Von Christian Teevs
Hamburg - Die Polizei lässt nicht lange auf sich warten. Nur zehn Minuten nach dem Anruf der Sicherheitskräfte eilen drei Hamburger Polizisten in die Filiale der HSH Nordbank. Sie nehmen die Personalien von Kirsten Brodde und einigen Reportern auf - und ziehen wieder ab.
Denn strafbar hat Brodde sich nicht gemacht, sie wollte nur einen Barscheck einlösen - 24 Euro, kein hoher Betrag. Allerdings vom Konto des Bankchefs, vom Konto von Dirk Jens Nonnenmacher. Deshalb - und wegen des Kamerateams - herrscht große Nervosität unter den Angestellten. Ein bulliger Sicherheitsmann verweist Brodde des Hauses, eine Schalterangestellte kräht durch den Raum: "Die haben hier auch gefilmt." Die Filmaufnahmen zu verwenden, wird SPIEGEL ONLINE später untersagt.
Die Aktivistin Kirsten Brodde wusste vorher, dass es Ärger geben würde. Und sie hatte auch "ein wenig Bammel davor", gibt sie zu. Aber ihr Zorn auf den Bankchef sei größer gewesen: "Herr Nonnenmacher hat einen Bonus von 2,9 Millionen Euro eingesackt, obwohl die Stadt seine Bank mit Milliarden gerettet hat. Dieses Geld fehlt nun, und die Bürger leiden darunter." Die HSH Nordbank musste vor einem Jahr von Hamburg und Schleswig-Holstein vor dem Untergang bewahrt werden - mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro und Bürgschaften in Höhe von zehn Milliarden Euro. Das hat die ohnehin desaströse Haushaltslage der Länder zusätzlich belastet.
Vor zwei Jahren Tchibo ausgetrickst
Die blonde Frau mit dem Regenbogenschal hat früher für Greenpeace gearbeitet, sie betreibt einen Blog zu Grüner Mode - und hat bereits 2008 mit einer ungewöhnlichen Aktion auf sich aufmerksam gemacht. Beim Kaffeeröster Tchibo bestellte sie T-Shirts mit der Aufschrift "Gefertigt für Hungerlöhne" und "Dieses T-Shirt hat ein Kind für Tchibo genäht". Zu ihrer Überraschung kam Tchibo der Bestellung umgehend nach, die Blamage für den Konzern war perfekt.
Der Erfolg hat Brodde Auftrieb gegeben, nach dem Kaffeekonzern hat sie nun Bankchef Nonnenmacher ins Visier genommen. "Es ist nötig, den Mächtigen auf die Pelle zu rücken", sagt sie bestimmt.
Dabei hatte sie sich eigentlich schon fast mit dem Millionenbonus für den Bankchef - Spitzname Dr. No - abgefunden. Die öffentliche Aufregung über die Sonderzahlung ebbte im Winter wieder ab. Doch dann verkündete der Hamburger Senat seine Sparpläne. Brodde sagt: "Ich habe mich durch 19 Seiten Haushaltsplan gequält und gemerkt: Das kommt dich richtig teuer zu stehen!" Kindergarten, Theater, Müll: Alles wird teurer, ohne dass die Bürger einen Mehrwert hätten.
"Geld zurück, Herr Nonnenmacher"
Auf ihrer Website sucht Brodde nun Mitstreiter für ihre Aktion "Geld zurück, Herr Nonnenmacher!". Wer mitmachen will, solle dem Bankchef einen Fahrschein schicken und die 24 Euro verlangen." Wenn jeder Hamburger, der Bus und Bahn fährt, das Geld von Nonnenmacher einfordere, müsste dieser 48 Millionen Euro zahlen. "So viel will ich aber gar nicht", sagt Brodde. "Es reicht schon, wenn er seinen Bonus an die Stadt zurückzahlt."
Doch das ist kaum zu erwarten. Nonnenmacher selbst war nicht bereit, mit SPIEGEL ONLINE über die Aktion zu sprechen. Auf Nachfrage erklärte eine Pressesprecherin schriftlich: "Natürlich können wir den Unmut der Initiatorin über die defizitäre Haushaltslage in Hamburg und die Auswirkungen auf Familien verstehen." Auf die Bank bezogen, treffe der Protest jedoch "die Sachlage nicht ganz". Man habe 2009 rund 300 Millionen Euro an Hamburg und Schleswig-Holstein gezahlt und werde in den kommenden Jahren sogar 400 Millionen Euro zahlen.
Und weiter heißt es in dem schriftlichen Statement: "Vergleichbar mit einer 'Versicherungsprämie' wird der Betrag für die uns gewährten Garantien gezahlt, ohne dass diese bislang in Anspruch genommen wurden. Zudem plant die Bank, neben den Gebühren für die Garantie ab 2012 wieder Dividende an die Länder zu zahlen."
Das Fazit der Pressesprecherin: "Bei einer wirklich fairen Betrachtung muss man feststellen, dass dies erhebliche Beträge sind, die den Ländern zufließen."
Obwohl der Schalterbeamte ihren Barscheck nicht mal entgegennehmen wollte, bezeichnet Brodde ihre Aktion als Erfolg. "Das habe ich auch gar nicht erwartet", sagt sie. "Aber vielleicht überlegt er es sich noch mal anders, wenn es mir genügend Leute nachmachen."
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Hier muss ich (leider) widersprechen. Es hilft nicht zu wissen wer im Aufsichtsrat sitzt, sondern man muss fragen wer hat welche Beschlüsse mitgetragen. AFAIK hat Lafontaine im Aufsichtsrat der IKB einigen Beschlüssen [...] mehr...
Der Staat braucht keine einzige Bank und er sollte keine haben, den er missbraucht sie nur, um Pfründe zu schaffen und das Haushaltsrecht zu umgehen. mehr...
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