Wirtschaft


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25.01.2010
 

Schmähpreis

Naturschützer küren die größten Skandalkonzerne

Von Hannes Koch

Ölsandabbau in Alberta: Schmähpreis für den HauptfinanziererZur Großansicht
AP

Ölsandabbau in Alberta: Schmähpreis für den Hauptfinanzierer

Mit diesem Preis wird kein Unternehmen gerne geehrt: Kurz vor dem Wirtschaftsgipfel in Davos prämieren Naturschutzorganisationen die größten Skandalfirmen mit dem "Public Eye Award". Auf der Nominiertenliste stehen namhafte Vertreter der Globalökonomie, darunter ein Pharmakonzern und ein Stahlgigant.

Berlin - In zwei Tagen kommen die Großen und Mächtigen der Weltwirtschaft in Davos zum alljährlichen World Economic Forum (WEF) zusammen. Unmittelbar vor dem Supergipfel in dem Schweizer Nobelskiort bringen sich jetzt die Kritiker der Globalökonomie in Position. Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Greenpeace und Erklärung von Bern (EvB) vergeben mit dem "Public Eye Award 2010", den Preis für die "umwelt- und menschenverachtendsten Unternehmen".

Eine Fachjury hat dafür aus über 40 Vorschlägen von NGOs die aus ihrer Sicht skandalösesten Unternehmen für die diesjährigen Shortlist ausgewählt. Für den "Global Award" nominierten die Umweltschützer den indischen Stahlgiganten ArcelorMittal Chart zeigen, der das größte und zugleich dreckigste Stahlwerk Südafrikas betreibe, die Royal Bank of Canada Chart zeigen als Hauptfinanzier des "ökologisch wie sozial fatalen" Ölsandabbaus in der kanadischen Provinz Alberta und den Energieversorger GDF Suez, der die "treibende Kraft hinter einem Großkraftwerk am brasilianischen Madeira-Fluss" sei, das gigantische Umweltzerstörungen und Massenvertreibungen der indigenen Bevölkerung zur Folge habe. Alle drei Unternehmen wollten sich SPIEGEL ONLINE gegenüber nicht zu den Vorwürfen äußern (siehe Kasten unten).

Besonderes empört zeigen sich die NGOs über den Arzneimittelhersteller Roche Chart zeigen, den sie wegen möglicher Organ-Experimente in China kritisieren. Der Konzern verwende bei medizinischen Studien in China "höchst wahrscheinlich" die Organe von Gefangenen, werfen Greenpeace und EvB dem Unternehmen vor.

Die Kandidaten für den Public Eye GLOBAL Award

Arcelor Mittal

Der indisch-luxemburgische Stahlkonzern übernimmt nach Auffassung von Greenpeace und EvB keinerlei Verantwortung für eine aufgekaufte Stahlfabrik in Südafrika, verweigert Auskunft über Studien zu deren Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt, lobbyiert gegen Luftreinhalteverordnungen, ist angeklagt wegen Preisabsprachen und Marktbeherrschung, entsorgt illegal Chemiemüll, schwächt Gewerkschaften und reißt Arbeiterhäuser unter umstrittenen Bedingungen ab. Deshalb ist er ein Kandidat für den Public Eye Global Award. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zu den Vorwürfen äußern.

GDF Suez

Royal Bank of Canada (RBC)

Tatsächlich räumt man bei Roche ein, dass der Konzern "300 Patienten" in China für "Studien rekrutiert" habe, widerspricht aber dem Vorwurf, es handle sich dabei um Probanden, denen die Organe von hingerichteten Gefangenen transplantiert worden seien.

"Sämtliche Prüfzentren, mit denen Roche in China zusammenarbeitet, sind behördlich zugelassene und anerkannte Transplantationszentren. Roche verlangt vertraglich von allen Prüfzentren in China, dass sie sich verpflichten, die gesetzlichen Bestimmungen sowie die Standards der WHO in Bezug auf die Transplantation menschlicher Organe und Gewebe einzuhalten", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Bei der Testreihe gehe es darum, wie chinesische Organempfänger auf das Roche-Medikament CellCept reagieren. Dieses wird nach Organtransplantationen eingesetzt.

Die Konzernkritiker zweifeln dennoch: Sie gehen davon aus, dass in China "mehr als 90 Prozent aller transplantierten Organe von hingerichteten Gefangenen stammen". Erst im August vergangenen Jahres hatten chinesische Zeitungen berichtet, dass 65 Prozent der Organe aus China aus dem Todestrakt stammen, der chinesische Gesundheitsminister Huang Jiefu bezeichnete dies als "angemessene Quelle". Immerhin will Peking die umstrittenen Praktiken mit Hilfe des Roten Kreuzes stärker regulieren. Nach Einschätzung von Experten werden zumindest in den staatlichen Krankenhäusern inzwischen kaum noch Organe von Hingerichteten transplantiert.

