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12.01.2010
 

Neuverschuldung

Deutschland verletzt EU-Defizitgrenze

Finanzminister Schäuble: Neuverschuldung bis 2013 unter drei Prozent drückenZur Großansicht
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Finanzminister Schäuble: Neuverschuldung bis 2013 unter drei Prozent drücken

Deutschland hat im vergangenen Jahr offenbar die Schuldengrenze des europäischen Stabilitätspaktes knapp überschritten. Für 2010 könnte sich die Defizitquote sogar verdoppeln. Dennoch soll die Bundesrepublik als Vorbild für Frankreich dienen.

Berlin - Deutschland hat im vergangenen Jahr die Schuldengrenze des europäischen Stabilitätspakts knapp verletzt. Das Defizit von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen lag 2009 leicht über der maximal erlaubten Quote von 3,0 Prozent der Wirtschaftsleistung, verlautete am Dienstag aus Koalitionskreisen.

Nach Angaben des "Handelsblatts" betrug die gesamtstaatliche Neuverschuldung 3,1 bis 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die exakte Zahl wird das Statistische Bundesamt am Mittwoch veröffentlichen.

Die EU-Kommission hatte bereits im vergangenen Herbst ein Defizitverfahren gegen Deutschland und weitere EU-Staaten eröffnet. Nach den Brüsseler Vorgaben muss die Neuverschuldung bis 2013 unter 3,0 Prozent gedrückt werden. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte dies bereits zugesichert. Die Mehrheit der Euro-Staaten steht wegen hoher Ausgaben im Kampf gegen die Krise am Defizitpranger.

Das Abschneiden 2009 ist für das schon laufende Defizitverfahren aber nicht entscheidend. Auslöser dafür ist das für 2010 prognostizierte Defizit. In diesem Jahr steuert allein der Bund auf Rekord- Schulden von möglicherweise bis zu 100 Milliarden Euro zu. Die Defizitquote des Staates könnte sich auf rund 6,0 Prozent verdoppeln.

Für 2010 plant Schäuble bisher eine Rekord-Neuverschuldung von fast 86 Milliarden Euro. Einschließlich der unterstellten 14,5 Milliarden Euro der Sondervermögen für das Konjunkturpaket und den Banken-Rettungsfonds könnte die Neuverschuldung des Bundes in diesem Jahr sogar auf bis zu 100 Milliarden Euro steigen.

Bund machte weniger neue Schulden als erwartet

Im vergangenen Jahr lag die Neuverschuldung des Bundes vermutlich zwischen 35 und 36 Milliarden Euro. Das ist weniger als die zuletzt erwartete Nettokreditaufnahme von 37,5 Milliarden Euro. Ursache ist die etwas bessere Konjunkturentwicklung. Ursprünglich waren 49,1 Milliarden Euro Neuverschuldung veranschlagt worden.

Die nicht erforderlichen Kredite verschaffen Schäuble ein zusätzliches Finanzpolster für Notfälle. Die 2009 nicht benötigten, bereits gebilligten Kreditermächtigungen kann er sich später vom Haushaltsausschuss des Bundestages wieder freigeben lassen.

Zahlen zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft erwartet

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am Mittwoch in Wiesbaden neben der exakten Neuverschuldungsquote für 2009 auch Zahlen zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr. Angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise wird mit dem stärksten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts seit Bestehen der Bundesrepublik gerechnet.

Die Bundesregierung ging noch im Herbst davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung 2009 um 5,0 Prozent geschrumpft ist. Für dieses Jahr rechnet der Bund wieder mit einem Wachstum von 1,2 Prozent.

Pariser Haushaltsminister für Schuldenbremse nach deutschem Vorbild

Die deutsche Schuldenbremse findet im Ausland unterdessen immer mehr Anhänger. Der französische Haushaltsminister Eric Woerth ist inzwischen dafür, wie in Deutschland eine Defizitgrenze in die Verfassung zu schreiben, wie er dem Magazin "L'Express" sagte. Er werde deshalb am 18. Januar nach Berlin reisen, um "die deutsche Regel zu analysieren".

Paris rechnet in diesem Jahr mit einem Rekord-Haushaltsdefizit von 8,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Gesamtverschuldung wird laut Regierung auf 84 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat nicht ausgeschlossen, eine Verpflichtung für eine Rückkehr zu ausgeglichenen Haushalten in die Verfassung zu schreiben. Das soll auf einer nationalen Schuldenkonferenz Ende Januar diskutiert werden.

In Deutschland war die Schuldengrenze im vergangenen Sommer beschlossen worden. Der Bund verpflichtete sich dabei, seine Neuverschuldung ab 2016 auf maximal 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu begrenzen. Die Länder sollen ab 2020 keine neuen Kredite mehr aufnehmen. Ausnahmen soll es in bestimmten Notsituationen wie Naturkatastrophen oder schlechter Konjunktur geben.

wit/dpa/AFP

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.01.2010 von Diomedes: Ein allzu voreiliger Siegestaumel!

Die EU solle wie Kanada werden: Denn mit Kanada, jenem widernatürlichen Gebilde aus Neufrankreich und den Überresten Neuenglands, kann man Europa nicht vergleichen, dessen Völker zwar geschwächt sind und den Fellachenidealen des [...] mehr...

14.01.2010 von Batistuta: Doch keine Steinzeit?!

Moooment mal! Also das halbe Jahr lang wurden wir in der Presse und TV mit superlativen überhäuft, um die weltgrößte Finanzkrise seit beginn der Wetteraufzeichnung zu beschreiben, bis man sich irgendwann anscheinend darauf einigte [...] mehr...

13.01.2010 von H. Hipper: Verschuldungshysterie forever....

Was? Deutschland wird noch der schwersten Weltwirtschaftskrise seit 80 Jahren nicht den EU-Stabilitätspakt einhalten können? Unfassbar! Können in Deutschland eigentlich auch mal ökonomische Probleme diskutiert werden ohne in [...] mehr...

13.01.2010 von daniel141: jaja die EU Defizitgrenze

mal im ernst .... ich kann dieses gesabbel und geseier seitenes der EU seit ewigkeiten nimmer hören es ist ja sicherlich in diesen zeiten hinzunehmen das nicht alles sooooo planmässig lauffen kann wie es sich die "EU" [...] mehr...

13.01.2010 von unterländer: ■Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

Glaubt eigentlich jemand ernsthaft daran, dass die Grenze im Fall der Fälle eingehalten würde? Eine ähnliche Bremse gab es ja bisher auch schon. Sie wurde erstmals von Eichel außer Kraft gesetzt, der flugs eine "Störung des [...] mehr...

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Die Maastricht-Kriterien

DPA
Die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion ist nach dem Vertrag von Maastricht an fünf Kriterien geknüpft. Sie sollen sicherstellen, dass die Euro-Länder sich wirtschaftlich so angenähert haben, dass sie reif für eine gemeinsame Währung sind:

1. Die Neuverschuldung soll nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen.

2. Für die Staatsverschuldung gilt ein Richtwert von 60 Prozent des BIP, den die Länder einhalten oder dem sie sich annähern sollen.

3. Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten Länder liegen.

4. Die langfristigen Zinssätze dürfen nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Länder liegen.

5. Die Währung muß sich mindestens zwei Jahre spannungsfrei und ohne Abwertung im Europäischen Währungssystem bewegt haben.







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