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08.10.2009
 

Kostenexplosion im Gesundheitswesen

Krankes System mit Knalleffekt

Von Sven Böll

Den Krankenkassen fehlen schon wieder Milliarden - prompt fordern Lobbyisten mehr Geld für das Gesundheitssystem. Doch höhere Beiträge bräuchte es keineswegs, denn die Sparpotentiale sind immens. SPIEGEL ONLINE nennt die größten Kostentreiber und analysiert, wo Unsummen verschwendet werden.

Hamburg - Der 1. Oktober vor zwei Jahren war ein ganz besonderer Montag. Fast zwölf Prozent der Deutschen gingen an diesem Tag zum Arzt - absoluter Rekord, hat die Gmünder Ersatzkasse (GEK) berechnet. In der Regel begnügen sich zu Wochenbeginn acht Prozent der Bevölkerung mit einem Besuch bei Onkel Doktor.

Ab Dienstag sind es dann zwar weniger, doch an einem normalen Werktag nehmen durchschnittlich mehr als fünf Millionen Deutsche in einem Wartezimmer Platz. Das entspricht der Bevölkerung der beiden größten deutschen Städte Berlin und Hamburg.

Im Schnitt ging jeder Deutsche 2007 fast 18 Mal pro Jahr zum Arzt. Also rund alle drei Wochen. In kaum einem anderen Land sind die Zahlen vergleichbar hoch. Besonders auffallend: Gegenüber 2004 stieg die Zahl der Praxenbesuche sogar um mehr als acht Prozent.

Ein Verursacher der Kostensteigerung im Gesundheitswesen ist damit schon mal ausgemacht: die Beitragszahler selbst. Denn der Arztbesuch ist zumeist der Anfang von allem, zieht er doch fast automatisch weitere Kosten nach sich - sei es in der Apotheke, bei Fachärzten oder im Krankenhaus.


"Problematisch ist, dass viele Patienten diese Folgekosten geradezu provozieren", sagt ein Krankenkasseninsider SPIEGEL ONLINE. "Sie gehen mit einer gewissen Erwartungshaltung zum Doktor." Würde der Arzt kein Rezept ausstellen oder mangels Notwendigkeit eine Überweisung zum Facharzt verweigern, wäre die Enttäuschung entsprechend groß. Weil der Mediziner natürlich will, dass die Patienten wiederkommen (wenn auch am besten erst im nächsten Quartal), verhält er sich rational, wenn er die Wünsche seiner Kunden erfüllt.

Leicht vermeidbare Kosten entstehen auch, weil viele Patienten wegen Wehwehchen zum Arzt gehen, die dann nur einer Pseudo-Behandlung unterzogen werden - nach dem Prinzip: Ohne Medikamente dauert die Erkältung 14 Tage, mit allerdings nur zwei Wochen. Unter Gesundheitsexperten macht deshalb der Spruch die Runde: Ein Land, in dem die Menschen wegen einer Erkältung zum Arzt gehen, bekommt sein Finanzproblem nie in den Griff.

Kosten ließen sich deshalb schon reduzieren, wenn jeder Bürger sein eigenes Verhalten hinterfragen würde. Allerdings gibt es keinen Zweifel daran, dass viele Problemstellen des deutschen Gesundheitssystems bislang jede Reform überlebt haben.

Das Problem: Die einflussreiche Gesundheitslobby von Ärzten, Apothekern, Krankenhausbetreibern und Pharmaindustrie schreckt selten davor zurück, Ängste der Patienten zu schüren. Und vor wenigen Dingen fürchten sich Politiker so sehr wie vor einer Diskussion um die Qualität der Gesundheitsversorgung und vermeintliche Leistungseinschränkungen.

Wo aber ließe sich im Gesundheitssystem Geld sparen - ohne dass die Qualität wirklich leidet? SPIEGEL ONLINE analysiert die größten Ausgabenblöcke der gesetzlichen Krankenkassen - und sagt, wo Milliarden verschwendet werden:

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insgesamt 1429 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.10.2010 von zara.amy: Das wichtigste wird mal wieder übersehen!

