New York - Moralische Werte sollen einen neuen Absturz der Wirtschaft verhindern: Mit einem Grundsatzprogramm zum ethischen Verhalten im Alltag will der Tübinger Theologe Hans Küng einer Wiederholung der gegenwärtigen Krise vorbeugen. Die von ihm und einer Gruppe Intellektueller verfasste "Erklärung zu einem Globalen Wirtschaftsethos" legt fest, was im wirtschaftlichen Alltag "rechtens, gerecht und fair" ist. Dies seien Werte, die alle Menschen weltweit anerkennen könnten - unabhängig von ihrer Kultur, Tradition und Religion, sagte Küng bei der Vorstellung des Programms am Dienstag in New York.
Personen, Unternehmen und Verbände verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, den Grundsätzen künftig bei allen wirtschaftlichen Entscheidungen und Aktivitäten zu folgen. Zur Rechenschaft gezogen werden können sie jedoch nicht.
"Seit Beginn der gegenwärtigen Krise war der Ruf nach einem ethischen Rahmen für die globalen Finanz- und Wirtschaftsmärkte laut aus vielen Ländern der Welt zu vernehmen", sagte Küng bei einem Symposium am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. Die neue Erklärung ermahne alle Beteiligten, verantwortlich zu handeln und die Wirtschaft zu humanisieren. "Die Globalisierung verlangt nach einer globalen Ethik", sagte Küng.
Das Programm fordert von Wirtschaftsunternehmen die Beachtung von "fünf weltweit gültigen Werten":
Das neue Programm überträgt die 1993 aufgestellte "Weltethoserklärung des Parlaments der Weltreligionen" nunmehr auch auf die Wirtschaft, hieß es bei dem Symposium des Uno Global Compact. Dieser Uno-Initiative für eine nachhaltige und sozial verantwortliche Weltwirtschaft haben sich schon Hunderte Unternehmer und Personen des öffentlichen Lebens angeschlossen.
Globalisierung und Wohlstand in der Welt
In seiner Rede hob der 81-jährige Tübinger Professor hervor, dass die Globalisierung nur dann zu Wohlstand in aller Welt führen wird, wenn sich die Menschen grundsätzlich aufeinander verlassen können.
Zwar dürfe jeder seine wirtschaftlichen Eigeninteressen verfolgen, müsse dabei aber ethische Rahmenbedingungen einhalten. Zu den ersten Unterzeichnern der Erklärung gehören die frühere Präsidentin von Irland und ehemalige Menschenrechtskommissarin, Mary Robinson, der US-Wirtschaftsprofessor Jeffrey Sachs sowie der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu.
Seit 1995 ist Küng Präsident der von ihm gegründeten "Stiftung Weltethos". Er ist überzeugt, dass es keinen Frieden der Nationen ohne Frieden der Religionen geben wird. Viele Politiker schlossen sich diesem Programm an. Einige von ihnen solidarisierten sich mit dem katholischen Theologen, darunter im Jahr 2003 der damalige Uno-Generalsekretär Kofi Annan.
mik/dpa
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