Von Ole Reißmann
Hamburg - Das Ergebnis ist deutlich: Die Bürger des Hamburger Bezirks Altona wünschen sich eine Ikea-Filiale mitten in ihrer Innenstadt. Gut 77 Prozent stimmten beim Bürgerentscheid "Pro Ikea" für eine Ansiedlung des Möbelkonzerns in der Großen Bergstraße - einer Fußgängerzone, die in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Niedergang erlebt hat. Fast 23 Prozent der Bürger stimmten dagegen. Das Bauprojekt stieß auf großes Interesse: Von den 186.000 Wahlberechtigten nahmen 43 Prozent an dem Entscheid teil.
Zur Abstimmung stand ein Wunschprojekt der Bezirkspolitiker: Sie erhoffen sich durch die Ansiedlung von Ikea eine Belebung der Einkaufsstraße. Seit dem Wegzug von Karstadt im Jahr 2003 steht dort ein riesiger Betonklotz leer: das Frappant. Ikea bietet an, das Gebäude abzureißen und durch eine 37 Meter hohe Innenstadt-Filiale mit Parkdecks auf dem Dach zu ersetzen - drei Viertel der Bürger, die sich an der Abstimmung beteiligt haben, halten das offenbar ebenfalls für eine gute Idee.
Unklar ist nun, was aus dem Bürgerentscheid der Ikea-Gegner wird. Sie hatten ebenfalls Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt. Bis Ende der kommenden Woche soll klar sein, ob die Zahl der Unterstützer ausreicht. Doch zwei Bürgerentscheide zum selben Thema sieht das Gesetz nicht vor. Nun könnte der Hamburger Senat die Sache an sich ziehen. Eine zweite Abstimmung wäre dann wohl hinfällig.
Die Initiatoren des Bürgerentscheids "Pro Ikea" zeigten sich mit dem Ergebnis erwartungsgemäß zufrieden. Von einer Mehrheit der Bürger werde Ikea "mit offenen Armen empfangen", so die Interessengemeinschaft der Einzelhändler am Donnerstag. Vom Abriss des Frappant und dem Bau der Ikea-Filiale erhoffen sie sich eine "Initialzündung für den Bezirk".
Ikea-Gegner befürchten Verkehrskollaps
"Wir sind glücklich, dass die hässliche Frappant-Ruine endlich abgerissen werden kann", sagte Verbandschef Klaus-Peter Sydow dem NDR. Nun gehe man davon aus, dass die Besitzer der umliegenden Gebäude investieren würden. Er rechnet damit, dass auch die Läden in der Großen Bergstraße von den Kunden des Möbelhauses profitieren.
Die Ikea-Gegner bemängelten die Abstimmung. Nach eigenen Angaben sind sie von der überwältigenden Mehrheit aber nicht überrascht. Dennoch hätten viele tausend Altonaer ihre Stimme gegen Ikea abgegeben. "All diese Menschen wollen hier kein Möbelhaus. Das kann und darf man nicht übersehen", sagte Benjamin Häger vom Frappant-Verein, der für einen Umbau des Betonkomplexes in ein Stadtteilzentrum wirbt.
Kritik äußerten die Gegner an der Fragestellung des Bürgerentscheids. Dort sei den Wahlberechtigten versprochen worden, der Stadtteil werde mit Ikea "nachhaltig belebt und attraktiver". Das aber sei eine "Suggestivfrage", erklärten die Initiative "Einen Gang zulegen" und der Frappant-Verein am Donnerstag.
Schließlich sei das Gegenteil der Fall: Die Ikea-Gegner befürchten einen "überdimensionierten Zweckbau", der Verkehrsprobleme in ihre Innenstadt bringt, und steigende Mieten, durch die Anwohner und Geschäfte verdrängt werden. Nach dem Bürgerentscheid appellieren sie nun an das Unternehmen: Es könne nicht im Sinne von Ikea sein, sich "durch eine unüberlegte Planung mitten im Wohngebiet in Verruf bei seinen Kunden zu bringen".
Auf anderen Social Networks posten:
Wie in Berlin! Die Städte gehören - sofern staatliches Eigentum - den Steuerzahlern und diese haben viel zu lange zugesehen, wie die seriöse Politik den Bach runtergeht durch die neue Art von unseriösen Politikern. mehr...
Das ist ja lustig. Immer ist es falsch. Als in den 80ern alle auf die grüne Wiese vor die Stadt zogen, hieß es:"oh weh" Die innenstädte veröden!" Und nun also die totale Komerzialisierung?!? Lacherlich! mehr...
http://www.heimatforum.de/ 1. Veränderung der Bevölkerungsstruktur „Bei den unter Vierzigjährigen werden die Zugewanderten in vielen Großstädten ab 2010 einen Anteil von fünfzig Prozent erreichen, nur bei den Älteren bleiben [...] mehr...
Was schreiben Sie denn? So´n Quark habe ich noch nicht gelesen, die Muslime hätten - und tun das auch seit den 70ziger Jahren - in andere Wohnviertel umziehen können, allerdings haben diese zum Teil - je nachdem wo diese [...] mehr...
Und stellen Sie sich den armen Kerl vor, wenn er zur Kenntnis nehmen muss, dass all die rund um ihn herum lebenden Mitbürger mit muslimischem Migrationshintergrund eben nicht 40 Jahre hart hier gearbeitet und stets volle [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Ikea | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH