Von SPIEGEL-ONLINE-Krisen-Kolumnist Thomas Tuma
Das wiedervereinigte Deutschland erlebt ein großes Jubiläum. Kaum ein anderes Ereignis hat den Menschen in den alten Bundesländern derart die Augen geöffnet für Land und Leute "drüben": Vor 15 Jahren startete der Mitteldeutsche Rundfunk ( MDR) die Tiervermittlungssendung "tierisch, tierisch".
Jüngst saß die im Osten weltberühmte Moderatorin Uta Bresan wieder in jeder Beziehung im Regen. Es schüttete in Strömen; Tierheim und Ort, aus dem sie ihre animalische Kuppelshow übertrug, hießen Satuelle. Es hätte aber auch Wurzen, Döbeln oder Schmölln sein können, wo sie die Second-Hand-Fauna gelegentlich ebenso belästigt: Ausgesetzte Hunde und verhaltensgestörte Katzen sind jede Woche dabei, manchmal auch Ratten oder Frettchen, je nach Wunsch missbraucht, halb verhungert oder einfach nur im Stich gelassen. Möglicherweise ist Frau Bresan eine ganz subtile Regime-Kritikerin deutsch-deutscher Nachwende-Realität. Vielleicht ist sie aber auch einfach nur sie selbst.
Frisur wie beim Sendungshund
Ihre Frisur orientiert sich an der ihres "Sendungshundes". Das Tier heißt Ariane und wird von einem männlichen Sprecher synchronisiert, der eine total wuffige Stimme hat. Dazu japst Ariane, als würde sie versuchen, einen Knochen auszuwürgen, den ihr der Produktionsassistent vor der Sendung in den Rachen quetschen musste. Lustiger wäre nur noch, wenn das jüngst dargebotene Meerschweinchenpaar Paul und Paula die Moderation im Morse-Alphabet kopulieren könnte. Was mögen diese weitaufgerissenen roten Äugchen schon an Schrecknissen gesehen haben?
Außerdem treten in jeder "tierisch, tierisch"-Sendung Kinder auf. Sie sehen zwar auch manchmal aus, als würde Tante Uta gleich sagen: "Dieser possierliche Zweibeiner heißt Ivo. Er wurde an der Autobahnraststätte Löbichau böswillig ausgesetzt…" Aber die Kinder müssen dann doch nur ein Tier beschreiben, das die Zuschauer erraten sollen.
Früher gab es "tierisch, tierisch" tatsächlich in einer menschlichen Version: Es hieß "Je t'aime - wer mit wem" und sah auch so aus. Irgendwann kam der Moderator wegen Stasi-Geschichten abhanden. Aber auch in "tierisch, tierisch" kann man bisweilen nicht mehr unterscheiden, wer da wirklich eine neue Heimat sucht. Die typische Präsentation geht etwa so:
"Unsor näschstor gleinor Freund is dor quürlische Müschlüngsrüde Rambou, dähn sein letztes Härrschn aus finanziellen Gründen bei der Arbeitsagenduhr Abolda aussetzen musste. Er ist wädor schdtubenrein noch gindorlieb, dafüor entwurmt unn gastriort. Männorn mit Sprinperstiefln und niedorbayerischen Vermöschensberadorn geht er aus dem Wäsch, was darauf schließen lässt, dass unsor Rambou einische wenischor schöne Jugenderinnerungen zu verdauen hat.
Mit Ordgenossen freundet er sich abbor schnell an. Er ist sähr sozial eingestellt und gann sisch undorordnen. Bei rischdischer Pflege gann deor gudartsche Freigängor ein äschdor Würbelwind währn, der einem viel zurückgibt an Herzlischgeit, Misstrauen und Görpergeruch. Rambou braucht einen geduldischen Mänschn mit Zeit und Geld. Unsor gleinor Freund ist lernfähisch unn eine dreue Sähle, solange er seine Mädigamente grischd. Nadürlisch braucht er rägelmäßig seinen Aus- und Einlauf. Streischeleinheiten sinn ihm wischdisch. Ähr is ein aufgewäggtes Gerlschn und will auch gefordert währn. Die Wiedorvereinigung war für ihn nischt immor leicht.
Abor mittlerweile is er ein lubenreinor Demograd, nisch wohr, Rambou?! Du bist ja auch nur ein Mensch."
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Der Artikel wirkt konzeptionslos, aber Kritik am einfachen Volk nutzen die Scheinintellektuellen gern, um zu zeigen, dass sie zumindest glauben, etwas besseres zu sein. Und das auf Kosten der Ossis ist ja ziemlich originell. Wer [...] mehr...
Geht mir genauso! Die Tatsache, dass ein M. Barth seine dümmlichen Kalauer (Achtung! Stadt im Osten) über Frauen im Stadion zum Besten gibt, macht sie auch nicht besser. Die intellektuelle Herausforderung dieses Artikels bestand [...] mehr...
... und was bitte hat das mit Weltkrise privat zu tun? Die Witze über Sachsen und den sächsischen Dialekt kommen bei mir mittlerweile so gut an, wie Witze beim Kölner Karneval über die katholische Kirche: Man kann immer sicher [...] mehr...
Naja der Mdr ist schon was für sich, an furchtbaren Dialekten gibts aber echt schlimmere, der Sinn des Artikels erschließt sich mir nicht so ganz, einerseits Kritik am Mdr, dann auf basis des Dialektes, das ist ein Lokal sender [...] mehr...
95% der Ostfriesenwitze wurden von Ostfriesen in die Welt gesetzt. Die Ostfriesen haben Geld damit verdient, die ganze Welt zum Lachen über Ostfriesen zu bringen, und sie haben dabei herzlich mitgelacht. Wie reagiert der Sachse [...] mehr...
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