Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum "um ein Prozent". Sie warnte am Mittwoch in Hannover aber zugleich vor übertriebenen Erwartungen. Ein Wachstum dieser Größenordnung bedeute, dass "wir erst langsam aus dem Tal kommen, aber noch lange nicht da sind, wo wir waren", sagte Merkel auf dem Kongress der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Aus informierten Koalitionskreisen hieß es, die Bundesregierung wolle ihre Prognose von 0,5 auf rund 1,2 Prozent anheben.
Stützen können sich Merkel und ihre Kollegen auf die Einschätzung führender Wirtschaftsexperten. Die sagen voraus, dass Deutschland schneller als erwartet aus der Krise kommt. In ihrem Herbstgutachten werden die Forschungsinstitute für das nächste Jahr offenbar ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent voraussagen, berichtete die "Financial Times Deutschland". Im laufenden Jahr wird mit einem Konjunktureinbruch von fünf Prozent gerechnet. Die Institute stellen am Donnerstag ihre neuen Zahlen vor. Am Freitag folgt Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit der offiziellen Konjunkturprognose der Bundesregierung.
Deutschland wird - wie erwartet - bereits in diesem Jahr die Defizitgrenze des Maastricht-Vertrages verfehlen, nach der die Neuverschuldung nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes betragen darf. Das Herbstgutachten gehe von einer Defizitquote von 3,2 Prozent in diesem und 5,2 Prozent 2010 aus, berichtete das "Handelsblatt". Das Bundesfinanzministerium hofft nach früheren Angaben, spätestens 2013 das EU-Kriterium wieder zu erfüllen.
DIHK wegen "starker Dynamik" zuversichtlich
Auch die Unternehmen sind zuversichtlich. "Die Konjunktur erholt sich schneller als erwartet", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, in Berlin. Der DIHK erwartet für 2010 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von zwei Prozent, für 2009 ein Minus von 4,8 Prozent.
"Wir sind optimistischer als die Institute", sagte DIHK- Chefvolkswirt Volker Treier. Derzeit sei in der Wirtschaft eine "starke Dynamik" festzustellen, "die sich aber zum Jahresende wieder abschwächen kann". Das Produktionsniveau vor der Wirtschaftskrise werde voraussichtlich erst Ende 2012 wieder erreicht sein, sagte Treier. Die Industrie- und Handelskammern hatten bis kurz vor der Bundestagswahl rund 25.000 Firmen befragt.
Der DIHK rechnet nun mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl von 3,45 Millionen (2009) auf 3,9 Millionen im Jahresdurchschnitt 2010. Das entspräche einer Quote von 9,3 Prozent. In der Spitze könnten 4,2 oder 4,3 Millionen Erwerbslose erreicht werden, sagte Treier.
ore/dpa-AFX
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