Hamburg - Diese Studie dürfte der schwarz-gelben Regierung gar nicht gefallen: Das zusätzliche Kindergeld, das die Bundesregierung Familien ab kommendem Jahr zur Verfügung stellt, wird die Kleinen in der Hälfte aller Familien höchstens auf Umwegen erreichen. Über diese Zweckentfremdung berichtet die "Financial Times Deutschland" ("FTD"), die eine Umfrage beim Forsa-Institut in Auftrag gegeben hatte.
Das ernüchternde Ergebnis der Studie: 48 Prozent der Eltern planen, mit dem zusätzlichen Geld den täglichen Bedarf zu bestreiten, es anzusparen oder für Urlaub, Schuldentilgung oder Renovierungen zu verwenden. Nur jede zweite befragte Familie will das Geld in der Haushaltskasse direkt für die Belange ihrer Kinder ausgeben.
Nicht bestätigt wurde die in der Politik verbreitete Meinung, vor allem ärmere und weniger gut gebildete Familien würden die zusätzlichen Mittel für andere Zwecke einsetzen. Stattdessen gaben vor allem Beamte an, das Geld anderweitig einzusetzen.
Dass von dem monatlichen Extrageld viele Kinder nicht direkt profitieren, hält Forsa-Chef Manfred Güllner für bedenklich. Die Politik müsse ihre "geldfixierte Familienpolitik überdenken", sagte er der "FTD". Unterstützt wird er vom Chef des Deutschen Jugendinstituts, Thomas Rauschenbach. Er forderte in der Zeitung, stattdessen mehr kostenlose Angebote für Kinder bereitzustellen. Als Beispiele nannte er Schwimmunterricht und Mittagessen in der Schule.
Am Montag hatte die Bundesregierung beschlossen, das Kindergeld für den Familiennachwuchs um jeweils 20 Euro zu erhöhen. Außerdem ist ein Betreuungsgeld geplant, wonach Eltern ab dem Jahr 2013 Geld bekommen, wenn sie ihre Kinder zu Hause betreuen.
Für einkommensschwache Eltern überlegt die Bundesregierung allerdings, statt des Geldes Bildungsgutscheine auszugeben. Der Vorschlag von Kanzlerin Merkel hatte zu heftiger Kritik geführt. Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht darin eine "beispiellose Diskriminierung einkommensschwacher Eltern".
ore
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