Nürnberg - Zum Schein haben angebliche "Arbeitgeber" tausende Stellenangebote in die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit eingestellt. Das eigentliche Ziel: Die persönlichen Daten von Bewerbern. "Wir gehen davon aus, dass es drei Accounts sind mit in der Summe über 3000 Stellen", sagte eine Sprecherin der Bundesagentur (BA) am Dienstag.
Damit wurde ein Bericht der "Frankfurter Rundschau" bestätigt. Die vermeintlichen Jobofferten galten Chemielaboranten und Fachärzten ebenso wie Sozialpädagogen, Ingenieuren, Managern und Piloten. Zunächst war die BA nur von 2500 fingierten Angeboten ausgegangen.
Am Dienstag forderte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Brigitte Pothmer, die Datenbank im Internet sofort stillzulegen: "Sowohl für Arbeitssuchende als auch für ehrliche Arbeitgeber ist die Jobbörse eine Zumutung, solange sie ein Tummelplatz für Betrüger ist."
Auch der Datenschutzbeauftragte der Linken-Fraktion, Jan Korte, bezeichnete es als nicht hinnehmbar, dass "Arbeitsuchende zum Freiwild von skrupellosen Unternehmen und Datenkriminellen werden". Der leichte Zugang zur Jobbörse und damit ein möglicher Missbrauch von Daten war bereits in der Vergangenheit kritisiert worden.
Arbeitsagentur sieht sich in einem Dilemma
Bei der Deaktivierung ergaben sich Querverweise auf zwei weitere unseriöse Firmen. Dahinter stecken vermutlich die gleichen Betreiber. Huth verwies darauf, dass in der von der Online-Ausgabe der "Frankfurter Rundschau" genannten Zahl von 3300 Stellen bei den neu festgestellten Tarnfirmen Doppelungen enthalten seien.
Die Bundesagentur befinde sich in einem Dilemma, sagte Sprecherin Huth und warb trotz des Datenmissbrauchs um Verständnis. "Wir haben nie abgestritten, dass es diese Möglichkeiten gibt. Doch je höher die Zugangshürden sind, desto weniger Angebote haben wir natürlich auch." Um schwarze Schafe zu entdecken, liefen jede Nacht automatische Kontrollen über die Angebote. Außerdem finde bei Neuregistrierungen inzwischen eine verschärfte Prüfung der Arbeitgeberdaten statt.
Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, hatte kürzlich die weitgehenden Zugriffsmöglichkeiten von BA-Mitarbeitern auf Informationen wie Suchtkrankheiten oder Schulden von Arbeitslosen kritisiert.
ore/dpa/AP/AFP
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