darauf, Wachstum zu generieren - denn auch "Gutes und Richtiges" führt zu Wohlstand. Deshalb will man mit Hilfe von vorausschauender Subventionspolitik Zukunftsbranchen entwickeln und damit lange Anlaufzeiten von neuen Technologien in die Wachstumsstrategie integrieren. Außerdem wird die Perfektion von Recycling-Prozessen gefördert, und es gilt das Prinzip der Nahversorgung. Das heißt konkret: Zwischenhändler sollen entmachtet werden, dafür werden Märkte, Bioläden, Vorort-Konsum und die Selbstversorgung gestärkt.
Das Problem dieses von den Autoren als "Ökosoziales Gewächshaus" bezeichneten Szenarios liegt in der Engstirnigkeit: Die "Verzichtsideologie der Nachhaltigkeitsbüßer" führe zu "engstirnigem Öko-Spießertum" und sei eine "naive Vision einer Heidi-Gutmenschenrepublik".
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