Wirtschaft


  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
07.11.2009
 

Krise am Arbeitsmarkt

Bundesagentur erwartet 18 Milliarden Euro Defizit

Die Konjunktur zieht leicht an - doch am Arbeitsmarkt ist davon nichts zu spüren. Nach SPIEGEL-Informationen rechnet die Bundesagentur für Arbeit im kommenden Jahr mit einem Minus von knapp 18 Milliarden Euro. Das Defizit belastet massiv den Bundeshaushalt.

Hamburg - Auf dem Arbeitsmarkt steht das Schlimmste offenbar noch bevor. Im kommenden Jahr erwartet die Bundesagentur für Arbeit Mehrausgaben von fünf Milliarden Euro und damit ein Defizit von insgesamt 17,8 Milliarden Euro. Dies geht nach SPIEGEL-Informationen aus dem Entwurf zum Haushaltsplan 2010 der Nürnberger Behörde hervor, der am Freitag vom Verwaltungsrat verabschiedet werden soll.

Demnach kalkuliert die Bundesagentur 2010 mit Ausgaben von knapp 54 Milliarden Euro bei Einnahmen in Höhe von lediglich 36,1 Milliarden Euro. Sie selbst kann von dem Minus nur rund 1,8 Milliarden Euro aus eigenen Rücklagen abdecken. "Das verbleibende Defizit in Höhe von 16 Milliarden Euro muss der Bund mit Darlehen beziehungsweise einem Zuschuss ausgleichen", heißt es in der Unterlage.

Nach den darin enthaltenen Zahlen muss die Behörde im kommenden Jahr allein für das Arbeitslosengeld I knapp 22,5 Milliarden Euro ausgeben und damit etwa 4,8 Milliarden Euro mehr als 2009. Geringer als im Vorjahr dürften mit drei Milliarden Euro 2010 dagegen die Aufwendungen für das konjunkturelle Kurzarbeitergeld ausfallen, da die Bundesagentur-Fachleute im Schnitt nur noch mit gut 530.000 Leistungsempfängern rechnen.

Bei ihren Berechnungen legten die Experten die gesamtwirtschaftlichen Eckdaten der Bundesregierung für das kommende Jahr zugrunde. Diese gehen von einem Wirtschaftswachstum in Höhe von 1,2 Prozent und knapp 4,1 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt aus.

Schwacher Arbeitsmarkt trotz Konjunkturerholung

Generell hat sich die Konjunktur in Deutschland in den vergangenen Wochen leicht erholt. Allerdings hat dies bisher keine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Im Gegenteil: Experten gehen davon aus, dass sich die Folgen der schweren Rezession im ersten Halbjahr erst mit Verspätung am Arbeitsmarkt bemerkbar machen.

So müssen trotz der konjunkturellen Erholung immer mehr Unternehmer den Gang zum Insolvenzrichter antreten. Die Zahl der Firmenpleiten stieg im August auf 2619 - ein Plus von 12,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Fachleute rechnen bis weit ins kommende Jahr hinein mit weiteren Pleiten. So fürchtet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform, dass in diesem Jahr bis zu 35.000 Unternehmen zahlungsunfähig werden. Dies dürfte die Zahl der Arbeitslosen spürbar erhöhen, was wiederum viele Bürger in die Privatinsolvenz treiben könnte.

Experten erwarten eine Pleitewelle im zweiten Halbjahr

Bis August meldeten sich bereits 21.807 Firmen insolvent, darunter so bekannte Namen wie Quelle, der Porzellanhersteller Rosenthal, der Modelleisenbahnbauer Märklin und die Bekleidungsfirma Schiesser. "Wir hatten im ersten Halbjahr eine Pleitewelle bei großen Firmen", sagt Creditreform-Experte Hardy Gude. "Im zweiten Halbjahr wird es vor allem kleinere und mittlere Unternehmen treffen. Nach einem Jahr Rezession sind die ohnehin dünnen Polster für schlechte Zeiten aufgebraucht."

Das sieht auch UniCredit-Analyst Andreas Rees so: "Trotz der aktuellen Konjunkturbelebung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Zahl der Firmenpleiten in den kommenden Monaten weiter steigen wird. Das lässt einen kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit befürchten."

Der Analyst erwarte 2010 eine höhere Arbeitslosigkeit als die Bundesregierung. Seiner Einschätzung nach wird die Zahl der Erwerbslosen im kommenden Jahr bis auf 4,25 Millionen steigen. Zum Vergleich: Im Oktober waren rund 3,2 Millionen Menschen ohne Job.

wal

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 131 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.11.2009 von lupenrein:

Alle Medien sprechen derzeit vom 'Wettskandal' im Fussball. Oh Gott, wie schrecklich diese Wettmafia. Von der Finanzmafia spricht kein Mensch. Zocken Täuschen ,Betrügen, Veruntreuen mit dem Geld der Anleger ist also quasi [...] mehr...

25.11.2009 von Charles Atane: Schön für die Bonzen

Wie viele Lichtjahre die Politiker, gut bezahlt von den Lobbyisten, vom Bürger entfernt sind, sieht man am Beispiel der Banken. Erleichtert ein Bürger mit Strumpf über dem Kopf eine Bank um 5.000 Euro, wird er für Jahre [...] mehr...

25.11.2009 von Harald E:

Von wegen ;-) 2009 verbläst Fräuleinchen in ihrem Kanzleramt 2,3 Mrd Steuergelder. 500 Mio. mehr als 2008. Wir haben's ja. mehr...

25.11.2009 von Stefanie Bach:

Richtig ist, dass bislang galt: Krise rauscht an der Mehrzahl der Konsumenten vorbei (http://www.plantor.de/2009/krise-rauscht-an-der-mehrzahl-der-konsumenten-vorbei/) Das wird sich ändern, denn die Arbeitslosigkeit wird [...] mehr...

25.11.2009 von Charles Atane: Kann man den Aufschwung herbeireden, wenn die breite Basis fehlt?

Was wundert's? Prognosen, die auf irgendwelchen Wohlfühlklimaindizes erstellt werden... Wie wohl ich mich fühle, wollte keiner wissen - und das dürften viele Arbeitnehmer denken. Wenn ich nur an die Miete denke, unlängst wieder [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Bundesagentur für Arbeit

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP