Von Susanne Amann
Hamburg - Ganz harmlos kommt das Heft daher: Auf dem Cover spielt ein Kleinkind mit einem bunten Plastikauto, die Räder leuchten knallig rot, die Scheinwerfer dunkelgelb. "Spielzeug" steht in großen Lettern auf der aktuellen Ausgabe des Magazins "ÖkoTest" - doch der Inhalt ist alles andere als erfreulich: Insgesamt ein Drittel aller getesteten Produkte wiesen deutlich zu hohe Schadstoffwerte auf. In den Kunststoffteilen einer Plastikgarage haben die Tester Chrom und Blei entdeckt, bei einer Mini-Bohrmaschine war es Cadmium, in Kinderschminke fanden die Prüfer Halogene.
Ähnlich alarmierend ist auch der Befund des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), das in einer aktuellen Stellungnahme vor krebserregenden Chemikalien in Kinderspielzeug warnt und strengere Richtlinien fordert: "Insbesondere in Spielzeug aus Gummi oder anderen Elastomeren können krebserregende polyzyklische Kohlenwasserstoffe (PAK) vorhanden sein, die durch Verwendung von Weichmacherölen in das Produkt gelangen können", sagt Bärbel Vieth vom BfR. In manchen Fällen könne der Gehalt dieser Stoffe in Spielzeug so hoch sein, dass Kinder beim Spielen mehr davon aufnehmen können als Raucher über Zigaretten. "Diese Werte können nicht mehr als unbedenklich gelten."
Höhere Belastung als bei Autoreifen
Es klingt zwar absurd, aber tatsächlich lässt die erst im Dezember vergangenen Jahres verabschiedete Spielzeugrichtlinie der EU eine um bis zu 1000-mal höhere Konzentration der krebserregenden Stoffe zu als etwa in Autoreifen. Und die Vorschriften, die der EU-Gesetzgeber formuliert hat, werden dann auch noch unzureichend überwacht. "Die Vorgaben sehen keine unabhängige Drittprüfung vor", sagt Johannes Näumann vom Verband der Technischen Überwachungs-Vereine (VdTÜV), "der Käufer muss sich also darauf verlassen, dass die Grenzwerte nicht überschritten werden." Das sei die Hauptschwäche der Richtlinie.
Dazu kommt: Die Stellen, die überwachen könnten, haben zu wenige Kapazitäten. "Wir haben da ein klassisches Vollzugsproblem", klagen Verbraucherschützer seit langem. Die staatliche Marktüberwachung habe schlicht zu wenig Personal, um ausreichend Stichproben zu nehmen.
Die laxe Haltung erstaunt - denn seit Jahren sorgen Meldungen über Schadstoffe in Puppen, Autos und Teddybären für Aufregung. Vor knapp zwei Jahren musste der US-Spielzeugriese Mattel millionenfach seine Produkte zurückrufen - die in China produzierte Ware enthielt Kleinst-Magnete, die von Kindern verschluckt werden konnten. Vollmundig versprach EU-Industriekommissar Günter Verheugen daraufhin, Spielzeuge künftig sicherer zu machen. Im Schnelldurchlauf wurde die jetzt geltende Richtlinie verabschiedet. Schon damals war allen Beteiligten klar, dass sie nicht ausreicht.
Grenzwerte für Uhren und Schmuck - aber nicht für Spielzeug
Denn neben den Lücken bei den Weichmachern fehlen auch klare Regelungen in anderen Bereichen: So gibt es zum Beispiel keine besonderen Vorschriften für Fingermalfarben, Knetmasse oder ähnliches Spielzeug mit intensivem Hautkontakt - obwohl Schadstoffe gerade über die Haut besonders giftig wirken oder Allergien auslösen können. Und bei Blei wurde der Grenzwert gar auf 160 Milligramm pro Kilo Spielzeug erhöht - dreimal so viel wie der zulässige Bleigehalt von Blumenerde und zehnmal so viel wie der von Waldpilzen. Und bei Nickel, das besonders häufig Allergien auslöst, gibt es zwar Höchstwerte für Schmuck und Uhren - nicht aber für Spielzeug.
