Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Sie sind wieder da und ihre Versprechen sind zynisch. Die Gesellschaft 36 South Investment etwa stellt satte Renditen in Aussicht - wenn es zu einer Hyperinflation in den Industriestaaten kommt. Je heftiger die Währungen einbrechen, desto besser für die Anleger des neuen Hedgefonds. So läuft es nun einmal in dem Geschäft. Hedgefonds wetten auf alles, was wahrscheinlich oder wenigstens möglich scheint - auf steigende oder fallende Rohstoffpreise, Zinsen oder die Entwicklung von Dollar oder Yen. So sind Gewinne auch dann möglich, wenn es um die Wirtschaft eigentlich hundsmiserabel bestellt ist.
Die Finanzkrise hatte den oft als "Heuschrecken" verschmähten Spekulanten heftig zugesetzt. Entsetzte Anleger zogen Hunderte Milliarden Dollar ab, 2008 mussten an die 1500 Fonds aufgeben. Doch die Horrorzeiten sind so schnell vorbeigegangen, wie sie gekommen sind. Die Gier kehrt zurück, die Geschäfte laufen wieder. Das Börsenbarometer, der Eureka Hedgefonds-Index, legte 2009 bislang schon mehr als 13 Prozent zu. Ex-Banker entdecken das Zockergeschäft als neues Betätigungsfeld und locken die Anleger mit günstigen Gebühren. Und trotz aller Ängste in der Welt vor erneuten Finanzbeben können sie ihren risikoreichen Geschäften noch immer weitgehend unbehelligt nachgehen.
Der verzweifelte Kampf um eine Regulierung der Branche ist exemplarisch dafür, wie die Welt bei der Neuordnung der Finanzmärkte zu versagen droht.
Dabei drängt die Zeit, Hedgefonds haben ihre unheimliche Macht schon manches Mal gezeigt. US-Pionier George Soros etwa soll 1992 mit irrwitzigen Wetten auf das britische Pfund eine Milliarde Dollar binnen einer Woche eingefahren haben. Der Nebeneffekt: Die Bank of England musste aus dem Europäischen Währungssystem (EWS) aussteigen, weil sie die garantierten Wechselkurse nicht mehr halten konnte. Sechs Jahre später brachte der Beinahe-Crash des Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM) das Finanzsystem fast zum kollabieren. Er hatte Wetten mit Krediten in aberwitziger Höhe gestemmt - und verloren.
"Mehltau auf dem Finanztrümmerfeld"
Die Branche betont gern, dass sie für die aktuelle Krise nicht verantwortlich gewesen sei. Trotzdem wundert es wenig, dass die Politiker der Welt im Schock der Finanzkrise auch die kaum regulierte Hedgefonds-Industrie endlich unter Aufsicht stellen wollten. Doch die globale Allianz bröckelt schon wieder auseinander, jetzt, wo es darum geht, den hehren Ankündigungen sinnvolle Taten folgen zu lassen.
Dabei gibt es Vorschläge: Die EU-Kommission hat ein Regulierungspaket vorgelegt, das Fonds ab einer bestimmten Größe eine Zulassungspflicht auferlegen und zu mehr Transparenz zwingen will. Manager, die in der EU tätig sind, sollen außerdem die in der Gemeinschaft gültigen Standards einhalten müssen.
Doch es wollen nicht alle mitmachen. Großbritannien wehrt sich nach Kräften. Die meisten Hedgefonds mögen ihren Sitz in Steueroasen mit milden Gesetzen wie den Kaiman-Inseln haben - gemanagt werden sie oft von London aus. Mit der Regulierung tue man sich also "besonders in Großbritannien schwer, um es höflich zu sagen", mäkelt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im "Stern". Auch aus den USA gibt es Gegenwind. Dort liegen zwar ebenfalls Pläne vor, wichtige Hedgefonds bei der Aufsicht registrieren zu lassen - durch das europäische Vorhaben allerdings sieht man die heimischen Anbieter ausgegrenzt.
