Wirtschaft



ThemaEuro-ZoneRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.03.2010
 

Griechenland-Krise

EU-Kommission startet Jagd auf Euro-Zocker

Proteste in Griechenland: EU geht gegen Spekulanten vorZur Großansicht
AP

Proteste in Griechenland: EU geht gegen Spekulanten vor

Die EU-Kommission holt zum Schlag gegen Spekulanten aus: Sie beordert Banker nach Brüssel, die im Verdacht stehen, mit riskanten Finanzwetten Griechenlands Schuldenkrise zu verschärfen. Auch das US-Justizministerium knöpft sich die Zocker vor.

Hamburg - Die EU-Kommission und die amerikanische Regierung erhöhen den Druck auf Spekulanten: Laut einem Bericht der "Financial Times" bestellt die EU-Kommission Großbanken ein, um ihren Handel mit Versicherungen auf griechische Staatsanleihen genau zu untersuchen. Das US-Justizministerium habe Hedgefonds aufgefordert, Unterlagen aufzubewahren, die mögliche Wetten auf den Verfall des Euros belegen, heißt es in dem Bericht weiter.

Griechenland steht am Rand der Pleite. Hedgefonds und Großbanken stehen im Verdacht, daran eine Mitschuld zu tragen. Übereinstimmenden Zeitungsberichten zufolge schüren Spekulationen mit Kreditversicherungen auf griechische Staatsanleihen, sogenannten Credit Default Swaps, Ängste vor einer Staatspleite im Süden Europas.

Mit Credit Default Swaps (CDS) sichern sich Banken und andere Investoren gegen das Risiko ab, dass Griechenland im Falle einer Pleite seine Schulden nicht zurückzahlen kann. Tatsächlich destabilisieren die Credit Default Swaps die Lage in dem verschuldeten Staat. Denn allein schon durch den massenhaften Kauf der Papiere schießt ihr Preis in die Höhe. Dies sieht dann so aus, als ob sich die reale Lage in Griechenland verschlimmert hätte - was nicht unbedingt der Fall sein muss. Der Preisanstieg wiederum alarmiert die Käufer griechischer Staatsanleihen; die Regierung in Athen bekommt Probleme, frisches Geld am Kapitalmarkt zu bekommen.

Die Aufschläge der Credit Default Swaps für griechische Staatsanleihen hatten sich im Januar und im Februar zum Teil massiv verteuert - innerhalb kurzer Zeit. Eine Abwärtsspirale setzte ein: Die Möglichkeit, dass der Staat auf seinen Schulden sitzenbleiben könnte, verschärfte die Angst am Markt, die Preise für Kreditversicherungen schossen weiter in die Höhe, noch weniger Anleger kaufen Staatsanleihen. Da Griechenland Mitglied der europäischen Währungsunion ist, destabilisierte die von Spekulanten getriebene Panik letztlich auch den Euro.

"Im schlimmsten Fall droht eine harte Regulierung"

Das Image der Finanzbranche leidet dadurch erneut. "In dem aktuellen Umfeld ist klar, dass jeder, der von dem Unglück eines anderen profitiert, sich öffentliche Kritik einhandelt", sagte Kirby Daley, Stratege beim Brokerhaus Newedge, laut "Financial Times Deutschland". "Im schlimmsten Fall droht eine harte Regulierung." Newedge ist Dienstleister für zahlreiche Hedgefonds.

Dem Zeitungsbericht zufolge will die EU-Kommission der Anti-Euro-Spekulation nun rasch auf den Grund gehen. "Wir werden bald ein entsprechendes Treffen organisieren", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission. Als möglicher Termin komme Freitag in Frage. Ziel sei, die Preismechanismen auf dem CDS-Markt und seine Verbindung zum Anleihenhandel kennenzulernen. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte diese Woche ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet.

Der Handel mit Credit Default Swaps ist für die Kontrolleure schwer nachzuvollziehen: Es gibt für ihn keine Börsen- oder Clearing-Pflicht. Die Finanzwächter in Europa und den USA diskutieren Möglichkeiten, die Branche schärfer zu kontrollieren.

Auch in den USA regt sich Widerstand gegen mögliche Panikmache an den internationalen Finanzmärkten. Laut "Financial Times" forderte das US-Justizministerium zahlreiche Hedgefonds auf, alle Unterlagen aufzubewahren, die mögliche Wetten auf eine Abwertung des Euros belegen könnten.

Das Schreiben richtet sich dem Bericht zufolge an mächtige Fonds wie Soros Fund Management, SAC Capital Advisors und Greenlight Capital. Vertreter dieser Fonds hatten Berichten zufolge am 8. Februar in Manhattan an einem Dinner teilgenommen. Thema des Treffens war den Angaben zufolge eine Abwertung des Euros - und die Krise in der europäischen Währungsunion.

Die betroffenen Hedgefonds lehnten einen Kommentar ab. Auch das Justizministerium äußerte sich nicht zu den Berichten.

ssu

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 3152 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.04.2010 von gue5003: Wahrnehmungsstörungen

Wenn man zur deutschen Geld-Elite zählt, braucht man keine Wahrnehmungsstörungen haben, da kann man einfach in Saus und Braus dahinleben. mehr...

23.04.2010 von zuhören und verstehen:

Das mag sein, dass der Gipfel des Wohlstandes überschritten wurde. Im kalten Krieg gabs auch noch Frontzulage. Allerdings war auch klar, das mit der EU die Armen reicher und die Reichen ärmer werden, weil die Lebensverhältnisse [...] mehr...

23.04.2010 von Volker Gretz:

Nein eben nicht. Das höchste Niveau hatten wir bevor Schröder und Merkel den deutschen Wohlstand mit Steuersenkungen, Privatisierungen und Sozialabbau verheizten. Jetzt haben wir nur noch das höchste Schuldeniveau und das [...] mehr...

23.04.2010 von Volker Gretz:

Haben nicht eher die Deutschen ihren Untergang beschleunigt - durch Nicht-Streiks? Wir haben es Schröder, Merkel & Co. durchgehen lassen, die Sozialsysteme zu schleifen, in 12 Jahren die Staatsverschuldung um 50% zu [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Euro-Zone

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Steckbrief: Griechenland

Schuldenquote: 112,6 Prozent des nationalen BIP

Haushaltsdefizit: 12,7 Prozent des nationalen BIP (2009)

BIP-Wachstum: -1,1 Prozent (Prognose 2009)

Anteil am BIP der Euro-Zone: 2,6 Prozent (2008)

Quelle: EU-Kommission

Kommentare zum Sparpaket

"Gott helfe uns"

"Gott helfe uns", schrieb die in Athen erscheinende konservative Zeitung "Apogevmatini". Es werde kein Geld für den Konsum geben. Nicht nur der Kleinhändler, sondern auch der Mittelstand könnte aussterben.

"Damit wir nicht bankrott gehen"

"Der Markt stirbt aus"

"Unvergesslich"

"Das Jüngste Gericht"


Darf die EU Griechenland helfen?

Griechenlands Schuldenchaos belastet den Euro - und verunsichert die Finanzmärkte. Nun diskutieren andere EU-Staaten über mögliche Hilfen für Athen. Aber welche Maßnahmen sind rechtlich überhaupt zulässig?

Wie schlecht steht es um Athens Haushalt?

Welche Soforthilfe ist möglich?

Gibt es Ausnahmeregeln?

Was kann Griechenland selbst tun?

Wer könnte noch aushelfen?

Bedroht Griechenland die Währungsunion?





TOP



TOP