Wirtschaft


  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
12.10.2009
 

Schwarz-gelbe Koalition

Großkonzerne müssen mit Zerschlagung rechnen

Kanzlerin Merkel, FDP-Prominente Westerwelle, Brüderle: Großkonzerne notfalls zerschlagenZur Großansicht
Getty Images

Kanzlerin Merkel, FDP-Prominente Westerwelle, Brüderle: Großkonzerne notfalls zerschlagen

Unter einer schwarz-gelben Regierung könnten harte Zeiten für Großkonzerne anbrechen. Die Wirtschaftspolitiker von FDP und Union haben sich bereits über eine Klausel geeinigt, die eine Zerschlagung von übermächtigen Unternehmen vorsieht. Die letzte Entscheidung liegt jetzt bei der Spitzenrunde.

Hamburg - Union und FDP wollen die neue Bundesregierung ermächtigen, Großkonzerne notfalls zu zerschlagen. Die Wirtschaftspolitiker der Parteien haben nach Informationen der "Financial Times Deutschland" ("FTD") in ihren Koalitionsverhandlungen vereinbart, dass große Unternehmen in letzter Konsequenz damit rechnen müssen, zugunsten von mehr Wettbewerb vom Staat zurechtgestutzt zu werden.

Unter dem Kapitel "Wettbewerbspolitik" sei im elfseitigen Entwurf für den Koalitionsvertrag niedergeschrieben: "In das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen wird als ultima ratio ein Entflechtungsinstrument integriert." Auch Elemente der europäischen Fusionskontrolle sollen übernommen werden. "Das Bundeskartellamt wird bei der wettbewerblichen Folgenabschätzung in Gesetzgebungsverfahren beteiligt", vereinbarten die Unterhändler von CDU, CSU und FDP.

Die FDP hatte bereits vor gut zwei Jahren im Bundestag in einem Oppositionsantrag auf eine Entflechtungsregelung gedrungen. Die Unionsparteien sind erst im Zuge zahlreicher Konzernaffären und als Folge der Wirtschaftskrise von den Großkonzernen abgerückt. "Es muss durchaus die Möglichkeit geben, dass der Staat stärker als bislang eingreifen kann", sagte ein Unionsunterhändler der "FTD".

Die Liberalen haben dabei marktbeherrschende Unternehmen im Energiesektor und in der Medienbranche im Visier. In der Union hieß es, auch Post- und Telekommunikationskonzerne könnten betroffen sein.

Die Zerschlagung sei nach der Bankenkrise zudem ein geeignetes Mittel, um Steuergelder zu retten, schreibt die "FTD" weiter. So könnten gefährlich aufgeblähte Geldinstitute filetiert werden. Schwarz-Gelb will verhindern, dass der Staat zu einer weiteren Rettungsaktion wie bei dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate gezwungen wird. Die Regierung hatte das Institut mit Milliardensummen vor dem Kollaps bewahren müssen, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern.

Wie das Entflechtungsinstrument genau aussehen soll, sei nach den ersten Runden der Koalitionsverhandlungen aber noch offen. "Wir sind im Detail noch nicht vorangekommen", sagte ein Unterhändler der "FTD".

Am Montag sollen die Beratungen über Details aufgenommen werden - in enger Abstimmung mit den Kollegen von der Arbeitsgruppe Justiz. Unterhändler zeigten sich der "FTD" zufolge jedoch zuversichtlich, dass die Koalitionsspitzenrunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, FDP-Chef Guido Westerwelle und dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer dem Vorhaben in den kommenden Tagen zustimmen wird.

mik

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 356 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.07.2010 von ANDIEFUZZICH: Deathparade

Wenn der Kapitalismus an seine Grenzen stösst, da hilft im Zeitalter der Computer auch keine Reichensteuer mehr, sondern es zeichnet sich ein Bild ab, wo der finanzielle Reichtum bald Vergangenheit sein wird, denn in Wahrheit [...] mehr...

28.07.2010 von #Nachgedacht: Wozu höhere Steuern?

Geld ist genügend da! Wichtig wäre es. - Steuerschlupflöcher abzuschaffen - Steuern Ökonomisch sinnvoll Verwenden keine Prestigeobjekte kein Stückwerk - mehr Steuergerechtigkeit - Steuerverschwendung konsequent [...] mehr...

26.07.2010 von richie:

Und muss noch mehr Schulden aufnehmen...Siehe Griechenland! mehr...

26.07.2010 von M. Zürcher:

Ein Staat der offensichtlich eine zu geringe Haushaltsdisziplin hat, sollte die Steuern senken. Dadurch hat er weniger Geld das er wie wild ausgeben kann. Oder auch nicht. mehr...

26.07.2010 von grauer kater:

Man muß Rahmenbedingungen schaffen, die die Menschen in produktive Arbeit bringen, dann lassen sich die Probleme alle lösen! Höhere Steuern lösen allerdings nichts, sie verschärfen die Probleme nur! mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Merkels schwarz-gelbe Regierung

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Drei mal Neun - die schwarz-gelbe Koalitionsrunde

Eine Kommission aus 27 Politikern soll bis Anfang November das Regierungsprogramm der neuen schwarz-gelben Koalition aushandeln. Ihr gehören jeweils neun Vertreter aus CDU, CSU und FDP an. Daneben sollen zusätzliche Arbeitsgruppen die Entscheidungen in den einzelnen politischen Bereichen vorbereiten. In der großen Spitzenrunde sind mit dabei:

CDU

CSU

FDP


Die Steuerversprechen der Parteien

Ein gerechteres Steuersystem - das versprechen alle Parteien für die Zeit nach der Wahl. Die Wege und Konzepte, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll, unterscheiden sich allerdings erheblich. Eine Übersicht über die Positionen zur Steuerpolitik:

CDU/CSU

SPD

FDP

Grüne

Linke






TOP



TOP