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26.01.2010
 

Kritik an Zusatzbeiträgen

Ministerin Aigner fordert Sparkonzepte von Kassen

Verbraucherschutzministerin Aigner: "Kassen machen es sich zu einfach"Zur Großansicht
DPA

Verbraucherschutzministerin Aigner: "Kassen machen es sich zu einfach"

Es hagelt Kritik an den gesetzlichen Krankenkassen: Verbraucherschutzministerin Aigner wirft ihnen vor, es sich mit Zusatzbeiträgen zu einfach zu machen. Jetzt sollen die Versicherer Sparvorschläge liefern.

Berlin - Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat die gesetzlichen Krankenkassen wegen der angekündigten Zusatzbeiträge scharf kritisiert. "Die Kassen machen es sich hier zu einfach", sagte sie der Zeitung "Die Welt". Sie erwarte von den Kassen, aber auch von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eine überzeugende Strategie zur Kostensenkung im Gesundheitswesen. Besonders Ärzte, Kliniken und die Pharma-Industrie seien dabei in der Pflicht. Auch die Verwaltungskosten der Krankenkassen und der kassenärztlichen Vereinigungen müssten auf den Prüfstand. Die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann hielt Rösler in der "Berliner Zeitung" vor, er hätte viel früher einschreiten müssen.

Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) forderte von Rösler ein Sparpaket. Es dürfe aber nicht dazu kommen, dass Leistungen für die Patienten gekürzt würden, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Die Honorare der Ärzte sollten ebenfalls nicht sinken. Rösler müsse vor allem die überbordende Bürokratie im Gesundheitssystem angehen: "Da liegen die größten Reserven."

Millionen Versicherte müssen ab Februar acht Euro mehr im Monat bezahlen. Mit der DAK und der KKH-Allianz kündigten am Montag erstmals zwei Branchengrößen den Extrabeitrag an.Die gesetzlichen Kassen müssen in diesem Jahr insgesamt ein Defizit von rund vier Milliarden Euro schultern. Spätestens im kommenden Jahr würden Zusatzbeiträge für fast alle gesetzlich Versicherten fällig, kündigte die Chefin des Kassen-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, an. Der Einheitssatz beträgt derzeit 14,9 Prozent.

Die Versicherten müssen den Zusatzbeitrag an die Krankenversicherung überweisen. Er wird nicht direkt vom Lohn abgezogen. Der Chef der Krankenkasse GBK Helmut Wasserfuhr äußerte im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung, er befürchte, dass "im Schnitt 15 Prozent nicht zahlen". Bei Nichtzahlern leite die Kasse ein Mahnverfahren ein, das bis zur Pfändung von Gehalt und Rente gehe. Auch der Vorstand der BKK Westfalen-Lippe sagte der "Bild", im äußersten Notfall gebe es eine Pfändung.

"Beitrag ist nicht aus der Portokasse zu finanzieren"

Der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer, forderte in der "Berliner Zeitung", die Bundesregierung müsse die Hartz-IV-Bezieher von den Zusatzbeiträgen befreien. Auch der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Werner Hesse, sprach sich in dem Blatt für einen allgemeinen Rechtsanspruch aus. Grundsätzlich sind Bezieher von Arbeitslosengeld II kostenlos krankenversichert. Die Zusatzbeiträge werden von der Bundesagentur für Arbeit (BA) aber nur in Härtefällen übernommen, berichtet das "Flensburger Tageblatt".

Der Gesundheitsökonom Bert Rürup sieht in den Zusatzbeiträgen den Einstieg in einkommensunabhängige Kopfpauschalen, wie sie die CDU anstrebt. Eine solche Umstellung sei zwar richtig, mache aber einen Sozialausgleich für Einkommensschwache in Höhe "von mindestens 25 Milliarden Euro pro Jahr" notwendig, sagte Rürup dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Ein solcher Betrag sei nicht aus der Portokasse zu finanzieren. "Deshalb kann man nicht sozial abgefederte Pauschalprämien wollen und gleichzeitig Steuersenkungen fordern."

Ärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe fordert die Festlegung von Höchstpreisen für neue, innovative Medikamente. "Es sollten gesetzgeberische Maßnahmen zur Senkung der Kosten geprüft werden", sagte er der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung". Bislang dürfen in Deutschland - anders als in vielen anderen EU-Ländern - Hersteller die Preise für solche Medikamente frei festlegen. "Das treibt beispielsweise die Kosten für Krebstherapien massiv in die Höhe, Summen von 50.000 Euro im Jahr sind keine Seltenheit", sagte Hoppe.

fro/dpa

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insgesamt 291 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
27.01.2010 von Andreas Heil:

Vor allem ist es richtig und nicht wohlfeil. Unterläge die PKV den Bedingungen der gesetzlichen Kassen gäbe es schlicht keine. Nein, sie ist sogar vergleichsweise gut einschätzbar. Alle anderen Versicherungen sind dazu ja [...] mehr...

27.01.2010 von TommIT: Soso der Spiegel klärt uns auf

ich hätte eine Frage der Spiegel DAK Start 1. Februar. Es muss ein Monat vorher informiert werden laut SPiegel. Wie geht das? mehr...

27.01.2010 von dogs:

Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Es ist natürlich kein Zufall, dass wir ein Gesundheitssystem haben, das ziemlich das Gegenteil von dem ist, was die große Mehrheit der Deutschen für gerecht hielte, nämlich ein wirklich [...] mehr...

27.01.2010 von settembrini.: Sakrileg

Auch wenn der mit höchsten sozial(istisch)en Weihen ausgestattete Forist A.Heil Ihren Beitrag bereits gutheißen mochte, hier einige Anmerkungen: Zunächst ist es wohlfeil zu behaupten, die PKV picke sich die Rosinen aus dem [...] mehr...

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Der Zusatzbeitrag

Die knapp 200 Krankenkassen in Deutschland bekommen aus dem inzwischen eingeführten Gesundheitsfonds für jedes Jahr eine feste Summe zugeteilt. Diese wird nach komplizierten Regeln ermittelt - unter anderem danach, wieviel Gesunde oder Kranke die Kasse versichert. Kommt die Kasse mit der zugeteilten Summe nicht aus, muss sie direkt bei ihren Mitgliedern zusätzliches Geld eintreiben, den sogenannten Zusatzbeitrag.

Er darf, wenn er über acht Euro beträgt, höchstens ein Prozent des Einkommens ausmachen. Ein Rentner mit 1100 Euro im Monat muss also maximal elf Euro zahlen. Der Zusatzbeitrag muss den Mitgliedern vier Wochen im Voraus angekündigt werden. Diese haben dann ein sofortiges Sonderkündigungsrecht. Hat die Kasse dagegen aus ihrer Zuteilung aus dem Fonds Geld übrig, darf sie ihren Mitgliedern eine Prämie ausschütten. AP






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