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03.02.2010
 

GfK-Ausblick

Experten prophezeien Komsumflaute

Schaufensterpuppe: Schlechte Aussichten für den KonsumZur Großansicht
ddp

Schaufensterpuppe: Schlechte Aussichten für den Konsum

Deutschlands Wirtschaft wächst wieder leicht - doch es drohen Rückschläge: Die Gesellschaft für Konsumforschung erwartet für 2010 eine Stagnation des privaten Konsums. Laut einer Studie steht der deutsche Mittelstand zudem vor einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen.

Nürnberg - Angst hat bisweilen ernste wirtschaftliche Folgen: Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) etwa würgt die Angst vieler Deutscher, durch die Krise ihren Job zu verlieren, derzeit den Konsum ab: Die Experten rechneten daher damit, dass die Zahl der privaten Einkäufe in diesem Jahr stagniert, hieß es am Mittwoch auf einer GfK-Tagung in Nürnberg.

Die Einschränkungen beim Konsum werden ihrer Einschätzung nach in der zweiten Jahreshälfte zum Tragen kommen. Der drohende Anstieg der Arbeitslosigkeit lasse die Verbraucher nicht nur weniger ausgeben, sie legten zugleich auch mehr Geld für schlechte Zeiten zurück - obwohl höheres Kindergeld und die verbesserte Absetzbarkeit von Krankenversicherungsbeiträgen sie entlasteten. Dieses "Vorsichtssparen" beeinträchtige den Konsum.

Tatsächlich steht Deutschlands Jobmarkt auf der Kippe: "Die Möglichkeit der Betriebe, über flexible Arbeitszeiten die Unterauslastung ihrer Mitarbeiter auszugleichen, ist inzwischen weitgehend ausgeschöpft", hatte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Dienstag mitgeteilt.

Für den Arbeitsmarkt ist das ein bedrohliches Signal: Konjunkturexperten erwarten, dass die Wirtschaft sich nur sehr langsam erholen wird. Da die Kurzarbeit laut IAB an ihre Grenzen stößt, könnte die Zahl der Erwerbslosen in den kommenden Monaten deutlich ansteigen.

16 Prozent mehr Firmenpleiten 2009

Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass überdurchschnittlich viele Unternehmen Insolvenz anmelden. Wie die Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte, kletterte die Zahl der Firmeninsolvenzen im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf gut 34.300 Fälle.

In Westeuropa traten 185.000 Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht an, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Den stärksten Anstieg verzeichneten dabei Spanien und Irland, wo sich die Firmenpleiten nahezu verdoppelten.

Vor allem der Mittelstand steht einer Studie zufolge vor einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen. Zwar erwarteten die Firmen eine Besserung der Wirtschaftslage, teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young am Mittwoch zu ihrer Umfrage unter 3000 Unternehmen mit. Im Schnitt wird das Ende der Krise für Juni 2011 vorausgesagt, die Hälfte erwartet sogar schon für dieses Jahr wieder einen Aufschwung.

Das reiche aber nicht aus, um einen Anstieg der Pleiten zu verhindern. "Es wird noch mindestens zwei Jahre dauern, bis wir beim Produktionsvolumen wieder auf dem Stand vor der Krise sind", sagte Ernst & Young-Experte Peter Englisch. "Eine solche Unterauslastung der Kapazitäten beschleunigt die Marktbereinigung."

Jedes zehnte Unternehmen vor existentiellen Problemen

Bei jedem zehnten Unternehmen könnte das Ausbleiben eines nachhaltigen Aufschwungs zu existentiellen Problemen führen. In Ostdeutschland sei sogar jede sechste Firma gefährdet. Das könnte auch bisher gesunde Unternehmen in Schwierigkeiten bringen, sagte Englisch. "Forderungsausfälle können durchaus zu existenzbedrohenden Situationen führen."

Dazu komme die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. "Wer schon vor der Krise Probleme hatte, kann jetzt kaum noch auf Entgegenkommen von Seiten der Banken hoffen. Die Banken sind bei der Kreditvergabe zu Recht sehr vorsichtig geworden."

Die Deutsche Bank will mittelständischen Firmen mit einem speziellen Fonds Eigenkapital zur Verfügung stellen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte die Fonds-Idee im Dezember beim Konjunkturgipfel im Kanzleramt als Reaktion auf die Kritik an einer zögerlichen Kreditvergabepolitik der Institute vorgebracht. Die Industrie hatte das Volumen von 300 Millionen Euro aber als nicht ausreichend bezeichnet.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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