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08.02.2010
 

Tarifverhandlungen

IG Metall gibt Arbeitsplatzsicherung den Vorrang

Edelstahl-Gießerei: "Wir können nicht immer dieselben Antworten geben"Zur Großansicht
DPA

Edelstahl-Gießerei: "Wir können nicht immer dieselben Antworten geben"

Der Schrecken der vorangegangenen Rezessionsmonate sitzt tief: Die IG Metall will deshalb bei den anstehenden Tarifverhandlungen auf die übliche Kampfrhetorik verzichten. Die Sicherung von Arbeitsplätzen soll dagegen im Mittelpunkt stehen.

Frankfurt am Main - Angesichts der dramatischen Konjunkturkrise setzt die IG Metall in der anstehenden Tarifrunde für die deutsche Schlüsselindustrie anstelle von Lohnerhöhungen auf die Sicherung von Arbeitsplätzen. "Jetzt geht es darum, dass die Krise nicht zur Katastrophe für die Arbeitsplätze wird", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber der Tageszeitung "Die Welt".

Der Gewerkschafter will mit den Arbeitgebern für die rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ein Jobpaket bis 2012 vereinbaren. Die Entgelt-Tarifverträge laufen zwar erst Ende April aus. Doch nach mehreren Sondierungsgesprächen in den Bezirken will die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern bereits in den kommenden Wochen Regelungen zur Beschäftigungssicherung finden und dabei auf die üblichen Rituale der Konfrontation verzichten. Nach Möglichkeit sollen dabei auch Lohn- und Gehaltszuwächse herauskommen.

"Wir brauchen neue Lösungen, wir können nicht immer dieselben Antworten geben", sagte der Gewerkschaftschef. Eine Nullrunde lehnte Huber ab und erklärte, die Beschäftigten wollten eine Reallohnsicherung, entweder als lineare Erhöhung mit kurzer Laufzeit oder als Einmalbetrag. Auf eine konkrete Zahl wird die IG-Metall-Spitze, die am Dienstag in Frankfurt am Main über die vorgezogene Tarifrunde entscheidet, wohl erstmals verzichten.

Absenkung der Arbeitszeit auf bis zu 26 Stunden

Kernpunkt des IG-Metall-Jobpakets ist eine tarifliche Kurzarbeit für Betriebe, die sich die konjunkturelle Kurzarbeit nicht mehr leisten können. Die IG Metall bietet den Arbeitgebern eine Absenkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 28 bis 26 Stunden an, wenn diese einen Teil des Lohnausfalls ausgleichen. Von der Bundesregierung verlangt die Gewerkschaft, den Teillohnausgleich befristet beitragsfrei zu stellen.

Bereits am Donnerstag sprachen sich unter anderem die einflussreichen IG-Metall-Bezirke Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen für eine vorgezogene Tarifrunde aus, um rasch über das Jobpaket zu verhandeln. In Baden-Württemberg erwartet die Gewerkschaft ein Verhandlungsergebnis schon Ende Februar.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hatte sich bislang offen für die Vorschläge der IG Metall zur Beschäftigungssicherung gezeigt, zusätzliche Kosten aber abgelehnt. Ausführlich will sich der Verband nach der IG-Metall-Vorstandssitzung am Dienstag äußern. Tarifrituale wären der dramatischen Lage aber keinesfalls angemessen, sagte ein Sprecher am Montag auf Anfrage. Auftragseingänge und die Produktion müssten um 35 Prozent wachsen, um den Vorkrisenstand zu erreichen. Huber sprach von der schwierigsten Situation seit der Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren. Die Gewerkschaft befürchtet ohne Gegenmaßnahmen dieses Jahr den Verlust von bis zu 700.000 Arbeitsplätzen.

Staatliche Unterstützung gefordert

Laut Huber ist auch die Bundesregierung gefragt: "Ohne die Politik können wir das nicht tariflich durchstehen, ganz einfach, weil unsere Kollegen finanziell an Grenzen stoßen", sagte der Gewerkschaftschef, und forderte erneut, die Erstattung der Sozialbeiträge bei der Kurzarbeit bis Mitte 2012 zu verlängern. Entlassungen wären für den Sozialstaat die teuerste aller Varianten, mahnte Huber. Es gehe um eine Überbrückungszeit für die Industrie, die Deutschland den Wohlstand gebracht habe.

Das Bundesarbeitsministerium erklärte allerdings, es sehe derzeit keinen gesetzlichen Handlungsbedarf. Es gebe bereits ausreichend Spielraum für Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung, sagte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage.

mik/apn

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