Ein Kommentar von Wolfgang Reuter
Berlin - Was für ein Schauspiel: Da platzt der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin mit seinen schrillen und populistischen Thesen zur Integrationspolitik in die beschauliche, ja andächtige Stille der ehrfurchtsvollsten Institution dieser Republik. Im Selbstverständnis der Bundesbanker ist das in etwa so, als ob sich ein betrunkener Fußball-Hooligan Zutritt verschafft hätte, zur Sakristei der mächtigsten Kathedrale in der bundesdeutschen Finanzwelt - und nun dort seine anrüchigen Schlachtrufe skandieren würde.
Kein Wunder also, dass der Hohepriester des Geldes, Bundesbank-Chef Axel Weber, den nervigen Poltergeist Sarrazin rauswerfen will, koste es, was es wolle. Doch dem sakralen Würdenträger sind - wie könnte es in einem stilechten Drama auch anders sein - die Hände gebunden. Er kann seinen profanen Vorstandskollegen nicht einfach vor die Tür setzen, auch wenn er nichts lieber täte. Also sinnt er auf Rache: Per Mehrheitsbeschluss will Weber den unliebsamen Sarrazin entmachten. Doch dafür braucht er auch die übrigen Vorstände.
Und jetzt beginnt das Theaterstück ganz furchtbar rational zu werden, schrecklich abwägend und geradezu unerträglich aufklärerisch. Denn Webers Ordensbrüder haben die salomonische Weisheit, die den beiden Streithähnen offenbar abhanden gekommen ist: Sie entmachten Sarrazin, aber nicht so weitgehend, wie es Weber gefordert hatte.
Das Publikum will Sieger sehen
Das Ergebnis: Sarrazin hat gewonnen, weil seine Strafe geringer ausgefallen ist, als erwartet. Und Weber hat gewonnen, weil er sich zumindest teilweise durchsetzen konnte. Am Ende steht eine Warnung an Sarrazin, aus den Tiefen des Gotteshauses künftig keine schrillen Thesen in die Öffentlichkeit mehr zu plärren. Und eine Warnung an Weber, seinen Alleinherrscheranspruch etwas zu zügeln.
Beides liest sich dann so: "Der Vorstand der Deutschen Bundesbank hat sich heute in einer Aussprache auf die Grundlagen für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit verständigt. Es gilt jetzt, den Blick nach vorn zu richten und gemeinsam die schwierigen Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen."
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Das Publikum aber gähnt. Es will Sieger sehen und Verlierer. Und zwar zu Recht. Jeder weiß, dass Weber und Sarrazin in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Und niemand glaubt, dass sie, nach allem was vorgefallen ist, künftig vertrauensvoll zusammenarbeiten.
Dabei stehen der Bundesbank in der Zukunft wichtige Aufgaben bevor. Sie muss, so wollen es die neuen Machthaber in Berlin, die gesamte Bankenaufsicht unter ihre Fittiche nehmen - und dabei all die Fehler vermeiden, die vor der Finanzkrise nicht vermieden worden sind. Denn sowohl die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die derzeit noch mit der Bundesbank zusammen die Geldhäuser der Republik kontrolliert, als auch die Notenbank selbst hatten detaillierte Kenntnisse von den enormen außerbilanziellen Risiken der Landesbanken. Nur unternommen haben sie nichts oder zumindest viel zu wenig.
Bundesbank muss Stimme der Vernunft werden
Vor allem aber muss sie ihren Einfluss geltend machen, um die enormen Geldströme, die von den Notenbanken der Welt als Löschmittel gegen einen Flächenbrand in der Finanzkrise eingesetzt wurden, wieder abzupumpen. Denn noch wabern die Milliarden und Abermilliarden an Zentralbankgeldern über den Globus - und drohen neues Unheil anzurichten. Schon bilden sich neue Spekulationsblasen, schon werden erste Stimmen laut, die sich gegen neue Spielregeln im globalen Finanzkapitalismus richten, die einfach nur 'Zurück auf Los' fordern. Nach dem Motto: Neues Spiel, neues Glück.
Hier ist die Bundesbank gefordert, als Stimme der Vernunft im Konzert der europäischen Zentralbanken - und als Stimme des Widerstands gegen die laxen Attitüden vor allem der US-Notenbank Federal Reserve. Doch ob das mit einem Vorstand gelingt, der sich so in den Haaren gelegen hat wie Weber und Sarrazin, ist mehr als fraglich.
Der Burgfrieden von Frankfurt: Er ist ein Schauspiel. Aber ach, ein Schauspiel nur.
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verschenken tuns und legen noch Harz IV lebenslänglich oben drauf mehr...
...auf einen sachlichen Beitrag Ihrerseits. Dem, den Sie hier zitiert haben, ist jedenfalls die Sachlichkeit und die Eigenschaft der Themenzugehörigkeit nicht abhandengekommen ! mehr...
Stimmt.Sie haben recht. mehr...
Da ist schon was Wahres dran.Wobei ich das Problem eher in der geringen Differenz zwischen Hartz IV und dem erzielbaren Einkommen besonders bei Geringqualifizierten sehe.Wenn Sie etwa so einen Familienvater aus Sarrazin´s [...] mehr...
Nikolaus aus Kleinasien ist auch ein gelunges Integrationsbeispiel. mehr...
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