Der wichtigste Hauptsinn des Gesundheitsfonds ist gemäß der EU-Menschenrechte zu verhindern dass es Leute (vor allem chronisch Kranke in schwierigen Lebenslagen waren hochgefährdet und ja ich wäre es auch gewesen wenn es den [...] mehr...

14.10.2010 von katzenliebhaber1:

Sehr geehrter Forist, Gleich heute früh hatte ich Ihnen eine Antwort geschrieben. Die Veröffentlichung blieb aus. Warum auch immer. .... mehr...

13.10.2010 von Neuer Debattierer:

Das wird die zusätzliche Bürokratie wg. Datenübermittlung etc. auch nicht wesentlich verringern. Ein automatischer Sozialausgleich über einkommensabhängige Beiträge ist noch immer der praktikabelste Weg. In der Schweiz [...] mehr...

12.10.2010 von katzenliebhaber1:

Nochmal, meiner Meinung nach sollte das Finanzamt zur Datenerfassung zuständig sein. Wissen Sie wie der Sozialausgleich in anderen Ländern bewerkstelligt wird, zB in der Schweiz? mehr...

10.10.2010 von Neuer Debattierer:

Mit "Befreiungskarte" meinen Sie wohl die Befreiung von weiteren Zuzahlungen. Die gibt es jedoch erst, wenn ein Versicherter zwei Prozent (chronisch Kranke ein Prozent) seines jährlichen Bruttohaushaltseinkommens für [...] mehr...

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Der Gesundheitsfonds

In den Gesundheitsfonds fließen alle Beiträge der 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten. Für die rund 150 gesetzlichen Kassen setzt die Bundesregierung seit 2009 einen einheitlichen Beitragssatz fest. Zum 1. Januar 2011 wurde er von 14,9 Prozent auf 15,5 Prozent des Bruttolohns erhöht. Die Arbeitnehmer zahlen davon 8,2 Prozent. Der Anteil der Arbeitgeber wurde unabhängig von künftigen Beitragserhöhungen auf 7,3 Prozent eingefroren.

Aus den Einnahmen des Fonds wird den Kassen das Geld dann zugewiesen. Das Volumen ist für ein Jahr im Voraus fixiert. 2011 bekommen sie 178,9 Milliarden Euro. Für jeden Versicherten erhalten die Kassen je nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand Zu- und Abschläge. Krankenkassen mit älteren und kranken Versicherten erhalten mehr Geld als Kassen mit einer Vielzahl an jungen und gesunden Versicherten.

Erzielen die Kassen einen Überschuss, können sie eine Prämie an ihre Versicherten ausschütten. Die Entscheidung über deren Höhe und den Zeitpunkt der Ausschüttung, monatlich oder jährlich, bleibt der Kasse überlassen.

Kassen, die mit den zugeteilten Mitteln nicht auskommen, dürfen einen Zusatzbeitrag verlangen. Er wird vom Versicherten als feste Summe gezahlt. Theoretisch können die Kassen die Zusatzbeiträge in beliebiger Höhe festsetzen. Mitglieder haben aber ein Sonderkündigungsrecht, wenn Zusatzbeiträge erhoben oder erhöht werden, und können zu einer günstigeren Kasse wechseln.


Die Gesundheitsreform der Großen Koalition

Ein-Prozent-Klausel

Die SPD hat eine ihrer Hauptforderungen durchgesetzt - zumindest vordergründig: Der Zusatzbetrag, den die Kassen von ihren Versicherten erheben dürfen, wenn sie mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, darf nicht mehr als ein Prozent des Haushaltseinkommens der Versicherten betragen. Die Union hat allerdings eine Ausnahme von der Ein-Prozent-Regel erstritten: eine pauschale Prämie.

Pauschale Prämie

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Private Kassen

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