Von SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist Thomas Tuma
Hamburg - Die Schweinegrippe-Besorgnis wächst. Seit Wochen bemühen sich Tausende Bundesbürger um eine ordnungsgemäße Infektion. Doch die Gesundheitsbehörden mauern.
Manche Pandemie-Laien wurden schon dabei beobachtet, wie sie sich aus schierer Verzweiflung am nächsten Flughafen unter einen Mob hustender Urlaubsheimkehrer mit "Malle"-Shirts mischen wollten. Andere riefen infizierte Mitmenschen per Kleinanzeige zu Schweinegrippe-Treffs auf, um im Rahmen eines bunten Abends alle Familienangehörigen mit anstecken zu lassen.
Oder sie flehten ihren Hausarzt an, das Kratzen im Hals endlich "als das zu sehen, was es ist: Ich hab die Seuche!"
Vielsprechend waren die Erfahrungsberichte erster infizierter Lokaljournalisten, deren Zeitungen die oft anrührend-intimen Tagebücher als Dokumente einer seelenlos gewordenen Gesellschaft druckten. Meist klang das etwa so: "Dritter Tag - liege im Bett und fühl mich schlapp. Wieder harter Stuhl. Nachbarn erschrecken, wenn sie mich im Pyjama zum Müll schlurchen sehen. Vierter Tag - Fange an, aus purer Langeweile bei NeunLive mitzuraten. Meist kommt 'Aschaffenburg' raus. Heute gar kein Stuhl. Auch noch Darmverschluss?"
Dazu sah man Fotos von bleichen Lokaljournalisten, die aussahen wie bleiche Lokaljournalisten, nur mit Mundschutz.
Hier greift die scheidende SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt mit dem letzten großen Panik-Projekt ihrer Legislaturperiode an: In den kommenden Wochen soll die bundesweite Schweinegrippe-Massenimpfung anlaufen. Im Interesse einer landesweiten Hysterie hat die Ministerin keine Kosten gescheut, dass pünktlich viel zu wenig Impfstoff bereitliegt. Nun sind nur 50 Millionen Dosen da.
Hausärzte warnen hinter vorgehaltener Hand statt mit Mundschutz
Zuerst sollen Schwangere, chronisch Kranke und sogenanntes medizinisches Schlüsselpersonal behandelt werden - also Sandy Meyer-Wölden und überbezahlte Chefärzte. Kleine, pumperlgsunde türkische Kopftuchmädchen aus Berlin-Kreuzberg müssen sich ebenso hinten anstellen wie 64-jährige Bundesbank-Noch-Vorstände aus Frankfurt. Wenn das kein menschenverachtender Rassismus ist!
Als weitere Aufreger werden von der Bundesregierung bereitgestellt: die geldgeile Pharmamafia, die explodierenden Behandlungskosten und natürlich die Impfung selbst. In den USA wird vorerst nur gesprayt. In Deutschland setzt man dagegen auf die archaische Muskelspritze, die Schweißausbrüche und Herzrasen gewährleistet. Blutvergiftungen gibt es auf Nachfrage.
Laut "Hamburger Abendblatt" verweisen viele Hausärzte nur "hinter vorgehaltener Hand" auf die Probleme der Impfung. Dabei wäre ein handelsüblicher Mundschutz auch hier deutlich effizienter als eine Hand vorm Gesicht. Die Hoffnung auf weitere Risiken ist jedenfalls beachtlich. Fachleute setzen vor allem auf den beigemischten Wirkverstärker ASO3, der möglicherweise unkalkulierbare Nebenwirkungen auslöst: Hautrötungen und Schwellungen sind quasi garantiert. Vielleicht wächst einem auch ein drittes Ohr in der Achselhöhle. Oder man bildet sich zur Schweinegrippe noch Ebola ein bzw. hält sich plötzlich für Guido Westerwelle.
Die Bundeswehr protestiert, weil sie das Mittel ohne die Verstärkerstoffe bekommen soll. Halten unsere Jungs dafür am Hindukusch den Kopf hin? Für die schwarz-gelbe Koalition gibt es noch jede Menge zu tun, um die wachsenden Bedenken in der Bevölkerung stufenlos weiter hochzupegeln in Richtung nackte Massenhysterie.
Eher durch Zufall stellte sich kürzlich heraus: Jährlich sterben allein in Deutschland Hunderttausende Menschen. Einfach so. Der Tod ist eine Seuche. Hier muss endlich was geschehen!
Auf anderen Social Networks posten:
kein pharma-gift "gönne" ich denen! bin behindert, weiss wovon ich spreche. mehr...
Ach komm, gönn denen doch mal was. mehr...
um sie herum wollen sie nicht zwingen, sich impfen zu lassen gegen dieses und jenes und nun die schweinegrippe überhaupt? da können sie froh sein drüber. meine freundin hat ihren nunmehr 12jährigen sohn auch nicht impfen [...] mehr...
Seit ich selbständig denken und aufbegehren kann, also so ab ca. 7 Jahren :-)), bin ich nicht mehr gegen IRGENDETWAS geimpft worden. Ich lebe immer noch. Meine krankheitsbedingten Ausfalltage belaufen sich unter 1 Tag pro [...] mehr...
das stelle ich mir supergut vor. und wie verhindern wir, dass das impfgift - verfallsdatum: längst abgelaufen - in die dritte welt verscherbelt wird? mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Finanzkrise ab 2007 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH