Freiburg - Mehr Solidarität, weniger Konsum: Die deutschen Bischöfe haben in ihren Weihnachtspredigten scharfe Kritik an den sozialen Verhältnissen in Deutschland geübt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, beklagte einen zu hohen Leistungsdruck in der Gesellschaft. Es schienen "die Harten und Abgeklärten zu sein, die unsere Welt und unseren Alltag bestimmen", sagte der Freiburger Erzbischof am Freitag in seiner Predigt.
"Wir leben in einer Gesellschaft, die schon für die Kinder und Jugendlichen einen ungeheuren Druck aufbaut", kritisierte er. Der Druck entstehe, weil "nur derjenige angesehen ist, der in seinem Beruf Überdurchschnittliches leistet und dessen Verdienst entsprechend hoch ist". Immer mehr alte wie junge Menschen nähmen Psychopharmaka, um dem Druck standzuhalten.
Zollitsch beklagte, die Menschenwürde sei dort angefochten, "wo Entscheidungsträger nur an sich denken" und sich "lediglich ihrem eigenen Profit verantwortlich wissen". Verloren gegangen sei offenbar die Weisheit, "dass wir Menschen Ruhe und Stille brauchen".
"Wo ist das Gefühl, dass ein gutes und erfüllendes Familienleben mehr bedeutet als ein gut gefülltes Portemonnaie?", fragte Zollitsch. Der Erzbischof betonte, die Menschen gewönnen ihren Wert nicht aus Leistung, Aussehen und Ansehen; vielmehr sei "der Wert eines jeden Menschen in seiner Existenz begründet".
"Sucht Wege des Friedens"
Auch andere Bischöfe riefen in ihren Weihnachtspredigten zu mehr Gerechtigkeit und Solidarität auf. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx sagte, die Gesellschaft solle sich nicht auf das Bewahren und Besitzen zurückziehen, sondern mit Mut zur Zukunft den Weg nach vorn gehen.
Für den Kölner Erzbischof Joachim Meisner ist Weihnachten "das Geheimnis der Liebe Gottes, über das wir nur staunen können". Trotz aller Verbrechen, "trotz der Millionen Menschen, die verhungern, trotz der millionenfachen Abtreibungen, trotz der Wirtschaftskrisen und der militärischen Rüstungen" sei der Heiland in diese Welt geboren worden, unterstrich Meisner in seiner Weihnachtspredigt am Freitag im Kölner Dom.
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sagte in Düsseldorf: "Setzt Hoffnungszeichen gegen Gewalt und Unmenschlichkeit. Sucht Wege des Friedens."
Der Bischof von Augsburg, Walter Mixa, bezeichnete die Kirche als "Anwältin des Lebens". Sie kämpfe für das Lebensrecht ungeborener Kinder, für Freiheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit. Die Kirche müsse immer dann ihre Stimme gegen den Egoismus der Starken oder die Profitinteressen des Marktes erheben, wenn das körperliche und seelische Wohl des Menschen bedroht sei.
Aufruf zum Verzicht
Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen wies in seiner Weihnachtspredigt auf die Würde des Menschen hin. "Die Würde ist nicht austauschbar oder verfügbar und nicht an Bedingungen geknüpft, sondern gilt unbedingt" sagte er am Freitagmorgen bei einem Gottesdienst im Dom.
Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst warnte: "Wo die Wirtschaft sich von Werten löst, geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander."
Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode rief in seiner Weihnachtsbotschaft dazu auf, in der Finanz- und Wirtschaftswelt die ethischen Maßstäbe zu beachten. Gerechtigkeit, Solidarität, die Bereitschaft zum Verzicht und der Einsatz für den Frieden seien entscheidend, sagte Bode am Freitag im Dom der Stadt.
Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat in seiner Weihnachtsbotschaft die Suche vieler Menschen nach dem Paradies auf Erden angeprangert. Konkret kritisierte der "den Konsum von Filmen, Fernsehshows mit Glitzer und Promis, den Starkult, die Sorge um Attraktivität und körperliches Wohlbefinden, die Lifestyle-Welle und die Gläubigkeit an eine Wissenschaft, die alles können soll".
Stuttgarts Bischof warnt vor der Umwelt-Apokalypse
Der Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst erweitert das christliche Heilsversprechen über den Menschen hinaus auf die Umwelt. "Auch die Schöpfung gilt es zu retten und zu heilen", sagte der Bischof am Freitag in seiner Weihnachtspredigt in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard. Gott richte sein Rettungsversprechen nicht nur auf die Menschen, sondern auch "auf die gefährdete Schöpfung, auf ihre Verlorenheit, auf ihre Versklavung und skrupellose Ausbeutung durch den Menschen".
Es seien nicht einfach apokalyptische Visionen, dass ganze Regionen überschwemmt und die Lebensgrundlagen zerstört würden, dass Meere umkippten und das Leben im Wasser absterbe. All dies sei in den Bereich des Möglichen, sogar des Wahrscheinlichen getreten, sagte der Bischof.
Auch der Rottenburger Weihbischof Thomas Maria Renz sieht in Weihnachten eine Verpflichtung für die Gläubigen, die Welt zu retten und sie nicht tatenlos dem Verderben und dem Untergang preiszugeben. So müssten Christen angesichts der gescheiterten Weltklimakonferenz in Kopenhagen als leuchtendes Beispiel dafür vorangehen, umzudenken und umwelt- und klimazerstörende Lebensweisen zu verändern, mahnte Renz im Rottenburger Dom.
wal/APD/dpa/ddp
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