Davos - Rund 2500 Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft treffen in Davos zusammen, darunter der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Zu dem fünftägigen Treffen im schweizerischen Nobelskiort haben sich zum 40. Mal die Reichen und Mächtigen dieser Welt versammelt, um über die drängenden Probleme zu beraten. Zentrales Thema werden die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sein. Aber auch die Erdbebenkatastrophe in Haiti soll Gegenstand der Konferenz sein. Das Motto dieses Jahr: "Den Zustand der Welt verbessern: überdenken, umgestalten, erneuern".
Am ersten Tag des Treffens ging es um die Risiken einer ungleichgewichtigen Erholung der Weltwirtschaft, die von dem Boom in China angetrieben und der Arbeitslosigkeit in vielen Industrieländern gebremst wird. Trotz hoher Arbeitslosigkeit sehen sich die Regierungen vieler Industriestaaten in diesem Jahr gezwungen, sich schrittweise wieder aus den massiven Stützungshilfen für Banken und Konjunkturprogramme zurückzuziehen.
"China allein kann nicht der einzige Motor des globalen Wirtschaftswachstums sein", warnte Nouriel Roubini, Finanzwissenschaftsprofessor an der Universität New York, der wegen der Vorhersage der aktuellen Krise bekannt wurde. In der ersten Jahreshälfte werden nach seinen Worten noch die Folgen der staatlichen Stimulierungshilfen zu spüren sein. "In der zweiten Jahreshälfte wird man einen Niedergang in den USA, Europa und Japan sehen."
"Begrenzungen führen in die Irre"
Roubini, der wegen seiner düsteren Lagebeurteilung einst den Beinamen "Dr. Doom" (Dr. Untergang) erhielt, sah trotz der weiter andauernden Spannungen auf den Finanzmärkten auch Grund für Optimismus. Die Pläne von US-Präsident Barack Obama zur Bankenregulierung "gehen endlich in die richtige Richtung", sagte er. "Sie reichen aber nicht aus." Ein "Business as usual" dürfe es nicht geben.
Dagegen erklärte der Vorstandschef der britischen Standard Chartered Bank, Peter Sands, die Finanzindustrie sei aufgrund der verschärften Regulierung und Überwachung "von Grund auf umgewandelt worden". Er warnte davor, dass die Staaten durch eine Überregulierung in der Privatwirtschaft das Wachstum lähmten. Er sprach sich für einen Mittelweg aus.
In gleichem Tenor äußerte sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: "Am Ende könnten wir alle die Verlierer sein, wenn wir keine effizienten Märkte mehr haben", warnte der Manager. Solche "Begrenzungen führen in die Irre", da sie nur die Gefahr erhöhten, dass manche Anbieter in unregulierte Kapitalmärkte flüchteten. Dadurch sei am Ende die gesamte globale Wirtschaft gefährdet.
Unternehmenschefs optimistischer
US-Präsident Barack Obama hatte vergangene Woche angekündigt, das Geschäft von Banken begrenzen zu wollen. Vor allem den oftmals riskanten Eigenhandel der Institute will er verbieten. Zudem sollen die Häuser keine Hedgefonds mehr fördern oder besitzen dürfen. Ackermann betonte, eine solche Vorschrift führe nur dazu, dass am Markt wieder verstärkt kleinere Spieler entstünden, die die zunehmend weltumspannenden Handelsbedürfnisse der Firmen nicht befriedigen könnten. Zudem warnte er vor Alleingängen der Regierungen bei der Regulierung. "Wenn jedes Land dieser Welt eigene Vorschriften erlässt, schafft das mehr Komplexität, und die Aufsicht über Finanzinstitute wird erschwert."
Insgesamt beurteilen die Unternehmensführer die Lage aber wieder etwas optimistischer. 31 Prozent der von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers befragten Vorstandsvorsitzenden aus 52 Ländern beurteilen die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr sogar als "sehr optimistisch". Die Zuversicht sei in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien aber weitaus ausgeprägter als in den Industrieländern, teilte PriceWaterhouseCoopers mit. Dies gelte auch für die Aussagen zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Zwar hätten 40 Prozent aller befragten Vorstandsvorsitzenden erklärt, sie planten Neueinstellungen, die Aussichten seien in den 52 untersuchten Ländern aber höchst unterschiedlich.
mik/dpa-AFX/Reuters/apn
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