Sonntag, 22. November 2009

Wirtschaft



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01.10.2009
 

Lohn-Kluft

Warum die Arbeitswelt Frauen benachteiligt

Von Stefan Schultz

Angestellte: Wachsende Diskrepanz beim Gehalt
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Corbis

Angestellte: Wachsende Diskrepanz beim Gehalt

Frauen und Männer trennt eine gewaltige Lohn-Kluft: Schon zum Berufseinstieg verdienen weibliche Angestellte fast 20 Prozent weniger. SPIEGEL ONLINE zeigt, in welchen Branchen es besonders ungerecht zugeht, welche gesellschaftlichen Ursachen die Ungleichheit hat - und was sich ändern muss.

Hamburg - Es ist eine sehr umfangreiche Studie - und das Ergebnis ist erschütternd: Obwohl es als gesellschaftlicher Konsens angesehen werden kann, dass Frauen und Männer gleich viel verdienen sollten, ist die Realität quer durch die Republik eine andere. Trotz steigender Qualifikationen werden Frauen im Berufsleben - und vor allem bei der Entlohnung - noch immer eklatant benachteiligt. Viele Chefs verteilen das Gehalt nach Geschlecht.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat diesen Misstand nun detailliert untersucht. Mehr als 106.000 Datensätze sind in die Analyse eingeflossen, die Ergebnisse wurden mit Erhebungen aus acht anderen europäischen Ländern verglichen. Bei gleich einer ganzen Reihe von Punkten schneidet Deutschland dabei schlecht ab:

  • Schon beim Einstieg ins Berufsleben sind Frauen deutlich schlechtergestellt als Männer. Ihr Einkommen liegt in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 18,7 Prozent unter dem ihrer männlichen Kollegen.
  • Die Lohnungleichheit steigt mit den Berufsjahren sogar noch an: In der Gruppe der Angestellten mit vier bis zehn Jahren Berufserfahrung wächst der Abstand auf 21,8 Prozent.
  • Im Westen ist der Einkommensunterschied größer als im Osten.
  • Die Lohn-Kluft zieht sich durch alle Branchen.
  • Je größer der Betrieb ist, desto größer ist der absolute Einkommensrückstand weiblicher Berufsanfänger.
  • Im europäischen Vergleich mit sieben anderen Ländern liegt Deutschland zwar noch im oberen Drittel - in Ländern wie Polen oder Spanien ist die Lohndiskrepanz noch weit größer. Allerdings ist das Lohngefälle in vielen europäischen Ländern seit 1995 geschrumpft. In Deutschland dagegen nahm es leicht zu.

Tief verwurzelte gesellschaftliche Denkmuster

Die WSI-Analyse ist mehr als eine Faktenerhebung. Auch die Ursachen der deutschen Lohn-Kluft werden darin detailliert untersucht. Das Ergebnis: Das Ungleichgewicht der Einkommen ist die Folge tiefverwurzelter gesellschaftlicher Entwicklungen, die über Jahrzehnte hinweg ein Wertesystem geformt haben, das Frauen von Grund auf benachteiligt.


Die Benachteiligung von Frauen basiert der Studie zufolge nur zum Teil auf objektiv messbaren Fakten. "Der geschlechtsspezifische Einkommensrückstand lässt sich weder durch unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen noch durch eine spezifische Berufswahl vollständig erklären", sagte Projektleiter Reinhard Bispinck am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie auf einer WSI-Fachtagung zur Gleichstellung. "Die Ergebnisse verweisen vielmehr auf das Fortbestehen geschlechtsspezifischer Lohndiskriminierung."

Ernüchternd ist auch die Bilanz des WSI dessen, was Regierungen und Unternehmensführungen bislang gegen diese Diskriminierung unternommen haben. "In Deutschland gibt es bis dato keine umfassende politische Strategie, die sich des Themas Entgeltgleichheit angenommen hätte", schreibt das WSI.

Wie groß sind die Einkommensunterschiede in verschiedenen Branchen? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen haben das Problem hervorgebracht? Und was sollte gegen Lohnungleichheit unternommen werden? SPIEGEL ONLINE zeigt die Ergebnisse der Erhebung im Überblick.

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