Wirtschaft



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18.01.2010
 

Faire Landwirtschaft

Renitente Bauern gründen eigenes Milchlabel

Von Nils Klawitter

BDM-Milch mit Logo: Eigenes Label für faire MilchZur Großansicht
MVS

BDM-Milch mit Logo: Eigenes Label für faire Milch

Sie kämpfen für faire Preise - und nehmen die Vermarktung deshalb selbst in die Hand: Die Landwirte des rebellischen Milchbauernverbands BDM bringen ihre eigene Milch in die Regale. Die kostet kaum mehr als von anderen Erzeugern, soll den Produzenten aber ein ausreichendes Auskommen ermöglichen.

Hamburg - T-Shirts gibt es hierzulande für 2,99 Euro, 500 Gramm Reis kosten 49 Cent. Den Liter H-Milch gibt es inzwischen für unter 50 Cent. Im Einzelhandel, heißt es, tobe "der größte Preiskrieg aller Zeiten".

Doch was für den Verbraucher auf den ersten Blick lohnend erscheint, bringt die Produzenten in die Bredouille - und keiner steht dabei so im Fokus wie die deutschen Milchbauern. Die kämpfen seit Monaten um existenzsichernde Mindestpreise und haben es geschafft, dass sich die großen Lebensmittelkonzerne inzwischen für ihre Preispolitik rechtfertigen müssen. Die bieten deshalb immer häufiger regionale und vermeintlich fair gehandelte Produkte an. Zuletzt lancierte Lidl das Label "Ein gutes Stück Heimat", unter dem der Discounter Milch, Joghurt und Butter aus bayerischer Produktion anbietet.

Romuald Schaber aber hält die Aktion für eine "Mogelpackung". Schaber ist Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), der rebellischen Gegenbastion zum alteingesessenen Bauernverband. Die Lidl-Initiative, so Schaber, sei "völlig einseitig". Die Bauern müssen gegenüber dem Discounter ihre Fütterung dokumentieren und auf gentechnisch veränderte Futtermittel verzichten - allerdings ohne eine feste Preiszusage für ihre Milch.

Milch von "Faironika"

Lange, vielleicht etwas zu lange, hat der BDM derlei Initiativen zugesehen. Seit einigen Tagen aber steht nun das eigene Milch-Label in den Regalen - vorerst in 300 Tegut und 1200 Rewe-Filialen in Süddeutschland. 99 Cent kostet die Vollmilch, die Magermilch ist zehn Cent günstiger - und garantiert gentechnikfrei soll sie sein.

Auf den Packungen prangt das Rind der Rebellen, die schwarz-rot-goldene "Faironika", das Maskottchen der Streikbewegung der vergangenen zwei Jahre. Geliefert wird hauptsächlich von knapp 150 Bauern der Milchvermarktung Süddeutschland (MVS), einer BDM-nahen Liefergemeinschaft aus Freising in Bayern, die sich in den vergangenen Monaten mehr schlecht als recht mit Lieferungen nach Italien durchgeschlagen hat. Denn monatelang suchte MVS-Geschäftsführer Jakob Niedermeier für das Projekt der fairen Milch nach einer Molkerei in Bayern - gefunden hat er keine. Große Teile der Milchwirtschaft in Bayern reagieren auf den BDM immer noch wie auf einen Aussätzigen. Nun muss die Milch erstmal nach Südhessen gefahren werden, zur Molkerei Schlüchtern, wo sie verarbeitet und verpackt wird.

Für den Handelsriesen Rewe ist die Milch dagegen interessant - passt sie doch zum Streben des Konzerns nach mehr Nachhaltigkeit. Man habe sich für die BDM-Milch entschieden, "weil am nachvollziehbarsten war, dass das Premium auch beim Bauern ankommt", sagt ein Konzernsprecher.

Denn anders als viele Molkereien beginnt die MVS ihre Preiskalkulation tatsächlich beim Bauern. 40 Cent pro Liter soll der vom Erlös bekommen. Dass das funktionieren kann, beweist die Upländer Bauernmolkerei im hessischen Willingen, die ihren Bio-Bauern seit Jahren Spitzenpreise für die Milch zahlt. 1994 hatten ein paar Bauern die Molkerei übernommen. Das Projekt schien chancenlos. Inzwischen ist die Molkerei so erfolgreich, dass ihre Bauern nun sogar dem BDM-Projekt mit ihrer Milch Starthilfe geben.

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insgesamt 122 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.11.2010 von madelleine: Traurige Tatsache

Die Idee von fairen Preisen und mehr Nachhaltigkeit sind grundsätzlich zu begrüßen, nur traurig und eigentlich eine Frechheit, dass der faire Umgang gegenüber den Kühen, die eigentlichen Produzenten der Milch, von keinem Anbieter [...] mehr...

16.02.2010 von Ursprung: Gott, wie daneben alles!

Hammer, Bolzenschussgeraete, "wie frisch vom Euter!" Das Problem ist die pervertierte "Produktion" von Lebensmitteln! Kuhmilch, natuerlich nur frisch, gehoert in die Maegen von Kaelbern! Nicht in den von [...] mehr...

24.01.2010 von cruxxx: glauben

einen glaubenden kann man kaum widerlegen. und wozu auch? schwierig ist nur, wenn glauben mit wissen verwechselt wird... (frei nach russel) sagte ich doch: schlimm ist fehlende professionalität. mehr...

24.01.2010 von yamxs: .

Wie wär es, statt über mein Leben zu mutmaßen, mit Argumenten? Wiederlegen Sie doch einfach meine Sicht der Dinge. Da Sie sie ja für so falsch halten, dürfte es ja nicht schwer fallen. Das mit dem Vorschlaghammer ist, so es [...] mehr...

24.01.2010 von cruxxx: besuchen sie die ställe, machen sie sich ein bild der realität

ihre gesammte argumentation basiert auf rosinenpicken von informationen. wenn sie es ernst meinen mit dem, was sie moechten, dann besuchen sie staelle. machen sie sich ein wirkliches bild der realität! und nicht eines vom [...] mehr...

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Diese Milch kommt nahezu direkt aus dem Euter in die Milchkanne. Da Rohmilch aber nicht mit Hitze behandelt wurde, enthält sie mehr Keime als abgekochte Milch und muss innerhalb von einem Tag verkauft werden. Für Rohmilch gelten zudem höhere Hygienestandards als für Milch, die in einer Molkerei verarbeitet wird.

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