"Die Branche findet immer Auswege"
Nun steht das Thema Hedgefonds auch auf der Agenda in Pittsburgh beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 mächtigsten Staaten der Welt, doch Beobachter rechnen kaum mit nennenswerten Fortschritten. Schon weil es fast unmöglich erscheint, die heterogene Branche in den Griff zu bekommen. "Das Geschäft ist unüberschaubar. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll zu regulieren", sagt Reinhard Schmidt, Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt. Henrik Enderlein von der Hertie School of Governance vergleicht das verzweifelte Mühen mit dem Versuch, die einzelnen Löcher eines Siebs dicht zu machen. "Die Branche wird immer neue Auswege finden." Bestes Beispiel: In der EU packen Anbieter ihre Hedgefonds schon in den juristischen Mantel klassischer Investmentfonds, um drohenden strengeren Regeln zu entgehen.
Die Welt verliere sich in Details, lautet Enderleins nüchternes Fazit - das gelte nicht nur für das Thema Hedgefonds. So steht in Pittsburgh vor allem die Regulierung exorbitanter Managergehälter im Mittelpunkt. Die mögen moralisch verwerflich sein, das Thema lässt sich zudem gut der Öffentlichkeit verkaufen - die drängendsten Missstände an den Finanzmärkten werden so aber nicht gelöst.
"Es wird an Stellschrauben gedreht, aber es fehlt der Blick aufs große Ganze", sagt Enderlein. "Eine Jahrhundertkrise muss eine Jahrhundertreform zur Folge haben." Wie die aussehen sollte, ist für den Wissenschaftler klar: Kein Finanzakteur dürfe mehr so groß sein, dass sein Untergang das ganze System ins Wanken bringen kann. Zudem müsse eine globale Finanzaufsicht geschaffen werden, "ein unabhängiges Sekretariat für den Währungs- und Finanzbereich". Für das Thema Sicherheit gebe es schließlich auch den Uno-Sicherheitsrat. Der Internationale Währungsfonds, der ausgebaut werden soll, sei kein Ersatz. "Er ist nicht unabhängig, sondern addiert nationale Interessen. Und er hat in den letzten Jahren keine einzige Krise erkannt." Auch das Financial Stability Board (FSB), in dem Vertreter führender Zentralbanken und Finanzaufseher sitzen, sei in seiner Form noch "sehr lose".
"Die Finanzkrise war einfach zu kurz"
Von der Gründung einer Weltfinanzpolizei sind die G 20 so noch weit entfernt. Und der Elan, weiterzugehen, scheint eher zu erlahmen als zu erstarken. Von der Idee eines globalen Kreditregisters etwa, das die Schulden sämtlicher Akteure auflistet und so Gefahren deutlich macht, hört man nichts mehr. So bleiben die Bemühungen zur Schaffung von Institutionen regional begrenzt. Die EU etwa arbeitet an einem "European System of Financial Supervisors", im Rahmen dessen die Zusammenarbeit der nationalen Aufsichten für Banken, Wertpapiere und Versicherungen koordiniert wird.
"Die Finanzkrise war, wenn man es zynisch sagen will, einfach zu kurz", meint Finanzexperte Enderlein. Der Handlungsdruck hat schnell nachgelassen, so drohen viele Initiativen nun totdiskutiert zu werden. Die Finanzjongleure gewinnen derweil neue Kräfte, nicht nur in der Hedgefonds-Branche. "Ich beobachte mit Sorge, dass an manchen Finanzplätzen schon wieder so getan wird, als ob nichts passiert wäre", sagte Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker kurz vor dem Treffen in Pittsburgh. "Es legt sich eine Art Mehltau auf das Finanztrümmerfeld."
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So ist es halt mit dem Glücksspiel: Die Millionen kommen,die Millionen gehen.Ich warte nur darauf,bis die Lobby der Finanzindustrie einen Riester mit Hedgefonds zur Alterssicherung durch die Gesetzesmaschinerie bringen wird.Nichts [...] mehr...
Die Börsen sind mittlerweile zu Casinos mutiert. Mit echten "Investitionen" hat das nur noch selten zu tun. Verzocken ist da schon genau das richtige Wort. mehr...
Nicht die Fonds oder das System sind das Problem, sondern die menschliche gigantische Unreife der Personen, die diese Gelder verwalten - sind das Problem. Dazu muss man sagen, sie sind ein Ausdruck der "normalen" [...] mehr...
Heds font sind dafür da, das d im internationalen Markt, konkurenzfähig bleiben. Ohne die währe d pleite, weil ohne kosteneinsparungen hätte man die letzten jahre keine Gewinne einfahren können und somit auch kein Wachstum [...] mehr...
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