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27.10.2009
 

Folgen der Wirtschaftskrise

Warum Deutschlands Motor noch lange stottert

Banken-Skyline in Frankfurt am Main: Alles unter Kontrolle?Zur Großansicht
ddp

Banken-Skyline in Frankfurt am Main: Alles unter Kontrolle?

Schwarz-Gelb verbreitet Optimismus - doch die Wirtschaft ist noch lange nicht gesund. Die Geldmenge wächst zu schnell, die Arbeitslosigkeit steigt, weltweit flüchten sich Regierungen in Protektionismus. Deutschland droht Mini-Wachstum bei steigenden Preisen, fürchtet Aktienstratege Johannes J. Reich.

Die Milliardenspritzen der Notenbanken scheinen zu wirken, ebenso wie die gigantischen staatlichen Konjunkturpakete: Das Geschäftsklima hellt sich auf, die Auftragsbücher der Industrie füllen sich, Banken machen wieder Milliardengewinne. Die Indizes führender Aktienbörsen haben ihre Tiefstände vom Frühjahr weit hinter sich gelassen.

Gleichzeitig sind die Zentralbankzinsen im Keller, die staatlichen Haushalte türmen riesige Defizite auf. Der Goldpreis - üblicherweise ein Krisenbarometer und Gradmesser für Inflationsgefahren - hat die Eintausend-Dollar-Marke genommen.

Was aber heißt das?

Auch wenn es heute nicht so aussieht: Es bedeutet, dass die Inflation zu einem Problem werden dürfte. Denn die grundlegende Voraussetzung für Inflation ist Geldschöpfung, eine Ausweitung der Geldmenge über das produktive, reale Wachstumspotential einer Wirtschaft hinaus. Mit der weltweiten Politik des "leichten Geldes" findet derzeit Geldschöpfung in nie gekanntem Ausmaß statt. Die Schwäche des Dollar, der rekordhohe Goldpreis, die Rallye bei Bonds und Aktien, die wieder erwachte Risikolust vieler Investoren - all das kann als Zeichen für eine im Verhältnis zur realwirtschaftlichen Produktion zu hohe Geldschöpfung gedeutet werden.

Gleichzeitig besteht die Gefahr wachsender Arbeitslosigkeit - auch in Deutschland, wo bislang staatliche Kriseninterventionen wie Abwrackprämie, verlängertes Kurzabeitergeld oder Rettungsversuche à la Opel einen merklichen Anstieg der Arbeitslosenquote verhindert haben. Jedenfalls fürs Erste.

Die Regierungen flüchten sich in Protektionismus

Doch dabei wurde die Saat für neue Blasen gesät. Sollten auch diese Blasen platzen - kein öffentlicher Haushalt hielte der Belastungsprobe noch einmal stand. Mit jedem Versuch, Steuerzahlergeld in neuen Krisenlöchern zu versenken, würden Regierungen dramatisch scheitern - wirtschaftlich wie politisch.

Davor hat die Politik Angst. Daher werden Politiker weltweit versuchen, die Defizite ihrer öffentlichen Haushalte unter Kontrolle zu bekommen. Üblicherweise mit höheren Einnahmen. Aber zunehmend auch mit den Mitteln verschärfter Regulierung und direkter Eingriffe in Märkte. Höhere Abgaben und Steuern dürften nur eine Frage der Zeit sein. Selbst in Deutschland, wo viele noch hoffen, die neue Regierung werde den Bundeshaushalt durch Sparsamkeit statt über höhere Steuern und Abgaben konsolidieren.

Doch nach der jüngsten Krise stehen die Zeichen auf Protektionismus, suchen Regierungen weltweit ihr Heil in Handelsbeschränkungen und in staatlicher Steuerung von Märkten: Sie werden immer massiver in Angebot und Nachfrage sowie in die Preis- und Lohnfindung eingreifen.

Die Chancen auf hochwertiges Wachstum schwinden

Unter diesen Voraussetzungen dürfte es den Notenbanken, wie unabhängig sie sich auch wähnen, äußerst schwer fallen, die angemessene "Exit-Strategie" zu finden: Möglichkeiten also, den Märkten die gefährlich hohe Überschussliquidität wieder zu entziehen, um der Inflationsgefahr rechtzeitig zu begegnen.

Für einen nachhaltigen, sich selbst tragenden Aufschwung gibt es derzeit kaum überzeugende Hinweise. Vielmehr deutet sich die Gefahr einer längeren Phase steigender Preise, wachsender Arbeitslosigkeit, sinkender verfügbarer Einkommen, geringen Wirtschaftswachstums sowie zunehmend aggressiver geführter Verteilungskämpfe an.

Dieses Phänomen wird nach seinen beiden Hauptkomponenten - Stagnation und Inflation - mit dem Begriff Stagflation umschrieben.

Für die Kapitalmärkte verheißt das nicht viel Gutes: Die Strukturdefizite bleiben bestehen, die Chancen auf ein qualitativ hochwertiges Wachstum schwinden.

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insgesamt 1589 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.03.2010 von rosiweissnix:

Natürlich sind Sie weder klüger noch dümmer, jedoch werden Sie für "dumm" verkauft, jedoch mit immer dümmeren Verkaufssprüchen. Die Strategie ist bekannt, birgt jedoch Gefahren. Es gibt einen berühmt berüchtigten [...] mehr...

30.03.2010 von Margrit2:

Zustimmung. Klickt man das örtliche Arbeitsamt an, kommen nur Stellen bei Zeitarb.-Firmen oder Callcentern. Mit Arbeitslosen wird mittlerweile ein ganz enormer Mißbrauch getreiben. Sogar Callcenter erhalten [...] mehr...

30.03.2010 von Margrit2: noch lange nicht

Die Rezession ist noch lange nicht vorbei. Wir werden uns noch wundern. Der artikel -Die Seitenhiebe aus den USA- bringt es auf den Punkt. Amerika hat im Gegensatz zu Deutschland, die Banken in die Pflicht genommen. Das aht [...] mehr...

30.03.2010 von famulus: Ein schöner Tendenzartikel

Ein schöner Tendenzartikel, das und nicht mehr ist es. Wie eine von der Bundesregierung bestellte Lobhudelei. Und wie so vieles von dem, was der "Spiegel" so kund tut, soll es die Leute beruhigen. Aber mehr [...] mehr...

30.03.2010 von rosiweissnix:

Wäre doch mal eine ordentliche Recherche wert und bietet sicherlich genug Stoff für eine schöne Dokumentation ... mehr...

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Zur Person

Metzler Equities
Johannes J. Reich, Jahrgang 1959, leitet den Bereich Corporate Finance sowie das institutionelle Aktiengeschäft des Bankhauses Metzler. Für das Institut formuliert er die Aktienstrategie und bewertet die deutsche Finanz- und Wirtschaftspolitik. Reich begann seine Laufbahn im Investmentbanking 1990 bei der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Zuvor war der studierte Wirtschaftsingenieur und promovierte Finanzwissenschaftler als wissenschaftlicher Assistent und akademischer Rat an der Rheinisch-Westfalischen Technischen Hochschule Aachen und der Universität Bamberg tätig.

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