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15.12.2009
 

Landesbanken in der Krise

Groß, größer, Größenwahn

Ein Kommentar von Ulric Papendick

Die HSH wollte der weltgrößte Finanzier von Containerschiffen werden. Die WestLB glaubte, im globalen Investmentbanking mitspielen zu können. Die BayernLB wollte den Osten erobern - alle drei scheiterten grandios. Das zeigt: Die Landesbanken müssen endlich radikal reformiert werden.

Hamburg - Als der frühere BayernLB-Chef Werner Schmidt im Frühjahr 2007 die mehrheitliche Übernahme der österreichischen Hypo Alpe Adria Bank in Angriff nahm, wähnte er sich am Ziel seiner Expansionsträume. Nun werde endlich ein "führender Finanzdienstleister in Zentral- und Osteuropa" geschaffen, tönte Schmidt. Bereits zuvor hatte der BayernLB-Chef versucht, die Wiener Gewerkschaftsbank Bawag zu kaufen, war jedoch von dem Hedgefonds Cerberus ausgestochen worden. Das sollte ihm nicht noch einmal passieren. Man werde den Verkäufern - dem Bundesland Kärnten, einer Versicherung und dem Investor Tilo Berlin - einen "attraktiven Kaufpreis" bieten, stellte Schmidt damals klar.

Bayerns damaliger Finanzminister Kurt Faltlhauser ließ es sich ebenso wenig wie Sparkassenpräsident Siegfried Naser nehmen, Schmidt zur Unterzeichnung des Kaufvertrags nach Klagenfurt zu begleiten. Der Finanzplatz München, ja ganz Bayern sonnte sich im Glanz seiner erfolgreichen Landesbank, die sich nun anschickte, die verheißungsvollen Märkte in Osteuropa zu erobern. Dass die als "Perle" (Tilo Berlin) bejubelte Klagenfurter Bank kurz zuvor versucht hatte, Verluste aus Devisen-Swapgeschäften zu vertuschen - geschenkt.

Nur noch heulendes Elend

Zweieinhalb Jahre später ist von dem bayerischen Imperium nur noch heulendes Elend übrig: Die mittlerweile als Hypo Group Alpe Adria (HGAA) firmierende Tochter in Kärnten muss zwangsverstaatlicht werden - und nur, weil der österreichische Staat die Bank unter seine Kuratel nimmt, entgeht das Institut dem Konkursrichter.

Mit der Finanzkrise ist der Beinahe-Bankrott kaum zu begründen, immerhin hat die HGAA ihre Milliardenverluste in erster Linie mit fehlgeschlagenen Kreditengagements in Ländern wie Serbien und Kroatien angehäuft.

Konsequenzen aber hat das Ganze nicht.

BayernLB-Lenker Schmidt ist längst abgetreten, die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn, nicht zuletzt wegen des "attraktiven Kaufpreises" für die Banktochter im Nachbarland. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer - und mit ihm der Steuerzahler - muss einen weiteren Milliardenverlust verkraften, nachdem er bereits zehn Milliarden Euro für die Bank aufgebracht hat. Und dass es dabei bleibt, darf bezweifelt werden.

Großmannssucht deutscher Landesfürsten

Denn so bitter es klingt: Der Fall BayernLB ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie die Großmannssucht in deutschen Landeshauptstädten zum Milliardenfiasko wird. Die Hamburger HSH Nordbank verstieg sich zu der Wahnvorstellung, weltgrößter Finanzier von Containerschiffen werden zu müssen. Die Düsseldorfer WestLB glaubte, im Konzert der globalen Investmentbanken einen führenden Part übernehmen zu können. Die Stuttgarter LBBW sah sich wie selbstverständlich in der Rolle, einen Konkurrenten nach dem nächsten zu übernehmen. Und in München meinte man, den Osten erobern zu müssen.

Diese Institute nun zu einer Riesen-Landesbank zusammenzuschmieden, würde das Ganze nur noch schlimmer machen. Zu gewaltig sind die Probleme jedes einzelnen Instituts, zu groß die Gefahr, dass ein gemeinsames Institut an seinen Klumpenrisiken scheitert - und an dem Problem, vom Kapitalmarkt keine ausreichende Finanzierung zu erhalten.

Es bleibt nur der harte Weg, die überdimensionierten Landesbanken solange zu schrumpfen, bis sich die Institute wieder auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können, die Versorgung des deutschen Mittelstands mit Krediten. Dafür gibt es eine Nachfrage. Die aufgeblähten Apparate der Landesbanken - allein die BayernLB beschäftigte Ende vergangenen Jahres mehr als 20.000 Mitarbeiter - sind mit diesem Rumpfgeschäft allerdings nicht mehr zu rechtfertigen.

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insgesamt 14 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.12.2009 von ofelas: Die Politker muessen es nicht bezahlen - halt andere Leute Geld

Die Situation bei den LB ist doch seit fast 15 Jahren bestens bekannt, und auch davor wurden diese Institutionen doch zum grossen Teil nur fuer die Vorteile der Politiker eingesetzt. Zu meiner Studienzeit in Muenster (Westf) [...] mehr...

16.12.2009 von Zamonischer Balitan: Die Bank ist NICHT Dein Freund

WIR haben diese Politkasper gewählt! Wie war das nochmal: Quot licet Jovi non licet bovi. Und wir sind nun mal das die Ochsen- man könnte auch sagen das Stimmvieh mehr...

15.12.2009 von pille.palle: When will they ever learn?

Bereits 1970 gab es den HeLaBa-Skandal. Durch mehrere spekulative, hochriskante Immobilienbeteiligungen wurden rd. 2 Milliarden DM in den Sand gesetzt. http://de.wikipedia.org/wiki/Helaba-Skandal Damals wie heute mußte der [...] mehr...

15.12.2009 von rhs: Der schönste Satz...

Der schönste Satz im ganzen Artikel: "Konsequenzen aber hat das Ganze nicht." Aber eine fristlose Kündigung wenn jemand eine Bulette futtert, das geht dann schon. Geht's noch korrupter? mehr...

15.12.2009 von Optimisten: Primitiv ist auch ein Statement

und solche Kommentare sind genau der Grund, warum man auch den guten nicht mehr traut. Alle brauchen Bnaken, doch die schlechten Landesbanker werden nicht kritisiert sondern der Ackeramnn, der kein Staatsgeld haben will und [...] mehr...

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