Washington - Trotz Wachstum ist es ein enttäuschenden Ergebnis: Im dritten Quartal ist die US-Wirtschaft deutlich schwächer gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft der Welt legte aufs Jahr hochgerechnet nach revidierten Angaben um 2,8 Prozent zu, teilte das US-Handelsministerium am Dienstag mit. In der ersten Schätzung Ende Oktober war noch von 3,5 Prozent die Rede gewesen. Zuvor war die US-Konjunktur vier Quartale in Folge geschrumpft, laut Bloomberg der längste Abschwung in den USA seit Einführung der Quartals-Statistik 1947.
Grund für die Korrektur nach unten sind vor allem schwächere Verbraucherausgaben und ein größeres Handelsdefizit. "Die Erholung hat nicht so stark begonnen wie zunächst gedacht", sagte Nigel Gault, US-Chefökonom des Wirtschaftsinstituts IHS Global Insight, vor Veröffentlichung der Zahlen. "Die Schwäche der Konsumausgaben zeigt klar, dass noch für eine Weile staatliche Hilfen benötigt werden." Die amerikanische Wirtschaft hängt zu rund 70 Prozent vom privaten Verbrauch ab.
Auch das schwache Baugeschäft schlug sich negativ auf das Wachstum nieder. Zudem hätten Unternehmen ihre Lagerbestände weiter abgebaut. Positiv sei dennoch, dass die Wirtschaft endlich wieder wachse, wenn auch der Aufschwung in den nächsten Monaten wahrscheinlich verhalten ausfallen werde, erklärten Notenbankexperten und Ökonomen.
Immerhin: Der Ausblick für die kommenden Monate ist recht positiv: Die Stimmung der Verbraucher hellte sich im November überraschend auf. Der vom Conference Board ermittelte Index sei von revidiert 48,7 Punkten im Vormonat auf 49,5 Punkte geklettert, teilte das private Forschungsinstitut am Dienstag in Washington mit. Volkswirte hatten 47,7 Punkte erwartet. Der Vormonatswert wurde leicht nach oben revidiert. Zunächst war er mit 47,7 Punkten angegeben worden.
US-Börsen reagieren enttäuscht
Vorerst indes wird der Aufschwung vor allem den milliardenschweren Hilfsprogrammen von US-Regierung und Notenbank zugeschrieben. Besonders der Erfolg der Abwrackprämie nach deutschem Vorbild trug Fachleuten zufolge im dritten Quartal deutlich zum Plus bei. Die endgültigen Daten zum dritten Quartal werden am 22. Dezember vorgelegt.
In den zwölf Monaten bis Juni ging die Wirtschaftsleistung als Folge der verheerenden Finanzkrise um 3,8 Prozent zurück - den Angaben zufolge der schlimmste Absturz seit sieben Jahrzehnten. Die Arbeitslosenquote liegt bei 10,2 Prozent, der höchste Stand seit mehr als 26 Jahren. Für das nächste Jahr erwartet die Mehrheit der Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von etwa einem Prozent.
Die New Yorker Börsen reagierten mit Enttäuschung auf das schwache Tempo der Konjunkturerholung. Nach einem geradezu euphorischen Wochenauftakt gingen die Märkte am Dienstag mit Abschlägen in den Handel. Der Dow
-Jones-Index gab in den ersten Handelsminuten 0,6 Prozent nach. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,5 Prozent Die Technologiebörse Nasdaq Stock Market
büßte 0,7 Prozent.
Deutsche Wirtschaft zeigt sich robust
In Deutschland hingegen ist das Geschäftsklima besser als von vielen Experten erwartet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im November überraschend kräftig um 1,9 auf 93,9 Punkte geklettert. Damit ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft wieder so gut wie vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Spätsommer 2008.
Steigende Investitionen haben der deutschen Wirtschaft außerdem im dritten Quartal einen Zuwachs beschert. Das Bruttoinlandsprodukt - die Summe aller in Deutschland hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen - legte von Juli bis September um 0,7 Prozent zum Vorquartal zu. Damit bestätigte das Statistische Bundesamt eine Schätzung von Mitte November. Dieses Plus entsprach dem stärksten Wachstum seit Anfang 2008.
ssu/fro/AP/dpa/Reuters
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