Von Anne Seith
Nürnberg - Ausgerechnet Deutschlands Hightech-Firmen trifft es am härtesten: Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, erwartet in Branchen wie der Autoindustrie einen massiven Jobabbau im kommenden Jahr. Der Grund: Dort seien besonders viele Firmen vom schwächelnden Export abhängig. Derzeit seien Hunderttausende Arbeiter auf Kurzarbeit gesetzt, sagt Weise im SPIEGEL-ONLINE-Interview. "Das wird auf Dauer nicht durchzuhalten sein." Kurzarbeit sei für die Unternehmen teuer.
Als "Hochrisikoregionen", in denen die Krise demnächst besonders zuschlagen wird, macht Weise Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen aus. Die Krise sei zudem "ein weiterer herber Rückschlag für jene, die ohnehin schwach sind". Sprich: für die Langzeitarbeitslosen. Zwar seien die meisten Menschen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten neu bei der Bundesagentur gemeldet hätten, Männer mittleren Alters mit guter Ausbildung. Sie hätten also gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Doch gleichzeitig seien sie neue Konkurrenz für Langzeitarbeitslose auf dem Jobmarkt.
Weise warnt außerdem, dass der Bundesagentur durch die Absenkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung in den vergangenen Jahren massiv Einnahmen verlorengegangen seien. Mit den derzeit verfügbaren Mitteln "können wir nur an der unteren Grenze haushalten". Trotzdem will Weise weiter in einem Bereich mitmischen, in dem die Arbeitsagentur nach landläufiger Meinung eigentlich wenig zu suchen hat: der Bildung. So unterstützt die Bundesagentur mit speziellen Programmen etwa Schulen beim Rechen- und Deutschunterricht - sie will so positive Beispiele schaffen.
"Vorsorge ist preiswerter als Nachsorge", sagt Weise. "Die Tatsache, dass jährlich 80.000 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss bei uns in den Arbeitsagenturen erscheinen, spricht für sich. Allein für diese jungen Menschen zahlen wir Milliarden."
Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Weise seine Position:
SPIEGEL ONLINE: Herr Weise, Sie haben kürzlich eine neue Chefin als Bundesarbeitsministerin bekommen, Ursula von der Leyen. Haben Sie da drei Kreuze geschlagen?
Weise: Warum sollte ich?
SPIEGEL ONLINE: Sie gilt als sozial und durchsetzungsstark. Damit ist sie doch ein willkommenes Gegengewicht zu FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, der am liebsten den Kündigungsschutz lockern, Mindestlöhne und gleich auch die Bundesagentur für Arbeit abschaffen würde.
Weise: Mein Ansprechpartner in der neuen Regierungskoalition war glücklicherweise von Anfang an ein Politiker der Union, vorher eben Franz Josef Jung. Im Ministerium hatte ich immer das Gefühl, dass man sich der sozialen Verantwortung in dieser schlimmen Rezession bewusst ist. Der Staat hat in der Krise eine zentrale Aufgabe, er muss seiner Fürsorgepflicht nachkommen. Insofern freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit Bundesministerin Ursula von der Leyen. Sie wird sicher auch neue Debatten anstoßen.
SPIEGEL ONLINE: Welche würden Sie sich wünschen?
Weise: Neben der Arbeitslosigkeit ist eines meiner Hauptanliegen: Wie gewinnen wir mehr junge Menschen, vor allem mehr junge Frauen für naturwissenschaftliche Berufe und das Ingenieurswesen? Wenn wir diese Frage nicht beantworten, wird dies der Wirtschaft mittelfristig vielleicht sogar mehr schaden als die aktuelle Krise.
SPIEGEL ONLINE: Vor einem halben Jahr verkündeten Ökonomen beinahe Weltuntergangsszenarien - jetzt reden sie den Aufschwung herbei. Verlassen Sie sich in Ihrer Planung noch auf solche Prognosen?
Weise: Ich bin vorsichtig geworden. Trotzdem müssen wir versuchen, die Hochrisikobranchen und -regionen der kommenden Jahre jetzt klar zu benennen und Vorsorge zu treffen.