"Roche muss Studie sofort beenden"

"Weil die Firma nicht ausschließen kann, dass die Organe von Gefangenen stammen, muss sie die Studie sofort beenden", sagte EvB-Sprecher Oliver Classen. Da Roche die laufenden Studien allerdings weiterführt, haben Greenpeace und EvB den Pharmakonzern nun für den Schmähpreis "Public Eye Award" nominiert.

Den soll pünktlich zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums nun die Schauspielerin Julia Jentsch verleihen. "Indem man die Bürger und die Öffentlichkeit informiert, lässt sich Druck gegen Unternehmen aufbauen", sagte Jentsch gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Manche Firmen überdenken dann ihr Verhalten und ändern ihre Politik", hofft sie.

Erstmals vergeben die Wirtschaftskritiker in diesem Jahr auch einen "Greenwash Award", um der "inflationär wachsenden Zahl an Institutionen Rechnung zu tragen, die mittels sozial-ökologischer Feigenblätter versuchen, das Image unbelehrbarar Konzerne schön zu färben". Über die einzelnen Kandidaten kann man noch bis zum 26. Januar im Netz abgestimmt werden (siehe Kasten unten).

Kandidaten für den Public Eye GREENWASH Award

CEO Water Mandate

Von Wasser abhängige Konzerne wie Coca Cola, Dow Chemical oder Nestlé geben laut Greenpeace und der EvB vor, im Rahmen des CEO Water Mandate mit Uno-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und anderen Stakeholdern die Wasserkrise anzugehen. Stattdessen betreiben sie nach Meinung der Umweltschüter die Wasserprivatisierung systematisch weiter, ohne bereits existierende, verbindliche Öko- und Sozialstandards zu berücksichtigen. Deshalb wurde CEO Water Mandate als Kandidat für den Public Eye Greenwash Award gekürt. Die Organisation selbst wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zu den Vorwürfen äußern.

Gesundheitsförderung Schweiz

Round Table on Responsable Soy

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insgesamt 28 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.01.2010 von Frank Miskar: Sie würden Ihr Kind eher sterben lassen?

Bei über 80.000 Mitarbeitenden weltweit scheint dieses "Problem" für Hoffmann-La Roche eher marginal zu sein. Es ist vielleicht doch ein kleiner Unterschied ob man kahlköpfig durchs Leben geht, oder ob man sein [...] mehr...

26.01.2010 von serenità: Ok...

Wie bitte? Roche kann froh sein, solch ideologisch völlig verblendeten Typen wie Sie zu seinen Angestellten zu zählen, sonst hätten sie ja gar niemanden, der noch für sie arbeiten würde. ---Zitat--- P.S. Und ich wünsche [...] mehr...

26.01.2010 von variofox: So ein Schwachsinn, alarico

Also ganz ehrlich: Sie haben keine Ahnung von Organtransplantationen, oder? In der westlichen Welt steht überhaupt nicht zur Debatte, Organe von indischen Kindern oder chinesischen Todverulteilten zu transplantieren. Es mag [...] mehr...

26.01.2010 von variofox: Organentnahme von Hingerichteten fragwürdig

Ich gebe Ihnen völlig Recht, daß diskutiert werden muß ob es ethisch vertretbar ist, Gefangenen oder Hingerichteten Organe zu entnehmen, um damit anderen das Leben zu erleichtern oder zu retten. Nur: Was hat Roche damit zu [...] mehr...

26.01.2010 von variofox: Transplantationen, Roche und China: Mal wieder Sensationsmache

Ich gehöre nun selbst zu denen, die nur aufgrund einer Transplantation und der Verfügbarkeit von entsprechenden Medikamenden noch leben. Vielleicht denkt man da ein bißchen anders. Klar ist für mich, daß die Sache hier völlig [...] mehr...

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Public Eye Award

Greenpeace und die globalisierungskritische Organisation "Erklärung von Bern" verleihen jährlich ihre Anti-Oscars an Unternehmen. Im Mittelpunkt der Kritik stehen unsoziale und unökologische Geschäftspraktiken der Konzerne.

Die Schmähpreise werden am 27. Januar, dem Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums, des Weltgipfels der Wirtschafts- und Finanzelite, im Schweizer Skiort Davos präsentiert.

Die Träger des Global und Swiss Award wählt eine Jury. Die Öffentlichkeit bestimmt in einer Online-Abstimmung den Gewinner des Publikumspreises.







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