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06.03.2010
 

Zwangsrabatte der Pharmaindustrie

"Keine freie Marktwirtschaft, aber solidarisch"

Jens Spahn: Der 29-Jährige ist seit 2002 Mitglied des BundestagsZur Großansicht
Jens Spahn

Jens Spahn: Der 29-Jährige ist seit 2002 Mitglied des Bundestags

Staatlich verordnete Zwangsrabatte bei Arzneimitteln - das klingt eher nach Sozialismus als nach Marktwirtschaft. Doch im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsbundestagsfraktion, Jens Spahn, warum er diesen Weg für den besten hält.

SPIEGEL ONLINE: Herr Spahn, Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sucht gerade verzweifelt nach Einsparmöglichkeiten im Gesundheitswesen. Wie lautet Ihr Vorschlag?

Spahn: Bei einem aktuellen Defizit der gesetzlichen Krankenkassen von knapp acht Milliarden Euro müssen wir dringend schauen, wo es kurzfristiges Einsparpotential gibt. Dazu muss auch die Pharmaindustrie etwas beitragen.

SPIEGEL ONLINE: In welcher Form?

Spahn: Wir stellen uns einen Pharma-Soli der Hersteller patentgeschützter Arzneimittel vor. Denn dort steigen die Ausgaben am stärksten.

SPIEGEL ONLINE: Meinen Sie einen Zwangsrabatt?

Spahn: So kann man das auch nennen. Unser Vorschlag zu unserer Klausurtagung diese Woche ist, den Herstellerrabatt per Gesetz für drei Jahre um zehn Prozent zu erhöhen. Dadurch würden die Krankenkassen eine Milliarde Euro pro Jahr sparen.

SPIEGEL ONLINE: So hat das auch schon Röslers Vorgängerin Ulla Schmidt gemacht. Klingt das für Sie nach freier Marktwirtschaft?

Spahn: Nein, aber nach Solidarität, weil es der einzige schnell wirksame Weg ist, effizient auf die Kostenbremse zu treten. Langfristig müssen wir endlich auch strukturell etwas ändern. So soll etwa die Rolle des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen gestärkt werden. Dieses überprüft den tatsächlichen Zusatznutzen von Arzneimitteln.

SPIEGEL ONLINE: Sie legen sich damit mit ihrem eigenen Klientel an. Meinen Sie, das geht gut? Die Arzneimittelhersteller werden das nicht so einfach hinnehmen.

Spahn: Unser Klientel sind die Versicherten. Und außerdem denke ich, dass diese Aufgabe gerade einer bürgerlichen Koalition gelingen kann. Denn für Sperrfeuer fehlt den Lobbyisten dieses Mal der Mitspieler in der Opposition. Deswegen konnte wahrscheinlich auch nur ein SPD-Minister die Rente mit 67 durchsetzen.

Das Interview führte Katrin Elger

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insgesamt 15 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
07.03.2010 von frau trallala: ...

Richtig. Es scheitert aber auch ein großer Teil erst sehr viel später in den klinischen Studien, zu einem Zeitpunkt, an dem längst schon viele Millionen dafür ausgegeben wurden. ---Zitat--- Das die Pharmaunternehmen [...] mehr...

07.03.2010 von stauchert: Marketing und Pharma

Halte ich für ein Gerücht. Was aber erwiesen (siehe ua die Unternehmensberichte) ist, daß das Marketing die mit Abstand größten Unkosten bei BSP ausmacht. Und ich weiß von Bekannten, daß das Geld dort bei Marketingprojekten [...] mehr...

06.03.2010 von frau trallala:

An den Unis wird hauptsächlich Grundlagenforschung betrieben und nur ein geringer Teil davon ist wirklich von Nutzen für die Pharmaindustrie. Konsequenterweise müsste man dann sowieso jeder Art von Industrie/Forschung [...] mehr...

06.03.2010 von pouy: Wer zahlt für Forschung und Entwicklung?

Klar läuft an Universitäten sehr viel, aber ein Großteil der Pharma-Forschung? Letztlich, das sollten Sie nicht vergessen, braucht man bevor ein Medikament zugelassen wird, klinische Studien, die sehr zeitaufwändig (10 Jahre?) [...] mehr...

06.03.2010 von narovon:

Natürlich forscht die Pharmaindustrie auch, aber ein Großteil der Forschung läuft bereits an den Universitäten und wird damit vom Steuerzahler bezahlt. Die Pharmafirmen greifen sich dort ab, was vielversprechend ist. Und Fakt [...] mehr...

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