SPIEGEL ONLINE: Wie schlimm wird das kommende Jahr?
Weise: Ich erwarte mehr Arbeitslose, im Schnitt 4,1 bis 4,2 Millionen. Das ist besser als lange gedacht - aber einige Branchen wird es hart treffen. Im Handwerk und in der Bauwirtschaft sieht es recht gut aus, beim Export dagegen schlimm. Und damit ausgerechnet bei unseren Hightech-Firmen, im Maschinenbau oder in der Autoindustrie. Dort sind derzeit Hunderttausende Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt, das wird auf Dauer nicht durchzuhalten sein...
SPIEGEL ONLINE: ...schon weil Kurzarbeit ab 2010 nur 18 Monate dauern darf.
Weise: Auch deshalb. Aber auch, weil Kurzarbeit für Unternehmen teuer ist. Deshalb droht in manchen Bereichen massiver Jobabbau. Vor allem Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen wird es treffen. Wobei die Länder im Süden sicher besser damit klarkommen, weil ihre finanzielle Situation und die Bildungsinfrastruktur besser sind. In Nordrhein-Westfalen ist das anders.
SPIEGEL ONLINE: Einer Bertelsmann-Studie zufolge sind Geringverdiener, ältere und jugendliche Arbeitnehmer die großen Krisenverlierer. Müssen wir uns damit abfinden, dass der Arbeitsmarkt immer weniger gerecht wird?
Weise: Man kann auch das Positive sehen: Obwohl wir die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit erleben, liegt die Arbeitslosigkeit 2009 im Schnitt bei 3,5 Millionen. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten wir mehr als fünf Millionen. Durch die Hartz-Reformen sind seitdem viele neue Jobs entstanden. Zugegeben, sehr viel im Teilzeit- und Niedriglohnbereich. Das führt dazu, dass Arbeit im Schnitt schlechter bezahlt wird als früher und unsicherer ist. Die Gesellschaft muss sich in Zukunft überlegen, ob sie das will. Aber in dieser Krise bewährt sich das System. Auch weil viele Firmen offensichtlich bemüht sind, ihr Fachpersonal zu halten.
SPIEGEL ONLINE: Andere nutzen brachial Gesetzeslücken aus. So manches Unternehmen feuert derzeit Mitarbeiter und stellt sie dann als billige Zeitarbeiter wieder ein. Finden Sie das nicht abstrus?
Weise: Das zeugt von mangelnder Verantwortung. Und ja, es gibt Schmuddler in der Zeitarbeitsbranche, die ihre Mitarbeiter an die Grenzen der Belastbarkeit treiben und darüber hinaus. Aber es gibt auch jene, die Tariflöhne zahlen, wenngleich niedrige. Die Zeitarbeit hat Tücken...
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Und Ihr Beitrag besteht nur aus Pseudo-Flames! Shame on you. mehr...
mein Job ist schon lange weg ! So einen finde ich auch nicht wieder, weil sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse mit einflussreichen Betriebsräten, Anspruch auf Sonderurlaub, Sonderzahlungen und [...] mehr...
Heute Hüh, morgen hott. Gestern Aufschwung, heute schrumpfende Löhne. Wer liest diesen Unsinn eigentlich noch? Zum Glück steht der Link zum Forum schon auf der Titelseite. So erspar ich mir den Umweg über den Artikel. mehr...
WOher haben Sie die Zahl "10.000" und woher die Sicherheit, dass es nicht 10.001 oder 9.999 sind? Sind Sie der Eliteverwalter? Niemals, denn wir schreiben nun mal das Jahr 2011. Sie können aber zum Islam [...] mehr...
Es wird Zeit, dass die Gewerkschaften wieder den Job machen für den sie bezahlt werden. Andernfalls ist der Wutbürger gefragt, wie man weiss, können die Rahmenbedingungen, wie Mindestlöhne sehr wohl von der Politik festgelegt [...] mehr...
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