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24.11.2009
 

Ifo-Index

Wirtschaftsstimmung so gut wie vor der Krise

Maschinenbauer in Haan: Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich verbessertZur Großansicht
DPA

Maschinenbauer in Haan: Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich verbessert

Die Zahlen sind noch besser als von den Experten erwartet. Seit Ausbruch der Finanzkrise ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft nicht mehr so gut gewesen: Der Ifo-Geschäftsklimaindex erhöhte sich zum achten Mal in Folge. Im dritten Quartal stieg die Wirtschaftsleistung zudem um 0,7 Prozent.

Wiesbaden - Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im November überraschend kräftig um 1,9 auf 93,9 Punkte geklettert. Das teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag nach einer Umfrage unter 7000 Unternehmen mit. Damit ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft wieder so gut wie vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Spätsommer 2008.

Das Barometer erreichte mit dem achten Anstieg in Folge den höchsten Wert seit damals. Die Manager beurteilten die Lage und auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser als im Oktober. "Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich weiter aus der Krise", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Indikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Die Reaktionen am Markt blieben dennoch verhalten: Der Euro legte leicht zu, der Aktienleitindex Dax grenzte die Verluste etwas ein.

Im verarbeitenden Gewerbe hat sich im November das Geschäftsklima sichtlich aufgehellt. Ihre Perspektiven für die nächsten sechs Monate beurteilen die Industriefirmen erneut positiver. Auch ihre Exportchancen schätzen sie etwas besser ein - trotz des starken Euro.

Im Groß- und im Einzelhandel hat sich die Stimmung ebenfalls verbessert, während sich der Geschäftsklima-Index im Bauhauptgewerbe verschlechterte. Der Konsum in Deutschland wird nach Einschätzung des Ifo-Instituts trotz sich erholender Konjunktur im nächsten Jahr schwächeln. Steigende Arbeitslosenzahlen dürften der Hauptgrund dafür sein, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. Zudem gebe es keine Entlastung der Haushalte mehr durch sinkende Energiekosten.

Deutsche Wirtschaft legt im dritten Quartal zu

Steigende Investitionen haben der deutschen Wirtschaft außerdem im dritten Quartal einen Zuwachs beschert. Das Bruttoinlandsprodukt - die Summe aller in Deutschland hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen - legte von Juli bis September um 0,7 Prozent zum Vorquartal zu. Damit bestätigte das Statistische Bundesamt eine Schätzung von Mitte November. Dieses Plus entsprach dem stärksten Wachstum seit Anfang 2008.

Der leichte Aufwärtstrend aus dem zweiten Quartal mit einem Plus von 0,4 Prozent scheine sich somit fortzusetzen, hieß es. Damit sei die schwerste Rezession seit Beginn der Bundesrepublik endgültig überwunden: "Die deutsche Wirtschaft erholt sich nach dem starken Einbruch im Winter weiter."

Gestützt wurde die Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal den Angaben zufolge vor allem von den Investitionen. In Bauten sei 1,5 Prozent mehr investiert worden als im Vorquartal, in Ausrüstungen um 0,8 Prozent mehr.

Positive Impulse seien außerdem von den Warenexporten gekommen, die um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal stiegen. Allerdings seien gleichzeitig auch die Warenimporte mit einer Zunahme von 6,5 Prozent wieder angestiegen. Der daraus resultierende Außenbeitrag habe das Wirtschaftswachstum ebenfalls geschwächt. Durch den gleichzeitigen Aufbau von Lagerbeständen sei dieser Effekt jedoch mehr als kompensiert worden.

Schwächelnder Konsum

Als Hemmnis erwiesen sich auch die privaten Konsumausgaben, die um 0,9 Prozent schrumpften. Nach Ansicht von Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank, hat das mit dem Auslaufen der Abwrackprämie zu tun. "Der private Konsum wird wegen der steigenden Arbeitslosigkeit schwächeln, aber nicht einbrechen", so der Volkswirt. "2010 dürfte der Konsum als Konjunkturstütze ausfallen. Die Impulse dürften dann vom Export kommen, aber auch von den Investitionen."

Die staatlichen Konsumausgaben erhöhten sich dagegen um 0,1 Prozent. Die Unternehmen stockten ihre Lager auf - das allein trug 1,5 Prozent zum Wachstum bei. Experten werten das als Hinweis darauf, dass sich die Firmen auf eine steigende Nachfrage vorbereiten.

Volkswirte von Commerzbank und Citibank rechnen nun für das vierte Quartal mit einem Wirtschaftswachstum von etwa 0,8 Prozent. Dekabank-Volkswirt Sebastian Wanke warnt indes vor den Problemen steigender Arbeitslosigkeit: "Wenn die Wirtschaft 2010 wie vorhergesagt nur um 1,5 Prozent wächst, kommen die Firmen nicht um Entlassungen herum."

Wie stark die Wirtschaft trotz der Erholung immer noch unter den Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise leidet, zeigt der Vergleich mit dem dritten Quartal 2008: Hier brach das Bruttoinlandsprodukt um 4,7 Prozent ein. Das Minus fiel damit etwas schwächer aus als noch im zweiten Quartal, als ein Rückgang von 7,0 Prozent verzeichnet wurde.

fro/ddp/dpa/Reuters

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