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13.01.2010
 

Teurer Ökostrom

Wie die Solarlobby bei Subventionen trickst

Von Anselm Waldermann

Solaranlage: Verbraucherschützer fordern einen radikalen Abbau der SubventionenZur Großansicht
REUTERS

Solaranlage: Verbraucherschützer fordern einen radikalen Abbau der Subventionen

Offiziell geben sich Solarkonzerne bescheiden: Die Subventionen für die Branche könnten in diesem Jahr radikal sinken, beteuern Lobbyisten. Doch in Wahrheit wollen die Ökofirmen weitere Milliarden kassieren - Verbraucherschützer fürchten gigantische Kosten für Stromkunden.

Hamburg - Die Welt könnte so einfach sein: Auf der einen Seite stehen die Stromkonzerne, die ihren Kunden das Geld aus der Tasche ziehen und die Umwelt verpesten. Auf der anderen Seite befinden sich die Solarfirmen. Sie bieten sauberen Strom zu fairen Preisen, schließlich scheint die Sonne für jeden umsonst.

"Aber so einfach ist es nicht", sagt Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Es gibt nicht die Bösen und die Guten."

Die Sorge des Verbraucherschützers: Solarstrom wird in Deutschland immer teurer. Allein im vergangenen Jahr sind für die Stromkunden Kosten von rund zehn Milliarden Euro entstanden (siehe Kasten in der linken Spalte).

Glaubt man den öffentlichen Stellungnahmen der Solarfirmen, dann haben sie das Problem erkannt. An diesem Mittwoch treffen sich nun Branchenvertreter mit Abgesandten aus dem Bundesumweltministerium. Offizielles Thema: ein Abbau der Solarsubventionen.

Bereits im Vorfeld versprachen die Ökolobbyisten, sie seien zu einem großzügigen Verzicht bereit. Bisher erhielten die Betreiber einer Solaranlage bis zu 43 Cent pro Kilowattstunde. Nun könnte die Hälfte des für das Jahresende 2010 vorgesehenen Subventionsabbaus auf den 1. Juli vorgezogen werden, bietet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) an. Die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz würde dadurch um 14 Prozent sinken.

Hört sich gut an, doch für die Verbraucher wird es trotzdem teurer. Der Grund ist das rasante Marktwachstum: In Deutschland gehen immer mehr Solaranlagen ans Netz - weit mehr, als bisher prognostiziert.

"Die Industrie hat versucht, die Kosten kleinzurechnen"

Was dies bedeutet, zeigt eine einfache Rechnung. Nach den Planungen des BSW sollten in Deutschland 2009 Solaranlagen mit einer Leistung von 682 Megawatt installiert werden. Nun muss die Lobbyorganisation zugeben, dass es tatsächlich rund 3000 Megawatt waren - also viermal so viel wie erwartet. Im gleichen Umfang schnellten die Förderkosten in die Höhe: von 2,4 auf 10,4 Milliarden Euro (siehe Kasten).

Mit anderen Worten: Die Subventionen pro Kilowattstunde können noch so schnell sinken, bei einer steigenden Strommenge fällt dies kaum ins Gewicht. Im Gegenteil - die Gesamtkosten für die Verbraucher steigen. "Teile der Solarindustrie haben in den vergangenen Jahren viel zu geringe Zuwachsraten in Umlauf gebracht", sagt Anne Kreutzmann von der unabhängigen Branchenzeitschrift "Photon". "So wurde versucht, die Kosten kleinzurechnen."

Auch für die Zukunft ist mit diesem Effekt zu rechnen. Bisher rechnen die Solarlobbyisten für 2010 bis 2013 mit einem Zubau von gerade einmal 600 bis 700 Megawatt pro Jahr. Analysten und unabhängige Experten halten dies jedoch für völlig untertrieben: Tatsächlich dürften Tausende Megawatt ans Netz gehen - Jahr für Jahr.

Das heißt: Die Solarsubventionen können gut und gerne um 14 Prozent sinken - wenn der Zubau 30 Prozent größer ist als prognostiziert, werden die Gesamtkosten trotzdem steigen.

"Lobbyisten denken nur an Subventionen"

Das Angebot der Solarfirmen zum Subventionsabbau entpuppt sich damit als Mogelpackung. Sollte sich die Branche mit ihren Vorstellungen durchsetzen, dürfte sie in den kommenden Jahren nicht weniger Milliarden einnehmen, sondern mehr.

Verbraucherschützer Krawinkel fordert deshalb eine radikale Senkung der Subventionen zur Mitte des Jahres um 30 Prozent. Vor allem jedoch verlangt er "eine verlässliche Zubauprognose des Bundesverbands Solarwirtschaft", die das Bundesumweltministerium bestätigen müsse. "Die bisher erstellten Mengenprognosen waren immer falsch", sagt der Energieexperte.

Dabei müsste die Ökoenergie gar nicht so teuer sein. Seit 2006 sind die Preise für Solaranlagen um 40 Prozent gesunken - die Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz jedoch nur um 17 Prozent.

