Köln - Es gleicht moderner Sklaverei: Im Kampf gegen Schwarzarbeit und Lohndumping hat das Hauptzollamt Köln Anfang Oktober 150 Friseursalons in Nordrhein-Westfalen (NRW) überprüft. Im Einzelfall wurden dabei Stundenlöhne von nur 1,50 bis fünf Euro festgestellt.
Wie die Behörde am Donnerstag mitteilte, wurden in Köln, Bonn, dem Rhein-Erft-Kreis, dem Rhein-Sieg-Kreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis und dem Oberbergischen Kreis insgesamt 450 Arbeitgeber und Beschäftigte befragt. Die Ermittlungen wegen Lohndumpings dauern an.
Nach vorläufigen Ergebnissen konnten acht Verstöße direkt vor Ort geahndet werden. Bei mehreren Personen wird zudem geprüft, ob Sozialleistungen zu Unrecht bezogen worden sind. In einigen Fällen besteht der Verdacht von Verstößen gegen Meldepflichten. Den Betroffenen drohen Bußgelder und Strafverfahren.
Mehr als jeder fünfte Beschäftigte bekommt Niedriglohn
Gegenüber SPIEGEL ONLINE hieß es beim Friseur- und Kosmetikverband NRW, dass die Tarifverträge derzeit nicht allgemeingültig seien. Das heißt: Arbeitgeber müssen sich nicht nach ihnen richten. Allerdings werde eine entsprechende Erklärung der Tarifparteien für die kommende Woche erwartet.
In den für 2008 vereinbarten Tarifverträgen lag der niedrigste Stundenlohn für ausgebildete Friseure in NRW bei 7,60 Euro. Azubis verdienten im ersten Lehrjahr 350 Euro pro Monat.
Nach Berechnungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen arbeiten in Deutschland insgesamt 6,5 Millionen Menschen und damit mehr als jeder fünfte Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Als Niedriglohn sind dabei 9,62 Euro in West- und 7,18 Euro in Ostdeutschland definiert. Besorgniserregend ist nach Erkenntnissen der Forscher vor allem die Zunahme der Niedriglohnbeschäftigten seit 1995 um 2,1 Millionen Menschen.
böl/ddp/Dow Jones Newswires
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