Wirtschaft



ThemaGesundheitssystemRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
26.01.2010
 

Krankenkassen

Kartellamt prüft Beschwerden gegen Zusatzbeitrag

Versichertenkarte (Symbolbild): Pauschalbeitrag von acht Euro monatlich geplantZur Großansicht
ddp

Versichertenkarte (Symbolbild): Pauschalbeitrag von acht Euro monatlich geplant

Die geplanten Zusatzbeiträge mehrerer gesetzlicher Krankenkassen beschäftigen das Bundeskartellamt. Es lägen bereits zahlreiche Beschwerden von Verbrauchern vor, so die Behörde. Auch Kanzlerin Angela Merkel kritisierte die angekündigte Pauschale.

Stuttgart - "Wir beschäftigen uns mit dem Vorgang", sagte ein Sprecher des Bundeskartellamts Berichten der "Stuttgarter Nachrichten" und der "Kölnischen Rundschau" zufolge.

Der Behörde lägen Beschwerden von Verbrauchern vor, die geprüft würden. Grundsätzlich hätten Krankenkassen als Unternehmen zu gelten und unterlägen mit einigen Ausnahmen dem Kartellrecht. Am Montag hatten mehrere Kassen Zusatzbeiträge in Höhe von pauschal acht Euro für die Versicherten angekündigt.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BdA) begrüßte dem Bericht zufolge eine kartellrechtliche Prüfung. BdA-Präsident Dieter Hundt sagte demnach, Absprachen über den Zusatzbeitrag dürfe es nicht geben. "Die Aufsichtsbehörden müssen kartellartige Verhaltensweisen von Anfang an unterbinden", betonte Hundt. Die gemeinsame Ankündigung von Zusatzbeiträgen sei "wettbewerbsfeindlich".

Auch Verbraucherschützer begrüßten das Vorgehen der Behörde. Durch die Beiträge würden die Kosten einseitig auf die Versicherten abgewälzt, sagte die Sprecherin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Evelyn Keßler. "Wenn die meisten Kassen diesem Schritt folgten, hätten die Versicherten keine Chance mehr, sich zu wehren."

Skeptische Reaktionen kamen dagegen aus der Politik. Grünen-Gesundheitsexpertin Birgitt Bender sprach dem Bericht zufolge von "Ablenkungsmanövern". Die Kassen seien durch Gesetzeslage "auf Schmalkost gesetzt" und nutzten nun ein vorgesehenes Verfahren. Auch SPD-Fachmann Karl Lauterbach gab dem kartellrechtlichen Vorgehen demnach "keine Chance auf Erfolg".

Merkel übt Kritik an gesetzlichen Krankenkassen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat einem Medienbericht zufolge die gesetzlichen Krankenkassen für ihre Ankündigung von Beitragserhöhungen überraschend scharf gerügt. "Wir werden uns genau anschauen, was die Kassen da machen", sagte Merkel nach Informationen des "Handelsblatts" am Dienstag in der Sitzung der CDU/CSU-Fraktion. "In anderen Fällen wäre das ein Fall für das Kartellamt", so die Kanzlerin laut Teilnehmern weiter.

Merkel habe insbesondere Unverständnis dafür gezeigt, dass gleich mehrere Kassen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hätten, die Beiträge um acht Euro anzuheben, obwohl die Situation der Kassen, vor allem ihre Rücklagen, sehr unterschiedlich seien.

Kritisch habe sich Merkel auch mit Äußerungen ihres Gesundheitsministers Philipp Rösler (FDP) auseinandergesetzt. Es habe keinen Sinn, immer wieder mit Vorschlägen für die Einführung einer Kopfpauschale voranzupreschen, sagte Merkel laut Teilnehmern. Die Kanzlerin habe auf die Regeln zur Schuldenbremse verwiesen, die 2011 greifen würden. "Dann soll Herr Rösler mal schauen, wie er das haushaltsneutral hinbekommt."

jok/dpa/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 1146 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
14.03.2010 von zahlenmeister:

Es gibt in Deutschland ebenso wenig wie in den NL ein Gestz, das eine AU bereits am erstenTag der Erkrankung vorschreibt. Das Gesetz (Entgeltfortzahlungsgesetz) scheibt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung durch [...] mehr...

27.02.2010 von oldrag: Gips nicht

Es bedürfte überhaupt keiner Überwachung, wenn sicher wäre, dass sich jeder an die Regeln halten würde. Eine derartige Einstellung des Menschen hat die Evolution leider nicht mehr hingekriegt. mehr...

27.02.2010 von oldrag: der Käufer zahlt alles

Wir brauchen also ein Gesetz, das die "Käufer" verpflichtet die durch gestiegene Kosten erhöhten Preise zu bezahlen, koste es was es wolle. mehr...

26.02.2010 von jinky:

Das ist völlig unbestritten. Mir ging es nur um eins: wenn die Krankenkassenbeiträge um einen Prozentpunkt steigen, steigen (jedenfalls im System der "paritätischen" Finanzierung, wobei "paritätisch" in [...] mehr...

26.02.2010 von Silverhair: Wirtschaft Teil 2

Vielleicht ist es ja mal aufgefallen was die EU bei der Schweine Grippe äusserte. Nämlich das man befürchtungen hätte das ein "Zuhausebleiben" der AN jeden Tag über 20 Mrd. Ausfall kosten könnte, und das natürlich [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Gesundheitssystem

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der Zusatzbeitrag

Die knapp 200 Krankenkassen in Deutschland bekommen aus dem inzwischen eingeführten Gesundheitsfonds für jedes Jahr eine feste Summe zugeteilt. Diese wird nach komplizierten Regeln ermittelt - unter anderem danach, wieviel Gesunde oder Kranke die Kasse versichert. Kommt die Kasse mit der zugeteilten Summe nicht aus, muss sie direkt bei ihren Mitgliedern zusätzliches Geld eintreiben, den sogenannten Zusatzbeitrag.

Er darf, wenn er über acht Euro beträgt, höchstens ein Prozent des Einkommens ausmachen. Ein Rentner mit 1100 Euro im Monat muss also maximal elf Euro zahlen. Der Zusatzbeitrag muss den Mitgliedern vier Wochen im Voraus angekündigt werden. Diese haben dann ein sofortiges Sonderkündigungsrecht. Hat die Kasse dagegen aus ihrer Zuteilung aus dem Fonds Geld übrig, darf sie ihren Mitgliedern eine Prämie ausschütten. AP


Schwarz-gelbe Gesundheitspläne

Die Gesundheitspolitik erwies sich als einer der Knackpunkte in den Koalitionsverhandlungen von Union und FDP. Bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen haben sich die künftigen Koalitionäre nun auf eine grundlegende Neuordnung verständigt - ein Überblick.

Krankenkassen

Praxisgebühr

Private Krankenversicherung

Elektronische Gesundheitskarte

Ärztehonorare

Ärztemangel





TOP



TOP