Düsseldorf - Er ist 90 Jahre alt - da kann man schon mal Klartext reden: Ludwig Poullain, der ehemalige Vorstandschef der WestLB, hat das Vertrauen in seine Bankierskollegen verloren und macht daraus auch keinen Hehl. "Ich traue denen alles zu, aber ich vertraue ihnen nicht mehr", sagte Poullain dem "Handelsblatt" am Mittwoch. Banken seien von Dienstleistern zu Produzenten geworden, die sich vor allem mit virtuellen Geschäften und Produkten befassten. Das sei eine wichtige Ursache für die Finanzkrise. Ludwig Poullain führte die WestLB von ihrer Gründung 1969 bis 1977.
Nach Einschätzung von Poullain fällt es vielen Bankern schwer, sich ihrer Mitverantwortung für die Wirtschaftskrise zu stellen: "Der Begriff der Moral in unserer Gesellschaft wird unscharf, und mein Berufsstand ist da besonders gefährdet." Das Fachwissen, das ein Banker brauche, sei geringer als das eines Ingenieurs. "Die Folge ist, dass man dann auch oberflächlicher ist und urteilt", sagte Poullain. "Einem Herrn Ackermann zum Beispiel wird der Bürger nie Vertrauen schenken können, allein schon wegen seines Zickzackkurses." Mal lasse der Deutsche-Bank-Chef Banken wie die IKB oder die Hypo Real Estate mit Staatsgeld retten, ein anderes Mal sagt er, er würde sich schämen, selbst Steuergelder anzunehmen.
Für Poullain trägt allerdings auch die Gesellschaft als Ganze Mitschuld an der Finanzkrise. "Auch viele Kleinsparer wollten sich ja mit herkömmlichen Renditen nicht zufrieden geben", sagte Poullain. Privatanleger, die etwa mit Lehman-Zertifikaten ihr Erspartes verloren haben, seien selbst daran schuld. "Die Finanzkrise kommt aus der Mitte der Gesellschaft."
sam/dpa-AFX
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