"Wir sind schon viel weiter, als die Solarbranche zugeben will", sagt Krawinkel. In Süddeutschland könne Solarstrom schon heute so günstig sein wie Strom aus der Steckdose - und für 2010 sei ein weiterer Preisrückgang um 20 Prozent zu erwarten. "Aber die Lobbyisten denken nur an den Kampf um Subventionen."

Exportquote der deutschen Hersteller sinkt

Neben den heimischen Solarherstellern profitieren vor allem Firmen aus China. Sie überschwemmen den deutschen Markt mit Solarzellen - angelockt von der hohen Förderung. Zwei von drei in Deutschland installierten Modulen kamen 2008 aus dem Ausland.

Die Exportquote der hiesigen Produzenten sinkt dagegen: bei Aleo Solar von 50 auf 25 Prozent, bei Solarworld Chart zeigen von 59 auf 33 Prozent.

Manche Hersteller verkaufen ihre Solarzellen gleich gar nicht mehr. Stattdessen betreiben sie eigene Solaranlagen in Deutschland. Beispiel Q-Cells: Der größte deutsche Zellenhersteller errichtet mit seiner Tochter Q-Cells International große Solarfelder. Künftig soll die Tochter etwa die Hälfte aller Erlöse erwirtschaften. "Wir werden uns breiter aufstellen", sagte Q-Cells-Chef Anton Milner in der "Financial Times Deutschland". Im Dezember nahm das Unternehmen im bayerischen Straßkirchen den größten deutschen Solarpark in Betrieb.

Wann kann Solarstrom mit Kohle und Atom konkurrieren?

Das Absurde daran: Trotz der Subventionen spielt die Sonnenenergie in der deutschen Stromversorgung noch immer keine Rolle. Ihr Anteil liegt unter einem Prozent.

Dabei könnte der Markt schneller wachsen, wenn die Förderung stärker sänke - denn entsprechend fielen dann auch die Preise für Solaranlagen. Ist erst einmal der Punkt erreicht, an dem Solarstrom mit Kohle und Atom konkurrieren kann, würde die Nachfrage nach Solarzellen regelrecht explodieren.

"Es ist an der Zeit, über einen ernsthaften Beitrag der Photovoltaik an der deutschen Energieversorgung zu reden", sagt Kreutzmann von "Photon". "Bislang hält die Politik Solarstrom künstlich teuer."

Auch Verbraucherschützer Krawinkel sieht gigantische Chancen. "Wir brauchen viel mehr als ein Prozent Solarstrom. Aber das geht nur, wenn diese Energieform bezahlbar wird."

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08.04.2010 von MarkH: ooo

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08.04.2010 von Trevis: Atom oder Solar

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Was Solarstrom kostet

Im Jahr 2009 gingen in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt ans Netz. Dies entspricht 3.000.000 Kilowatt. Pro Kilowatt liegt der durchschnittliche Stromertrag - konservativ gerechnet - bei 900 Kilowattstunden im Jahr. Die Vergütung laut Erneuerbare-Energien-Gesetz ist für 20 Jahre garantiert. Sie beträgt - je nach Anlagengröße - 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde. Im Durchschnitt sind es rund 36 Cent.
Um die tatsächlichen Mehrkosten des Solarstroms zu ermitteln, muss man von diesem Wert den Börsenpreis für konventionellen Strom abziehen. Aktuell liegt dieser bei etwa 5 Cent pro Kilowattstunde, in den kommenden 20 Jahren dürfte er um jährlich fünf Prozent steigen. Damit ergibt sich ein durchschnittlicher Börsenpreis von 9 Cent je Kilowattstunde. Die Differenzkosten pro Kilowattstunde belaufen sich damit auf 36 Cent minus 9 Cent, also auf 0,27 Euro.
Damit lässt sich folgende Rechnung aufstellen: 3.000.000 kW * 900 kWh/kW pro Jahr * 20 Jahre * 0,27 Euro/kWh = 14,58 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die Verbraucher müssen in den kommenden 20 Jahren mehr als 14 Milliarden Euro zahlen - wohlgemerkt: nur für die Anlagen, die 2009 ans Netz gingen. In heutigen Preisen entspricht dies einer Summe von 10,4 Milliarden Euro (bei einer großzügigen Abzinsung von jährlich vier Prozent).
Die entscheidende Größe ist dabei der Zubau neuer Solaranlagen im Jahr 2009, also 3000 Megawatt. Setzt man statt dieser tatsächlich erreichten Menge den Wert ein, den der Bundesverband Solarwirtschaft in seinen bisherigen Planungen angegeben hat - nämlich 682 Megawatt -, so ergeben sich abgezinste Gesamtkosten von lediglich 2,4 Milliarden Euro. Das heißt: Im Vergleich zur ursprünglichen Prognose müssen die Verbraucher gut viermal mehr zahlen.

Was sind Solarschulden?

Der Preis

Wer eine Solaranlage betreibt, darf seinen Strom unabhängig vom tatsächlichen Bedarf jederzeit ins Netz einspeisen. Die Vergütung wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt, im Jahr 2009 liegt sie für Dachanlagen bei rund 43 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Konventioneller Strom kostet an der Energiebörse rund acht Cent. Die Differenz, also die Mehrkosten, tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.

Die Laufzeit

Die Kosten

Der Schuldenberg





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