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20.11.2009
 

Frankreich

50 Firmen testen anonyme Bewerbungen

Bewerbung und Lebenslauf: Kein Name, kein Alter, kein Geschlecht, keine AnschriftZur Großansicht
DPA

Bewerbung und Lebenslauf: Kein Name, kein Alter, kein Geschlecht, keine Anschrift

Namenlos auf Jobsuche: Damit Frauen, ältere Arbeitnehmer und junge Migranten bei Bewerbungen nicht benachteiligt werden, testet Frankreich anonyme Bewerbungen zur Chancengleichheit. Präsident Sarkozy unterstützt das Vorhaben - zunächst machen 50 Firmen mit.

Paris - Ein anonymer Lebenslauf, damit bei der Jobvergabe alle Bewerber die gleichen Chancen haben, das klingt schön. Kein Name, kein Alter, kein Geschlecht, keine Anschrift dürfen im anonymisierten Curriculum Vitae stehen, das Frankreich sechs Monate lang testen will. Schließlich kann schon eine Postleitzahl aus einem Problembezirk darüber entscheiden, ob ein Bewerber zum Gespräch eingeladen wird oder nicht.

Während Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy die anonymen "CV" flächendeckend durchsetzen will, sehen Kritiker darin Augenwischerei - einen Kandidaten etwa wegen seiner Hautfarbe aussortieren könne die Firma auch nach dem Vorstellungsgespräch.

"Ich möchte, dass der anonyme Lebenslauf zum Automatismus für die Arbeitgeber wird", erklärte Präsident Sarkozy im Dezember 2008, gut drei Jahre nach den Unruhen in französischen Vorstädten. Junge, zumeist arbeitslose Menschen aus Einwandererfamilien hatten sich seinerzeit wochenlangen Kämpfe mit der Polizei geliefert. Um etwas gegen die Aussichtslosigkeit der Jugendlichen in den Vororten zu unternehmen, brachte die konservative Regierung wenige Monate später einen Antrag ein, um den anonymen Lebenslauf im Gesetz festzuschreiben.

Denn: "Wer einen nordafrikanisch klingenden Namen trägt, hat eine dreimal geringere Chance, überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden", sagt Beschäftigungsstaatssekretär Laurent Wauquiez. "Wer über 50 ist, egal ob schwarz oder weiß, hat noch weniger Chancen." Aber nach den ersten Absichtserklärungen ist lange nichts passiert. Die Firmen zögerten, auch weil die anonyme Bewerbung großen Aufwand verursacht. Denn die Lebensläufe müssen nach ihrem Eingang erst anonymisiert werden; das übernehmen meist externe Dienstleister, was Kosten verursacht.

Auch jetzt will die Regierung den anonymen Lebenslauf nicht zur Pflicht machen, wie Wauquiez sagt. Er hofft, dass der Test in der Hauptstadt Paris und sechs weiteren Verwaltungsbezirken die Unternehmen überzeugen wird. Die Regierung hat zunächst 50 Firmen dazu bewegt, bis Ende April anonyme Bewerbungen anzunehmen; darunter sind die Hotelkette Accor, der Mineralölkonzern Total und die Freizeitparkgruppe Eurodisney. Das Arbeitsamt verschickt Briefe an 19.000 weitere Unternehmen, um sie mit ins Boot zu holen. "In sechs Monaten sehen wir dann, welche Art von Erlass umgesetzt wird", sagt der französische Gleichstellungsbeauftragte Yazid Sabeg.

Die Behörden in der Region Aquitaine im Südwesten Frankreichs haben schon vor zwei Jahren mit anonymisierten "CVs" experimentiert und nehmen seit gut einem Jahr gar keine anderen Lebensläufe mehr. Bei ihnen fallen selbst Angaben zu Hobbys wie Rugby aus dem Schreiben, weil es eindeutig ein Männersport ist, wie die sozialistische Bezirksvertreterin und Gleichstellungsbeauftragte Naïma Charaï sagt. Das Auffälligste nach einem Jahr sei, dass sich heute etwa doppelt so viele Bewerber auf eine Stelle meldeten wie zuvor - der anonyme Lebenslauf wirke der "Selbstzensur der Kandidaten" offenbar entgegen.

Kritiker fürchten aber, dass das Vorhaben landesweit wieder im Sande verlaufen wird. Außerdem ist der Lebenslauf ja nur ein erster Schritt auf dem Weg zum Job. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hält die anonyme Bewerbung deshalb nicht für die Lösung des Problems. Es zitiert den Fall einer jungen Frau namens Latifa, die schon zum Vorstellungsgespräch eingeladen war. Dann merkte die Personalverantwortliche, dass sie den Vornamen falsch gelesen hatte; sie hatte eine Laetitia zum Gespräch erwartet. Die Personalfrau versuchte das Gespräch daraufhin abzusagen, Latifa ließ sich aber nicht abwimmeln und ging trotzdem hin - den Job bekam dann aber eine andere Bewerberin mit dem französischen Vornamen Emilie.

Kerstin Löffler, AFP

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insgesamt 15 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.11.2009 von shenshen_ie: ...

Sind Sie sich da sicher? Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Firma, die eine Bewerbung nach Namen aussortiert haette, jeden Bewerber mit Faeltchen oder anderer Hautfarbe im Interview fair bewertet und entsprechend [...] mehr...

22.11.2009 von AndyDaWiz: soziale Gerechtigkeit

Ich finde auch, dass die boesen Firmen (oder waren es die Politiker ?) endlich mal ein paar Arbeitsplaetze schaffen sollen und zur Asuwahl stellen. Damit wir wieder den Preis unserer Arbeitskraft selbst bestimmen koennen [...] mehr...

22.11.2009 von Diomedes: Ein Unfug! II

Mit dem Humor wäre ich vorsichtig, da den Deutschen hier sicherlich nicht zu Unrecht Humorlosigkeit nachgesagt (http://www.youtube.com/watch?v=ZZb0rBrUqiQ) wird; außerdem wollte ich nicht auf den institutionalisierten [...] mehr...

22.11.2009 von berlinerin95: @opag78

Die Background-Checks, die in US-Telefonbüchern ("White Pages" usw.) angeboten werden sowie das s. g. "Blacklisting" von Arbeitnehmern, die mal irgendwo negativ aufgefallen sind, sind aber nach meiner [...] mehr...

21.11.2009 von opag78: Was ist denn daran neu ?

An den teilweise belustigt wirkenden Reaktionen hier im Forum liest man deutlich die Naivitaet der jeweils schreibenden. Der anonymisierte Lebenslauf ist doch schon lange ueblich zumindest im anglo-amerikanischen [...] mehr...

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