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10.03.2010
 

Klamme Kommunen

Vielen Kliniken droht Privatisierung

Operation in deutscher Klinik (Archivbild): Investitionsstau von rund zehn Milliarden EuroZur Großansicht
DDP

Operation in deutscher Klinik (Archivbild): Investitionsstau von rund zehn Milliarden Euro

Für viele Kommunen wird es schwer, ihre Krankenhäuser zu behalten: Die finanzielle Lage ist häufig so angespannt, dass sich ein Verkauf der Kliniken an private Betreiber kaum vermeiden lässt. Von Ärzten und Patienten wird Widerstand erwartet.

Frankfurt - Prognosen zufolge wird 2010 rund ein Drittel aller Krankenhäuser in Deutschland rote Zahlen schreiben. Zudem fehlt vielen Kliniken seit Jahren das Geld für Renovierungen und neue Ausrüstung - das wirtschaftsnahe Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) beziffert den Investitionsstau auf rund zehn Milliarden Euro. Eine Privatisierung zahlreicher Krankenhäuser ist deshalb laut RWI kaum abwendbar.

"Der Verkauf von Kliniken wird immer Widerstand hervorrufen", sagte RWI-Gesundheitsexperte Boris Augurzky. Allerdings werde sich die Bevölkerung in der derzeitigen Lage für Privatisierungen als kleineres Übel entscheiden, wenn die Alternativen deutlich würden: "Entweder wir verkaufen das Krankenhaus oder wir machen Kindergarten und Schwimmbad dicht."

"In den Jahren 2010 und 2011 wird es eine Privatisierungswelle geben", sagte auch Commerzbank-Analyst Volker Braun. Reibungslos wird die Privatisierung wohl nicht ablaufen - Klinikverkäufe provozieren in vielen Fällen Widerstand vor Ort. "In vielen Gemeinden ist das Krankenhaus der größte Arbeitgeber, und die Patienten sind natürlich auch Wähler", so Braun. "Da muss die finanzielle Not groß sein, bis ein Krankenhaus verkauft wird."

Was Proteste bewirken können, zeigt das Beispiel Rottal-Inn. In dem bayerischen Landkreis stimmten im November in einem Bürgerentscheid fast 90 Prozent gegen die Privatisierung von drei Hospitälern und verhinderten so den geplanten Verkauf an Rhön-Klinikum.

Die Kommunen rechnen 2010 mit einem Defizit von rund zwölf Milliarden Euro - im letzten Rezessionsjahr 2003 waren es knapp vier Milliarden weniger. "Nach der letzten Rezession wurden von Mitte 2004 bis Anfang 2006 rund 50 Häuser verkauft", sagte Analyst Braun. "Diese Größenordnung erscheint mir auch für 2010 und 2011 realistisch."

Experten taxieren den deutschen Krankenhausmarkt auf 65 Milliarden Euro. Dominiert wird er neben öffentlichen Kliniken von den Privatfirmen Rhön-Klinikum, Asklepios und Helios, einer Fresenius-Tochter. Die Betreiber stehen bereit und betonen, zukaufen zu wollen. Allerdings sind sie abhängig vom Angebot - und das war in den vergangenen Jahren äußerst gering.

Große Privatkliniken drängen in den Markt

Von der Krise der Kommunen dürften vor allem Rhön-Klinikum und Helios profitieren und ihren Marktanteil von jeweils rund drei auf acht Prozent ausbauen, sagen Experten vom Bankhaus Lampe voraus. Derzeit sind 15 Prozent der Krankenhausbetten in Deutschland in privater Hand. Dieser Anteil wird sich nach Einschätzung der Analysten in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.

RWI-Gesundheitsexperten sehen in der Privatisierung Vorteile für die übernommenen Kliniken. Private Betreiber steckten in der Regel Gelder in die Modernisierung übernommener Häuser und drückten die Kosten. Für die Patienten ändere sich dagegen wenig, so Augurzky. Allerdings müssten sich Chefärzte einem Management unterordnen. "Deshalb schließen sich viele Ärzte dem Protest gegen Privatisierungen an. Sie wollen weiter ihr eigenes Ding drehen."

jok/Reuters

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