Auch wenn die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sofort öffentlichkeitswirksam ein Importverbot für Spielsachen mit krebserregenden Stoffen ankündigte - viel versprechen sich die Experten davon nicht: "Die Richtlinie ist in Kraft, damit hat sich das Thema für die EU erst einmal erledigt", sagt Alexander Kekulé, Chef des Instituts für biologische Sicherheitsforschung (IBS) in Halle. "Entscheidend wäre, eine Art TÜV einzuführen, der die Qualität und die Inhaltsstoffe der Spielsachen unabhängig prüft - und der müsste von staatlicher Seite organisiert und vor allem finanziert werden."
Denn von Seiten der Industrie wird ein solcher Vorstoß nicht kommen - weil die Überprüfung der eigenen Produkte viel Geld kostet. Laut Branchenkennern müssen die Unternehmen einige hunderttausend Euro investieren, um eine Produktlinie chemisch und technisch zu untersuchen - viel Geld für eine Leistung, die der Gesetzgeber nicht verlangt. Kekulé fordert deshalb eine professionelle staatliche Einrichtung, die diese Aufgabe übernimmt: "Als Bürger erwarte ich, dass der Staat sich darum kümmert. In anderen Bereichen, etwa bei der Lebensmittelsicherheit macht er es doch auch."
Vorsicht bei Billigprodukten
Bis dahin kann der Kunde nur abwarten - und auf ein Siegel vertrauen, das ebenfalls freiwillig ist: das sogenannte GS-Siegel. "Die Anforderungen für dieses Siegel liegen weit über den europäischen Normen und Richtlinien", sagt TÜV-Experte Näumann. Weil das Siegel sich aber auf vielen technischen Geräten, aber nicht auf allen Spielsachen findet, hat er noch einen anderen, ziemlich einfachen Rat: "Nicht immer auf die billigsten Produkte zurückgreifen, sondern auch beim Einkauf auf Qualität achten."
Zwar garantiert ein teurerer Preis nicht immer, dass die Produkte keine Giftstoffe enthalten. Aber eine Studie des TÜV Rheinland hat gezeigt, dass der Anteil an beanstandeten Spielwaren im Discounterbereich deutlich höher war als bei Markenherstellern. Experten erstaunt das nicht: "Wer billig produzieren möchte, verwendet auch billige Rohstoffe - und deren giftige Reste finden sich dann manchmal auch im Produkt", sagt Biochemiker Kekulé.
Bleibt ein Trick, den vor allem Verbraucherschützer empfehlen: am Spielzeug riechen. Denn je mehr die Produkte stinken, desto eher enthalten sie giftige Stoffe.
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Ob es nun der <a href="http://www.schneckenhaus-spielzeug.de/">Spielzeug Shop</a>, ein Ladengeschäft in der Fußgängerzone oder eine Katalogbestellung ist - das Problem ist doch immer das selbe. In [...] mehr...
Ich habe eine bedenkenswerte Feststellung in Bezug auf Spielzeugkauf im Internet gemacht. Bei einem <a href=“http://www.schneckenhaus-spielzeug.de/“>Spielzeug Shop</a> habe ich gemeinsam mit einer Freundin nach [...] mehr...
Prinzipiell greife ich bei Kinderspielzeug zur besser getesteten Alternative - sofern verfügbar. Wir wollten unserer Kleinen eine Puppe schenken und haben bei Ökotest die entsprechenden Tests durchgelesen. Leider hat uns das [...] mehr...
Dazu bedarf es auch eines Schadens. Die blosse Möglichkeit eines Schadens begründet keine Schadenersatzklage. Grenzwerte sind keine objektive definerte Grenze. Das US Schadenersatzrecht ist im übrigen eine Katastrophe und [...] mehr...
Ausgehend von einem halbwegs entwickeltem Menschenverstand muß doch eigentlich jeder sehen, daß dieser Schrott nicht nur meßtechnisch toxisch sein muß. Diese Produkte lösen bei mir Instant Augenkrebs aus. Ich würde mich hüten [...] mehr...
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