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29.09.2009
 

Weltkrise privat

120 Zafiras für jeden Opel-Mitarbeiter!

Opel-Beschäftigte in Eisenach: Wann kommt sie wohl, die gelbe Gefahr?Zur Großansicht
REUTERS

Opel-Beschäftigte in Eisenach: Wann kommt sie wohl, die gelbe Gefahr?

Sie rauchen im Dienste ihrer Volkswirtschaft, sind unheimlich viele und deshalb vielen unheimlich. Am besten, man bereitet sich schon mal auf die Weltherrschaft der Chinesen vor. Nur wie? SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist Thomas Tuma hat ein Rezept - das gleich noch Deutschlands Baubranche rettet.

Fachleute sind sich einig: Guido Westerwelle wird nicht die einzige gelbe Gefahr der näheren Zukunft sein. Für das nun zu Ende gehende dritte Quartal verkündete eine Pekinger Regierungskommission jüngst ein Wachstum von 8,5 Prozent. Die Volksrepublik China hat deshalb das Ende der Wirtschaftskrise beschlossen. Auf die Idee, dass es so einfach ist, hätte das Berliner Kabinett auch mal kommen können.

Jetzt ist es zu spät, aber so funktioniert eben der kommunistische Kapitalismus: Die politische Führung des chinesischen Bezirks Gong'an zum Beispiel hat vor einiger Zeit all ihre Behördenmitarbeiter zum Rauchen verpflichtet. Plansoll sind 230.000 Packungen pro Jahr, berichtete die chinesische Staatszeitung "Global Times". Damit solle einerseits die örtliche Tabakindustrie gefördert und andererseits das Steueraufkommen erhöht werden, auch wenn nicht ganz klar ist, wie das Projekt im Detail organisiert wird. Möglicherweise werden der Überschaubarkeit halber zehn ältere Beamte ausgelost, die im Dienste ihrer Volkswirtschaft dann jeweils 63 Päckchen täglich rauchen müssen.

China hat auf jeden Fall Modellcharakter für Deutschland, wo das dann folgendermaßen aussehen könnte: Schon nächstes Jahr würde jeder Opel-Mitarbeiter 120 Zafiras ausgeliefert bekommen. Für die Unterstellmöglichkeiten der neuen Fahrzeugflotte müsste jeder selbst sorgen. Allein die 15.600 Beschäftigten der Rüsselsheimer Stammbelegschaft bräuchten innerhalb weniger Monate also 1,872 Millionen neue Garagen, was nicht nur der regionalen Bauindustrie einen nicht zu unterschätzenden Schub verleihen würde. Das obligatorische Abwracken brächte später weitere 4,68 Milliarden Euro, wenn die neue Bundesregierung mitspielt. Mit dem Geld wiederum könnte ein bunter Strauß sogenannter "Garagenfirmen" gegründet werden, die bekanntlich wahnsinnig innovationsintensiv sind. Microsoft hat auch so angefangen. Und Bill Gates hat nie geraucht. Spätestens an dieser Stelle wird klar: Die Chinesen kommen.

Sie sind nicht so verweichlicht wie die alten Europäer

Zwar orakeln westliche Ökonomen zurzeit, in der Volksrepublik könne bald eine Blase platzen. Aber das Platzen von Blasen wird dann einfach im Vorfeld verboten. Die Chinesen kennen sich mit allem besser aus: Zensur, Tischtennis, Dissidenten, Markenpiraterie. Außerdem verfügen sie über jede Menge Devisen, totale Disziplin und sind unglaublich zahlreich. Sie gelten als ebenso widerstands- wie anpassungsfähig und mögen zum Beispiel den deutschen Sportphilosophen Olli Kahn. Der wiederum mag die Chinesen, weil sie nicht so verweichlicht sind wie wir alten Europäer und auch nicht mit Bananen werfen, wenn sie Olli Kahn sehen.

Wann genau China die Weltherrschaft übernimmt, werden die Führungsgremien der KP noch entscheiden. Dann werden sie kommen in ihren Autos, die noch nie einen europäischen Crashtest überlebt haben. Die Frage ist nur, wie wir sie korrekt empfangen, wenn wir am Ende dieser Wirtschaftskrise in selbsterlegten Kleintierfellen vor unsere Lehmhütten treten, die dann unser Zuhause sein werden. Es wäre wahrscheinlich gut, wenn man bis dahin Grundkenntnisse in der einen oder anderen asiatischen Kampfsportart vorweisen könnte - zur Begrüßung, nicht zur Selbstverteidigung. Von Ikebana-Gestecken ist abzuraten. Die würden zu kulturellen Missverständnissen führen. Die eigenen Kinder könnten aber anfangen, Mandarin zu lernen. Was keinesfalls reichen wird: Fachchinesisch.

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insgesamt 19 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
02.10.2009 von uttoh: Genial

das die Chinesen kommen, wusste man schon zu DDR Zeiten: ...da gab es doch diesen Witz - wo ein Sekretär zu Breschnew kommt und meldet, dass 10.000 Menschen auf dem Roten Platz sitzen und essen. Breschnew darauf - "wieso [...] mehr...

30.09.2009 von LJA: Gut

Sie wollen China kritisieren ? Nur zu, die genannten Punkte, und viele andere mehr, sind das absolut wert. Nicht dass ich Ihnen da vorbehaltlos Recht geben würde, aber dass ist ja auch nicht der Sinn einer Diskussion. Aber [...] mehr...

30.09.2009 von petros t: Humorlos

Sie haben Recht, der Autor ist sich sehr bewußt über den Unterschied. Was aber in den wenigen Postings deutlich wird, ist das mangelde Verständniss einiger Foristen für Texte, der fehlende Humor und die Befangenheit in [...] mehr...

30.09.2009 von frubi: .

Richtig. Die Chinesen sind ja keine Barbaren die nur darauf aus sind alle fossilen Brennstoffe für sich abzugraßen. Am Ende würden auch Sie ohne fossilen Brennstoff darstehen. Auch die Chinesen müssen bereits für das 22 [...] mehr...

30.09.2009 von prussi: Umweltbewusstsein???

Ich arbeite seit 4 Jahren fuer chinesische Firmen in Peking und reise sehr viel in China. 1.) Es gibt hier sehr wenig Umweltbewusstein, aber das staatlich verordnete Ziel zum Energiesparen 2.) Die meist staatlichen Elektro- und [...] mehr...

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Die Krise ist überall. Sie dominiert Politik, Kultur, Industrie und Gesellschaft. Irgendwas droht immer gerade unterzugehen: mal eine Partei oder ein Konzern, mal gleich die Weltwirtschaft oder auch nur der gesunde Menschenverstand. Alles sehr ernst - bisweilen aber auch komisch. Zumindest dienstags und donnerstags in der SPIEGEL-ONLINE-Kolumne von Thomas Tuma. Über Anregungen, Lob und Kritik freut sich
thomas_tuma@spiegel.de.







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