Davos - Der Vorschlag von US-Präsident Barack Obama für eine härtere Regulierung von Banken hat zu Beginn des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos einen weiteren Unterstützer gefunden: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy prangerte in seiner Eröffnungsrede die Auswüchse des Finanzkapitalismus an und rief zu einem Umbau des Finanz- und Währungssystems auf.
Sarkozy sagte, er stimme mit Obama darin überein, dass etwa die Banken von unmäßigen Spekulationen oder dubiosen Finanzgeschäften abgebracht werden müssten. Dazu könnte auch eine stärkere Besteuerung gehören. "Diese Debatte kann aber nicht auf ein einzelnes Land begrenzt sein, wie groß auch immer sein Gewicht in der weltweiten Finanzwelt sei."
Nach Ansicht Sarkozys gehört dieses Thema in die Gruppe der G20, in der Industrie- und Schwellenländer versammelt sind. Frankreich, das im kommenden Jahr dessen Vorsitz übernimmt, werde "ein neues Bretton Woods" anregen, sagte Sarkozy weiter. "Die Unruhe auf dem Währungsmarkt darf nicht weiter aufrecht gehalten werden."
Der Staatspräsident rief die Welt dazu auf, "gemeinsam Lehren aus der Krise zu ziehen". Ohne die Intervention der Regierungen wäre alles zusammengebrochen. "Aus den Ereignissen, die vor einem Jahr aufgetreten sind, nicht die Schlussfolgerung zu ziehen, dass wir uns ändern müssen, wäre unverantwortlich", sagte der er . Es handele sich immerhin um eine "Krise der Globalisierung". Da es zum Kapitalismus aber keine Alternative gebe, müsse man sich fragen, welchen Kapitalismus man sich wünsche. Dies kann nach Ansicht Sarkozys nur ein marktwirtschaftlicher Kapitalismus sein. Ein Teil des Publikums feierte den französischen Präsidenten mit stehenden Ovationen.
Zuvor hatte sich bereits Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), positiv zu den US-Plänen geäußert, die unter anderem eine Begrenzung der Größe einzelner Geldinstitute vorsehen (siehe Kasten links). Kritik kam erwartungsgemäß von den Banken: Würden Finanzinstitute durch neue Vorschriften in ihrer Größe beschränkt, werde das neue Finanzkrisen nicht verhindern, sagte etwa der Chef der britischen Barclays-Bank, Robert Diamond.
Wirtschaftsprognose besser als 2009
Eine traditionell vor dem Treffen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) vorgelegte Umfrage in 54 Ländern zeigt, dass zwei Drittel von 1200 weltweit befragten Spitzenmanagern bessere Wirtschaftsaussichten in diesem Jahr erwarten. Danach setzen die Unternehmen wieder auf Aufschwung.
Von den von PWC befragten Firmenchefs blicken 81 Prozent wieder optimistischer in die Zukunft, nur 16 Prozent gaben an, dass sie pessimistisch bleiben - ein deutlicher Unterschied zum vergangenen Jahr. Rund 90 Prozent glauben an ein Wirtschaftswachstum innerhalb der kommenden drei Jahre. Zwar will noch immer ein Viertel der Unternehmensführer Arbeitsplätze abbauen, doch fast 40 Prozent planen Aufstockungen. Unter den deutschen Unternehmensführern denken aber nur 27 Prozent der Befragten an die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Etwa 40 Prozent erwarten weiterhin einen Stellenabbau.
Zwar steht die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise im Zentrum der Diskussionen auf dem Treffen in Davos, doch etwa 2500 Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft wollen bis Sonntag auch über die politischen Brennpunkte wie die Lage nach dem schweren Erdbeben auf Haiti diskutieren. Die Veranstaltung steht unter dem Motto "Den Zustand der Welt verbessern: überdenken, umgestalten, erneuern".
Erwartet werden neben Sarkozy noch rund 30 Staats- und Regierungschefs und über 60 Minister. Besonders die US-amerikanische Politprominenz macht sich rar - nur Wirtschaftsberater Lawrence Summers hat zugesagt. Aus Deutschland werden von der Regierung Außenminister Guido Westerwelle (FDP), Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sowie Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erwartet.
can/dpa/AFP
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