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10.02.2010
 

Streit über Arzneipreise

Rösler droht Pharmaindustrie mit Spardiktat

Arzneimittel: Experten sehen ein enormes EinsparpotentialZur Großansicht
ddp

Arzneimittel: Experten sehen ein enormes Einsparpotential

Gesundheitsminister Rösler dreht bei: Der FDP-Politiker plant deutliche Kostensenkungen bei Medikamenten. Er versprach, die "Arzneimittelpreise dauerhaft in den Griff zu bekommen" - und weicht damit von der pharmafreundlichen Linie seiner Partei ab.

Berlin - Im Allgemeinen gelten die Liberalen als pharmafreundlich, doch vorerst dürfte es mit der Harmonie vorbei sein: Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat deutliche Kostensenkungen bei Arzneimitteln angekündigt. "Wir werden als Gesundheitsministerium ein abgestimmtes Konzept vorlegen, um Arzneimittelpreise dauerhaft in den Griff zu bekommen", sagte Rösler. Dies gelte gerade auch für innovative, besonders teure Arzneimittel. Dabei werde die Kosten-Nutzen-Bewertung eine Rolle spielen.

Bisher hatte sich Rösler kaum zum Thema Kosten geäußert. Traditionell steht die FDP Ärzten, Apothekern und auch der Pharmaindustrie nahe, so dass Einsparungen im Gesundheitswesen nicht zu ihren Kernanliegen gehören. Im Gegenteil: Die Liberalen waren maßgeblich daran beteiligt, den pharmakritischen Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Peter Sawicki, aus dem Amt zu drängen. Immer wieder streitet die schwarz-gelbe Koalition über eine Gesundheitsreform. Dabei geht es aber stets nur um die Einnahmeseite - ohne dass bei den Ausgaben gespart würde.

Diesen Kurs gibt die FDP nun offenbar auf - und folgt damit dem einhelligen Rat unabhängiger Experten. Sie sehen vor allem im Pharmabereich enormes Einsparpotential. Neben den Krankenhäusern und den niedergelassenen Ärzten sind Arzneimittel der dritte große Kostenblock im deutschen Gesundheitswesen (siehe Kasten in der linken Spalte).

"Wir haben uns über Preissenkungen unterhalten"

Rösler hatte sich am Mittwoch in Berlin mit Spitzenleuten der gesetzlichen Krankenversicherung getroffen. Die Kassenvertreter hätten konkrete Sparvorschläge für den Arzneimittelbereich gemacht, sagte Rösler im Anschluss.

Der Chef des Ersatzkassenverbands, Thomas Ballast, sagte: "Es ist jetzt an der Politik, diesen Diskussionsprozess zu Ende zu führen und die Vorschläge auch aufzugreifen." Der Vizevorsitzende des Kassenspitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, sagte: "Wir hoffen, dass wir überzeugend genug waren, dass unsere Vorschläge jetzt aufgenommen werden."

Im Einzelnen geht es vor allem darum, dass die Pharmahersteller für neue Mittel die Preise nicht mehr frei festsetzen sollen. Die Kassen votierten außerdem für einen höheren gesetzlichen Herstellerrabatt sowie für eine niedrigere Mehrwertsteuer auf Arzneimittel. Nach ihrer Ansicht soll der Mehrwertsteuersatz von 19 auf sieben Prozent sinken. Die Ermäßigung könne die Kosten im Gesundheitswesen um 2,8 bis drei Milliarden Euro drücken.

Rösler sagte nach dem Treffen mit den Kassenvertretern: "Wir haben uns über Preissenkungen und -stabilisierungen unterhalten."

Allerdings ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Denn auch die Lobbyisten der anderen Seite sollen gehört werden: In den kommenden Wochen will sich Rösler mit Vertretern der Pharmaindustrie treffen.

wal/dpa/apn/Reuters

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16.09.2010 von Krassopateras:

Na dann erzählen Sie mal wieviel Sie einzahlen. Vermutlich hatte ich in meiner aktiven Zeit wesentlich mehr eingezahlt. mehr...

16.09.2010 von Neuer Debattierer:

Quatsch,die Ärzte streiken nicht für den Erhalt der Hausverträge, denn die will niemand abschaffen. Die Ärzte streiken dagegen, dass die Honorare in den Hausarztverträgen nicht stärker steigen sollen als die allgemeine [...] mehr...

16.09.2010 von Neuer Debattierer:

Das ist doch gar nicht der entscheidende Punkt. Es geht darum, dass von Ärzteseite ständig suggeriert wird, die Kassenärzte müssten in vielen Regionen mit weniger Honorar auskommen als vor der Reform 2009. Tatsächlich [...] mehr...

16.09.2010 von pigmentosa: komisch

wenn es den Ärzten so schlecht geht, warum studieren dann so viele für diesen Beruf?? Niemand zwingst sie. Wenn nicht die Bevölkerung in Jahrzehnten so erzogen worden wäre, bei jeder Kleinigkeit [...] mehr...

16.09.2010 von Jurist45_: Tränen, nichts als Tränen

Natürlich ist er das nicht, aber was sagen Sie den Krankenschwestern? Geht es denen anders? Erzählen Sie DENEN mal was von 90.000€! Richtig! Deswegen haben Sie auch Verantwortung - den Menschen gegenüber. Genauso wie die [...] mehr...

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Der Gesundheitsfonds

In den Gesundheitsfonds fließen alle Beiträge der 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten. Für die rund 150 gesetzlichen Kassen setzt die Bundesregierung seit 2009 einen einheitlichen Beitragssatz fest. Zum 1. Januar 2011 wurde er von 14,9 Prozent auf 15,5 Prozent des Bruttolohns erhöht. Die Arbeitnehmer zahlen davon 8,2 Prozent. Der Anteil der Arbeitgeber wurde unabhängig von künftigen Beitragserhöhungen auf 7,3 Prozent eingefroren.

Aus den Einnahmen des Fonds wird den Kassen das Geld dann zugewiesen. Das Volumen ist für ein Jahr im Voraus fixiert. 2011 bekommen sie 178,9 Milliarden Euro. Für jeden Versicherten erhalten die Kassen je nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand Zu- und Abschläge. Krankenkassen mit älteren und kranken Versicherten erhalten mehr Geld als Kassen mit einer Vielzahl an jungen und gesunden Versicherten.

Erzielen die Kassen einen Überschuss, können sie eine Prämie an ihre Versicherten ausschütten. Die Entscheidung über deren Höhe und den Zeitpunkt der Ausschüttung, monatlich oder jährlich, bleibt der Kasse überlassen.

Kassen, die mit den zugeteilten Mitteln nicht auskommen, dürfen einen Zusatzbeitrag verlangen. Er wird vom Versicherten als feste Summe gezahlt. Theoretisch können die Kassen die Zusatzbeiträge in beliebiger Höhe festsetzen. Mitglieder haben aber ein Sonderkündigungsrecht, wenn Zusatzbeiträge erhoben oder erhöht werden, und können zu einer günstigeren Kasse wechseln.

Die bisherigen Gesundheitsreformen

1977: Die Kürzungen beginnen

Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.

1983: Auch die Rentner müssen zahlen

1989: Der erste Rundumschlag

1993: Die Leistungen werden budgetiert

1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen

1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau

2004: SPD und Union bitten zur Kasse

2005: Paritätische Finanzierung am Ende

2009: Der Gesundheitsfonds kommt






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