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23.02.2010
 

Förderkürzung zum 1. Juli

Union und FDP kommen Solar-Lobby entgegen

Von Stefan Schultz

Solardach: Deutliche niedrigere FörderkürzungZur Großansicht
dpa

Solardach: Deutliche niedrigere Förderkürzung

Union und FDP haben sich auf ein Konzept zur Kürzung der Solarförderung geeinigt. Offiziell sinken die Hilfen für Dachanlagen zum 1. Juli um 16 Prozent - faktisch ist der Einschnitt deutlich niedriger, denn die angestrebte Novelle lässt den Unternehmen ein riesiges Schlupfloch.

Hamburg - Der Kompromiss steht: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) sowie die Fraktionsvorsitzenden von Union und FDP, Volker Kauder und Birgit Homburger, haben sich am Dienstag auf ein Paket zur Kürzung der Solarförderung geeinigt. Der Kompromiss soll am 3. März im Kabinett verabschiedet und parallel dazu in den Bundestag eingebracht werden.

Die Förderung von Sonnenstrom wird Deutschlands Verbraucher auch künftig teuer zu stehen kommen - denn der Koalitionskompromiss kommt den Solarunternehmen in zwei entscheidenden Punkten deutlich entgegen.

Erstens tritt die Förderkürzung nun erst zum 1. Juli in Kraft - drei Monate später als offiziell ursprünglich angepeilt. Umweltminister Norbert Röttgen wollte die Hilfen ursprünglich zum 1. April kappen; noch vor kurzem war eine Kürzung zum 1. Juni vorgesehen. Inoffiziell war ein Inkrafttreten der Novelle zum 1. Juli allerdings schon länger im Gespräch.

Zweitens ist die Förderkürzung für weite Teile der Branche deutlich geringer als es die Koalition kommuniziert. Laut dem aktuellen Beschluss sinken die Hilfen für Dachanlagen offiziell um 16 Prozent und die für die meisten Freiflächen um 15 Prozent.

Rechentrick drückt Solarförderung

Faktisch ist die Förderkürzung für Dachanlagen aber deutlich niedriger. Denn sie bezieht sich nur auf jenen Solarstrom, den die Anlagenbetreiber in die Energienetze einspeisen. Seit 1. Januar erhält man dafür 29,37 bis 39,14 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, wie groß die Anlage ist. Ab 1. Juli werden die Vergütungen auf 24,67 bis 32,88 Cent reduziert.

Verbraucht der Solaranlagenbetreiber seinen Strom dagegen selbst, ist sein finanzieller Nutzen deutlich größer, denn die Förderung des Eigenverbrauchs soll um acht Cent höher ausfallen.

Das bedeutet: Wer ab dem 1. Januar eine Anlage in Betrieb nimmt, die mit 39,14 Cent gefördert wird, und 30 Prozent seines Stroms selbst verbraucht, bekommt derzeit 40,23 Cent Förderung. Wer nach dem 1. Juli das gleiche tut, bekommt 3,86 Cent weniger. Das entspricht einer Förderkürzung um lediglich 9,6 Prozent - und nicht um 16 Prozent, wie die Regierung angibt. Der Satz wird für die kommenden 20 Jahre garantiert.

Ein Eigenverbrauch von 30 Prozent ist eine durchaus realistische Größe: Die FDP hatte sich während der Verhandlungen mit der Union von einem Solarunternehmen die Effekte der Eigenverbrauchsregelung auf die Förderkürzung ausrechnen lassen. Das Unternehmen taxierte den durchschnittlichen Eigenverbrauch auf 30 Prozent.

Regierung kennt Solar-Schlupfloch

Entgegen einem früheren Entwurf hat die Regierung die Eigenverbrauchsklausel etwas abgemildert. Ursprünglich sollte der Vorteil sogar zehn Cent betragen. Zudem ist die Ausnahmeregel nach Angaben des unabhängigen Branchenmagazins "Photon" zunächst bis Ende 2011 befristet.

Dennoch hat die Ausnahme weit reichende Folgen: Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft werden rund 80 Prozent aller Anlagen auf Dächern gebaut. Und profitieren werden von dem Schlupfloch auch riesige Anlagen: Die Eigenverbrauchsausnahme ist nach aktuellen Stand für Anlagen mit bis zu 800 Kilowatt Leistung vorgesehen. Eine durchschnittliche Dachanlage hat eine Leistung von fünf Kilowatt - und selbst das Fußballstadion Letzigrund in Zürich kommt gerade auf 223 Kilowatt.

Das Bundesumweltministerium bestätigte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, die Förderkürzung für Solardachanlagen sei durch die Eigenverbrauchsklausel deutlich niedriger als 16 Prozent. Der Vorschlag sei vom Umweltministerium eingereicht worden, denn er biete "eine Chance zur Innovationssteigerung moderner Solarsysteme". Strom solle so vermehrt dezentral erzeugt und verbraucht, die Netze entlastet werden.

