Hamburg - Eine konkrete Zahl nennt Klaus Gehrig nicht - doch sein Anliegen formuliert der Lidl-Aufsichtsratschef unmissverständlich: "Wir teilen Ihre Auffassung, dass im Einzelhandel unbedingt Mindestlöhne eingeführt werden müssen", schreibt Gehrig, der auch Chef der Lidl-Muttergesellschaft Schwarz Unternehmenstreuhand ist, in einem Brief an den Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel. "Damit würde die Möglichkeit und der Missbrauch von Lohndumping, der auch vereinzelt im Handel zu sehen ist, unterbunden."
Dass der Brief an Hickel adressiert ist, hat einen einfachen Grund: Der Professor gilt als einer der schärfsten Kritiker der Discounter-Kette. Erst kürzlich hatte er sich in einer Fernsehsendung kritisch über Lidl geäußert. Doch das Schreiben hat noch weitere Adressaten: Es wurde auch an mehrere Zeitungsredaktionen geschickt, unter anderem an die "Financial Times Deutschland" ("FTD"), die am Mittwoch daraus zitiert.
Experten werten den Brief als Versuch, das Image von Lidl aufzuwerten. Der Konzern hatte in den vergangenen Monaten immer wieder für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Unter anderem war 2009 durch Recherchen von SPIEGEL ONLINE bekannt geworden, dass Lidl im großen Stil Informationen über Krankheiten von Mitarbeitern gesammelt hatte. 2008 deckte der "Stern" auf, dass Detektive monatelang im Auftrag des Discounters in Filialen Mitarbeiter ausspioniert und intimste Details aus deren Privatleben protokolliert hatten.
Doch auch andere Einzelhändler standen immer wieder in der Kritik. Der Drogeriediscounter Schlecker etwa kündigte in Januar erst nach massiver Kritik an, keine neuen Verträge mit einer umstrittenen Leiharbeitsfirma mehr zu schließen, die laut Ver.di einen Stundenlohn von nur 6,78 Euro zahlt.
Andere Einzelhändler zeigen sich aufgeschlossen
Mit seinem Mindestlohnvorstoß heizt Lidl die Debatte um Arbeitsbedingungen im Einzelhandel neu an. Sollte sich der Vorschlag durchsetzen, wäre der Handel nach dem Bau, den Gebäudereinigern und der Abfallwirtschaft der bislang größte Wirtschaftszweig mit einer entsprechenden Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, schreibt die "Financial Times Deutschland".
In der Branche wird der Vorschlag generell gut aufgenommen - sofern die Unternehmen sich untereinander einigen. "Wir sind offen für eine tarifliche Festlegung", sagte ein Metro-Sprecher der "FTD", doch man sei dagegen, dass der Staat Lohnuntergrenzen gesetzlich verankere. "Entscheidend für die Frage, ob eine Allgemeinverbindlichkeit sinnvoll ist, ist die Höhe der Lohnuntergrenze", sagte Heribert Jöris, Geschäftsführer des Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE).
Bisher werden bei tarifgebundenen Discountern zwischen 7 und 8,70 Euro pro Stunde gezahlt. Der Lohn für einen ausgebildeten Verkäufer liegt bei 12 Euro. Der monatliche Bruttodurchschnittslohn für eine ausgebildete Vollzeitkraft beträgt laut Statistischem Bundesamt 2400 Euro.
Die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane äußerte sich zunächst vorsichtig zu dem Lidl-Vorstoß. "Wenn Lidl die Ankündigung, sich für einen Branchenmindestlohn im Handel starkzumachen ernst meint, ist das prinzipiell zu begrüßen", sagte sie der "FTD". Von einem Mindestlohn sei die Branche jedoch weit entfernt.
ssu
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Fran Walter Steinmeier begrüßt es, dass Lidl einen Mindestlohn im Handel will. Was soll denn hier für die Belegschaft nützlich sein, wenn Lidl als Vorreiter seinen bisherigen Stundenlöhne von 13 €uro und mehr absenken lassen will [...] mehr...
Ich versteh ehrlich gesagt die Aufregung nicht, als Geringfügigbeschäftigte bekomme ich 10 € die Stunde. Das ist einmalig in meiner Region! mehr...
irgendwie erinnert mich Lidl an die Google-Aktion in China. Selber spionieren und dann nach Menschenrechten bzw. Mindestlöhnen rufen, um sein Image aufzupolieren, wobei man von vorn herein weiss, dass man nichts ändern wird. mehr...
Bleibt erstmal abzuwarten, ich trau der Sache nicht. Lidl ist in erster Linie ein Unternehmen dessen einziger Zweck in der Unternehmenserhaltung und Gewinnmaximierung besteht. Und Unternehmen handeln in erster Linie zunächst [...] mehr...
Genau das ist der Sinn vom Mindestlohn. Arbeitgeber, die Arbeitnehmer 40 Stunden arbeiten lassen und diese müssen dann noch Hartz IV beantragen, werden vom Steuerzahler subventioniert. mehr...
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