Die Milliardenspritzen der Notenbanken scheinen zu wirken, ebenso wie die gigantischen staatlichen Konjunkturpakete: Das Geschäftsklima hellt sich auf, die Auftragsbücher der Industrie füllen sich, Banken machen wieder Milliardengewinne. Die Indizes führender Aktienbörsen haben ihre Tiefstände vom Frühjahr weit hinter sich gelassen.
Gleichzeitig sind die Zentralbankzinsen im Keller, die staatlichen Haushalte türmen riesige Defizite auf. Der Goldpreis - üblicherweise ein Krisenbarometer und Gradmesser für Inflationsgefahren - hat die Eintausend-Dollar-Marke genommen.
Was aber heißt das?
Auch wenn es heute nicht so aussieht: Es bedeutet, dass die Inflation zu einem Problem werden dürfte. Denn die grundlegende Voraussetzung für Inflation ist Geldschöpfung, eine Ausweitung der Geldmenge über das produktive, reale Wachstumspotential einer Wirtschaft hinaus. Mit der weltweiten Politik des "leichten Geldes" findet derzeit Geldschöpfung in nie gekanntem Ausmaß statt. Die Schwäche des Dollar, der rekordhohe Goldpreis, die Rallye bei Bonds und Aktien, die wieder erwachte Risikolust vieler Investoren - all das kann als Zeichen für eine im Verhältnis zur realwirtschaftlichen Produktion zu hohe Geldschöpfung gedeutet werden.
Gleichzeitig besteht die Gefahr wachsender Arbeitslosigkeit - auch in Deutschland, wo bislang staatliche Kriseninterventionen wie Abwrackprämie, verlängertes Kurzabeitergeld oder Rettungsversuche à la Opel einen merklichen Anstieg der Arbeitslosenquote verhindert haben. Jedenfalls fürs Erste.
Die Regierungen flüchten sich in Protektionismus
Doch dabei wurde die Saat für neue Blasen gesät. Sollten auch diese Blasen platzen - kein öffentlicher Haushalt hielte der Belastungsprobe noch einmal stand. Mit jedem Versuch, Steuerzahlergeld in neuen Krisenlöchern zu versenken, würden Regierungen dramatisch scheitern - wirtschaftlich wie politisch.
Davor hat die Politik Angst. Daher werden Politiker weltweit versuchen, die Defizite ihrer öffentlichen Haushalte unter Kontrolle zu bekommen. Üblicherweise mit höheren Einnahmen. Aber zunehmend auch mit den Mitteln verschärfter Regulierung und direkter Eingriffe in Märkte. Höhere Abgaben und Steuern dürften nur eine Frage der Zeit sein. Selbst in Deutschland, wo viele noch hoffen, die neue Regierung werde den Bundeshaushalt durch Sparsamkeit statt über höhere Steuern und Abgaben konsolidieren.
Doch nach der jüngsten Krise stehen die Zeichen auf Protektionismus, suchen Regierungen weltweit ihr Heil in Handelsbeschränkungen und in staatlicher Steuerung von Märkten: Sie werden immer massiver in Angebot und Nachfrage sowie in die Preis- und Lohnfindung eingreifen.
Die Chancen auf hochwertiges Wachstum schwinden
Unter diesen Voraussetzungen dürfte es den Notenbanken, wie unabhängig sie sich auch wähnen, äußerst schwer fallen, die angemessene "Exit-Strategie" zu finden: Möglichkeiten also, den Märkten die gefährlich hohe Überschussliquidität wieder zu entziehen, um der Inflationsgefahr rechtzeitig zu begegnen.
Für einen nachhaltigen, sich selbst tragenden Aufschwung gibt es derzeit kaum überzeugende Hinweise. Vielmehr deutet sich die Gefahr einer längeren Phase steigender Preise, wachsender Arbeitslosigkeit, sinkender verfügbarer Einkommen, geringen Wirtschaftswachstums sowie zunehmend aggressiver geführter Verteilungskämpfe an.
Dieses Phänomen wird nach seinen beiden Hauptkomponenten - Stagnation und Inflation - mit dem Begriff Stagflation umschrieben.
Für die Kapitalmärkte verheißt das nicht viel Gutes: Die Strukturdefizite bleiben bestehen, die Chancen auf ein qualitativ hochwertiges Wachstum schwinden.
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