Donnerstag, 18. März 2010

Wirtschaft



Ben Bernanke

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16.12.2009
 

US-Notenbankchef

"Time" kürt Ben Bernanke zur Person des Jahres

Polarisierende Entscheidung des "Time"-Magazins: Die mächtige Wochenzeitschrift hat Ben Bernanke zur Person des Jahres gekürt. Dabei ist das Wirken des US-Notenbankers umstritten - zeitweise war sogar seine Wiederwahl als Fed-Chef in Gefahr.


Washington - Das amerikanische Nachrichtenmagazin "Time" hat US-Notenbankchef Ben Bernanke zur "Person des Jahres" gekürt. "Er hat nicht nur die amerikanische Geldpolitik neu geformt, er stand an der Spitze der Bemühungen, die Weltwirtschaft zu retten", schreibt das Magazin zur Begründung. "Die Rezession war die Story des Jahres. Ohne Ben Bernanke wäre alles viel schlimmer gekommen."

Die Auszeichnung selbst ist schon ein riesiges Lob für den Notenbanker, gehört doch "Time" zu den reichweitenstärksten und publizistisch einflussreichsten Magazinen Amerikas. Doch die Zeitschrift setzt noch einen obendrauf - sie widmet Bernanke einen langen Artikel und überschüttet den Notenbanker darin förmlich mit Lob.

"Bernanke hat nicht nur aus der Geschichte gelernt; er hat sie selbst geschrieben", schreibt "Time" etwas pathetisch. Er wäre "verdammt gewesen, wenn er sie wiederholt hätte". Bernanke habe sich zum Gegenteil dessen entschieden, was die Fed in den dreißiger Jahren tat. Seinerzeit schlug die Notenbank einen geldpolitischen Sparkurs ein - und verschärfte dadurch die Rezession zur Depression. Durch diese Fehlentscheidung waren in der Spitze ein Drittel der Amerikaner arbeitslos. Diesen Fehler hat Bernanke nicht wiederholt. Er weitete die Geldmenge größtmöglich aus, er rettete so viele Banken wie möglich.

Bernankes Stil wird von "Time" süffisant kommentiert. Zu seiner zurückhaltenden und oft als akademisch empfundenen Art meint die Zeitung : "Er ist einfach der mächtigste Streber des Planeten."

Und dennoch: Die Entscheidung, ausgerechnet Bernanke zur Person des Jahres zu wählen, dürfte nicht nur in den USA die Öffentlichkeit polarisieren. Denn das Wirken des Notenbankers ist umstritten. Im US-Kongress sind schon vor Monaten Stimmen laut geworden, die eine weitaus stärkere Kontrolle der unabhängigen Zentralbank fordern.

Zeitweise war sogar seine Wiederwahl als Fed-Chef in Gefahr. Erst seitdem Bernanke von Präsident Barack Obama erneut nominiert worden war, gilt die Personalie als sicher. An diesem Donnerstag stimmt der Bankenausschuss des Senats über die zweite, vierjährige Amtszeit des Fed-Chefs ab.

Das Wochenmagazin "Time" vergibt seit 1927 den Titel an die Person, die aus Sicht der Redaktion im abgelaufenen Jahr den größten Einfluss auf die Welt hatte. 1937 wurde der Luftfahrtpionier Charles Lindbergh ausgezeichnet, der mit 25 Jahren als erster Mensch den Atlantik im Solo-Flug überquerte. Oft gab es auch sehr umstrittene Entscheidungen des Magazins: Adolf Hitler war 1938 Person des Jahres, Ajatollah Chomeini erhielt den Titel 1979. Stalin verlieh "Time" die Auszeichnung sogar zweimal. Im vergangenen Jahr hatte das Magazin Barack Obama zu seiner "Person des Jahres" gekürt, 2007 war es Wladimir Putin.

ssu/dpa

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