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15.11.2009
 

Eigene Lobby fordert

Schweizer Banken sollen auf Schwarzgeld verzichten

UBS-Zentrale in Zürich: Das Bankgeheimnis macht den Finanzplatz Schweiz attraktivZur Großansicht
REUTERS

UBS-Zentrale in Zürich: Das Bankgeheimnis macht den Finanzplatz Schweiz attraktiv

Die Schweizer Banklobbyisten wagen einen ungewöhnlichen Vorstoß. Künftig sollen die Finanzinstitute des Landes keine unversteuerten Gelder aus dem Ausland mehr annehmen. Der Hintergrund der Ehrlichkeits-Offensive ist klar: die Rettung des bedrohten Bankgeheimnisses.

Zürich - Der internationale Druck auf die Schweiz, ihr Bankgeheimnis zu lockern, ist immens. Die Banker des Landes gehen deshalb jetzt in die Offensive: Die Finanzhäuser sollen künftig keine unversteuerten Gelder aus dem Ausland mehr annehmen. Mit diesem neuen Geschäftsmodell und der Einführung einer Abgeltungsteuer will die Bankiervereinigung laut ihrem Präsidenten den vom Ausland geforderten automatischen Informationsaustausch abwenden.

Der Genfer Privatbankier und Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, Patrick Odier, gab in einem Interview der "Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag" Einzelheiten über das Konzept des Dachverbands der Banken bekannt, mit dem ein Befreiungsschlag aus der Kontroverse um Schwarzgelder gelingen soll.

Die Einführung einer Abgeltungsteuer in der Schweiz soll demnach von einem neuen Geschäftsmodell der Banken begleitet werden, bei dem nur noch steuerehrliche Gelder entgegengenommen werden. An den Details werde noch gearbeitet, möglich sei aber eine Art Selbsterklärung des Kunden, der mit seiner Unterschrift bestätige, dass sein Geld versteuert sei. "Wir wollen eine wirklich glaubwürdige Lösung erarbeiten", sagte Odier. Diese Regeln sollen aber nur für jene Länder gelten, die mit der Schweiz ein Abkommen über die Einführung einer Abgeltungsteuer abschließen, sagte der Bankierpräsident weiter.

"Finanzplatz Schweiz hat große Zukunft"

Er glaubt, dass eine Mehrheit der Schweizer Banken eine derartige Lösung unterstützt, wenn so der Schutz der Privatsphäre des Kunden auf lange Sicht gesichert werden kann. Das Modell soll als Ersatz für den automatischen Informationsaustausch dienen, den die EU im Kampf gegen die Steuerflucht umsetzen will.

Trotz negativer Signale aus Brüssel gab sich Odier überzeugt, dass das Ausland ein Interesse an der Abgeltungsteuer hat. Die Bankiersvereinigung habe positive Signale aus Deutschland und Italien erhalten. "Länder, die selbst eine Abgeltungsteuer kennen, verstehen unseren Vorschlag schnell." In Deutschland wurde die Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte Anfang des Jahres eingeführt.

Für die bereits auf den Schweizer Banken liegenden Steuerfluchtgelder müsste mit den interessierten Ländern eine Regelung vereinbart werden - zum Beispiel eine Steueramnestie. Dies dürfte laut Odier einige Jahre dauern.

Wenn die Abgeltungsteuer etabliert und damit der Schutz der Privatsphäre langfristig gesichert werde, habe der Finanzplatz eine große Zukunft. Falls die Abgeltungsteuer nicht komme, müsse mit einer sinkenden Zahl der Beschäftigten gerechnet werden, weil die Banken dann ihre Präsenz im Ausland stark ausbauen würden.

böl/AP/AFP

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