Für die Verbraucher dürfte die Solarförderung teuer bleiben

Die Portemonnaies der Verbraucher dürften dagegen deutlich weniger entlastet werden. Denn diese zahlen die Solarförderung - über Aufschläge auf ihre Stromrechnung. Und durch die Ausnahmeregel bleibt die Solarförderung, so sinnvoll sie als Anschubhilfe für die Zukunftsenergie war, wohl auch nach dem 1. Juli teuer. Dafür gibt es zwei Hauptgründe:

Durch die Eigenverbrauchs-Klausel können die Solarunternehmen ihren Kunden den Bau von Dachanlagen weiter schmackhaft machen. Es ist davon auszugehen, dass der Zubau weiter steigt - und damit die Zahl der Anlagen, die die kommenden 20 Jahre lang besonders stark gefördert werden. Der Markt könnte also trotz zusätzlichen Einschnitten noch immer schneller wachsen als die Förderung sinkt.

Wer seinen Solarstrom selbst verbraucht, zahlt zudem keine Öko-Zuschlag. Auf jede Kilowattstunde gekauften Strom werden derzeit rund zwei Cent EEG-Umlage gezahlt, laut Jahresprognose zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz macht allein die Solar-Förderung davon gut ein Viertel aus. Wer aufgrund der höheren Eigenverbrauchsförderung weniger Strom kauft, beteiligt sich somit weniger an den Kosten, die er selbst verursacht.

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insgesamt 15 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
24.02.2010 von sibarita: pro Solar

Da sieht man mal wie die Atom/Großkraftwerk - Lobby mit der öffentlichen Meinung und unseren Politikern spielt. Ich lese die ganze Zeit Subvention. Dabei wird bei der Photovoltaik Solarstromeinspeisung nichts subventioniert! Es [...] mehr...

24.02.2010 von benotto: Spiegel und die EE's

Es stimmt ich finde es zum .... wie der Spiegel sich mit den EE's auseinandersetzt. Dazu gab es in letzter Zeit auch ganzseitige Anzeigen der Braunkohlelobby. Da kann man sich auch mal die Frage nach der unabhängigkeit des [...] mehr...

23.02.2010 von cha cha: die Aust-Schule

Das ist noch die gute alte Aust-Schule. Zwar ist Aust mittlerweile geschasst worden, aber ein paar Schreiber beim Spiegel haben das offenbar noch nicht mitgekriegt. Aus war berühmt für seine Voreingenommenheit gegenüber EE, und [...] mehr...

23.02.2010 von gunnar.kaestle: Lerninvestition

http://www.vimentis.ch/d/lexikon/501/Erfahrungskurve.html Die Kostendegression einer Erfahrungskurve lässt sich nicht durch Forschung realisieren, sondern nur durch kumulierte Produktion. Die Lerninvestition ist der [...] mehr...

23.02.2010 von HansiHansenHans: Spende gefällligst?

Wenn die Spende groß genug ist von der Solar-Lobby. Dann bekommt sie von der CDU/FDP was sie wollen. Damit es nicht so offentsichtlich aussieht ein wenig theatralik drumherum "entgegen kommen trallaala" und violá [...] mehr...

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Was Solarstrom kostet

Im Jahr 2009 gingen in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt ans Netz. Dies entspricht 3.000.000 Kilowatt. Pro Kilowatt liegt der durchschnittliche Stromertrag - konservativ gerechnet - bei 900 Kilowattstunden im Jahr. Die Vergütung laut Erneuerbare-Energien-Gesetz ist für 20 Jahre garantiert. Sie beträgt - je nach Anlagengröße - 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde. Im Durchschnitt sind es rund 36 Cent.
Um die tatsächlichen Mehrkosten des Solarstroms zu ermitteln, muss man von diesem Wert den Börsenpreis für konventionellen Strom abziehen. Aktuell liegt dieser bei etwa 5 Cent pro Kilowattstunde, in den kommenden 20 Jahren dürfte er um jährlich fünf Prozent steigen. Damit ergibt sich ein durchschnittlicher Börsenpreis von 9 Cent je Kilowattstunde. Die Differenzkosten pro Kilowattstunde belaufen sich damit auf 36 Cent minus 9 Cent, also auf 0,27 Euro.
Damit lässt sich folgende Rechnung aufstellen: 3.000.000 kW * 900 kWh/kW pro Jahr * 20 Jahre * 0,27 Euro/kWh = 14,58 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die Verbraucher müssen in den kommenden 20 Jahren mehr als 14 Milliarden Euro zahlen - wohlgemerkt: nur für die Anlagen, die 2009 ans Netz gingen. In heutigen Preisen entspricht dies einer Summe von 10,4 Milliarden Euro (bei einer großzügigen Abzinsung von jährlich vier Prozent).
Die entscheidende Größe ist dabei der Zubau neuer Solaranlagen im Jahr 2009, also 3000 Megawatt. Setzt man statt dieser tatsächlich erreichten Menge den Wert ein, den der Bundesverband Solarwirtschaft in seinen bisherigen Planungen angegeben hat - nämlich 682 Megawatt -, so ergeben sich abgezinste Gesamtkosten von lediglich 2,4 Milliarden Euro. Das heißt: Im Vergleich zur ursprünglichen Prognose müssen die Verbraucher gut viermal mehr zahlen.

Eckpunkte der Solarförderung

Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 24 April 2010)

Dachanlagen

Eigenverbrauch

Ackerflächen

Freiflächen

Deckelung ab 2011

Deckelung ab 2012






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