Peking - Noch wiegeln die Behörden ab. Der Preisschub im Februar sei auf das chinesische Neujahrsfest und den schweren Schneefall zurückzuführen, sagte ein Sprecher des Nationalen Statistikbüros. "Die Inflation wird in diesem Jahr mild und beherrschbar bleiben. Der Wert für März wird vermutlich tiefer liegen als im Februar."
Die Behörde reagierte damit auf besorgte Nachfragen auf die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen. Demnach ist die chinesische Inflation im Februar mit 2,7 Prozent auf ein 16-Monatshoch gestiegen.
Doch wirklich ausräumen konnte der Sprecher die Sorgen nicht. Denn auch in diesem Monat haben sich erneut die Immobilienpreise als Preistreiber erwiesen - trotz der Bemühungen der chinesischen Regierung, den Boom abzukühlen. Schon seit längerer Zeit warnen Experten vor einem Platzen der Immobilienblase. Der Hedgefonds-Manager James Chanos, der lange vor der Wall Street den groß angelegten Betrug bei der Pleitefirma Enron erkannt hatte, sieht die Volksrepublik kurz vor dem Abgrund: "Peking manipuliert die Zahlen. Das ist wie Dubai - nur tausendmal schlimmer", polterte er unlängst auf dem Fernsehsender CNBC.
Die Februar-Zahlen scheinen ihm Recht zu geben: Die Preise für Büro- und Wohnimmobilien in den 70 größten chinesischen Städten stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 10,7 Prozent und beschleunigten sich gegenüber Januar (9,5 Prozent) noch einmal spürbar. Dabei muss diese Statistik noch als geschönt bezeichnet werden, denn sie enthält auch die Wertentwicklung von subventionierten Häusern mit Mietpreisbindung, deren Preise deutlich weniger stark stiegen, ebenso wie Gewerbeimmobilien, deren Preise zum Teil sogar fielen.
Statistik verschleiert die Realität
Analysten gehen denn auch davon aus, dass eine bereinigte Statistik viel dramatischere Preissteigerungen zutage fördern würde. Gu Yungchang, Generalsekretär des chinesischen Grundeigentümerverbands, taxiert den Anstieg der durchschnittlichen Verkaufspreise im Jahresverlauf sogar auf 22 Prozent, während die Statistikbehörde den Wert bei 1,5 Prozent ansiedelt. "Als ich die Zahl gelesen habe, glaubte ich zunächst, sie hätten sich bei der Kommasetzung vertan", erklärte Gu der "Financial Times". Selbst die Statistikbehörde hätte eingeräumt, dass ihre Werte weit von der Realität des Marktes abwichen.
Der Immobilienboom ist nach Expertenschätzung auch eine Spätfolge der offensiven Konjunkturprogramme gegen die weltweite Finanzkrise. So bewilligten Chinas Banken 2009 Kredite im Wert von umgerechnet rund einer Billion Euro. 20 Prozent davon, so schätzen Experten, flossen in den Immobilienmarkt. Während sich 2009 auf der ganzen Welt Anleger wegen der Wirtschaftskrise mit Investitionen in Immobilien zurückhielten, verdoppelten sich diese Investitionen in China auf 156 Milliarden Dollar, zitiert des "Handelsblatt" aus einem Report der Maklerfirma Cushman & Wakefield.
Im gleichen Blatt warnt der frühere Asien-Chefvolkswirt der Bank Morgan Stanley, Andy Xie, davor, dass die Blase platzen werde, spätestens wenn die Inflation 2011 steige. "Der Immobilienmarkt steuert auf einen gewaltigen Zusammenbruch zu, der sich über eineinhalb Jahre hinziehen wird."
Luxusapartment für 45 Millionen Dollar
Dabei hat Peking schon einige Maßnahmen eingeleitet, um den seit fast zwei Jahren boomenden Markt etwas abzukühlen. So gilt seit neuestem eine Spekulationssteuer für Immobilien, die innerhalb von fünf Jahren weiterverkauft werden, Nachlässe auf Hypotheken-Zinsen von 15 bis 30 Prozent für Erstkäufer wurden gestrichen. Und Wohnungskäufer müssen ein Drittel des Kaufpreises direkt anzahlen, wenn sie den Vertrag unterschreiben.
Die Bestrebungen werden aber durch verschiedene Entwicklungen konterkariert. Denn viele chinesische Metropolen versuchen weiterhin intensiv, die Landbevölkerung anzulocken. Die Millionenstädte Tianjin, Hefei oder Nanjing zum Beispiel böten Interessenten Stadtbürgschaften an, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Interessenten winken viele Vorteile wie ermäßigtes Schulgeld, erleichterter Zugang zu Universitäten und eine bessere medizinische Versorgung. Dahinter stecke die Bestrebung, die Urbanisierung voranzutreiben, um die wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen.
Noch, so scheint es, sehen die Immobilienkäufer mehr Chancen als Risiken. Zumal manche Experten davor warnen, die Situation zu dramatisieren. "Es gibt ein gewisses Risiko, das es gilt, genau im Auge zu behalten", beschwichtigte Weltbank-Volkswirt Hans Timmer vor wenigen Wochen in Peking. Auch der frühere Bertelsmann-Manager und heutige Chef von Jilin Investment in Shanghai, Ekkehard Rathgeber, sieht keinen Grund für übertriebene Sorge. Es herrsche weiterhin eine relativ starke Nachfrage. "Shanghai ist nicht Düsseldorf. Hier gibt es einen ganz anderen Anspruch und auch ganz andere Möglichkeiten", sagte er der "SZ".
Wie diese "anderen Möglichkeiten" aussehen, zeigt ein Beispiel aus Shanghai: Hier steht derzeit eine Wohnung zum Verkauf, die nicht weniger als 45 Millionen Dollar kostet. Charles Tong, der den Wohnturm am Ufer des Finanzdistrikts gebaut hat, gibt sich zuversichtlich, zu diesem Preis einen Käufer zu finden. "Wir verkaufen drei oder vier Apartments dieser Art pro Monat", sagte er der "New York Times".
mik
Auf anderen Social Networks posten:
Danke! Je mehr Bürgen diese unfragbaren Fragen stellen, umso eher bekommen wir vielleicht unsere Politikdarsteller mal dazu, uns zu erzählen für wen solche Gesetze, Regelungen und Abkommen gut sein sollen (ausser sie selbst [...] mehr...
...kann mir das mal jemand erklären? Wieso kann China auf in Europa produzierte Waren so hohe Importzölle erheben dass sich nur noch die Produktion vor Ort lohnt....und die EU darf im Gegenzug nichtmal mickrigste Importzölle auf [...] mehr...
Wie kann China als WTO Mitglied hohe Einfuhrzölle auf PKW erheben? Und warum werden dann keine hohen Eifuhrzölle auf Textilien , Schuhe, Spielzeuge aus China in der EG erhoben usw um unsere Arbeitsplätze zu schützen? Schlafen [...] mehr...
Werter Diomedes, wie immer zwei exzellente Post an mich;ich brauche etwas Zeit zu antwarten;bei mir ist schon 8:30 abends und die Maedels rufen an.... hier noch ein guter Link der Sie auch heute Nacht beschaeftigen koennte [...] mehr...
ich wollte nicht alte Kamellen aufwärmen, ich denke eher so an aktuellere Naturkatastrophen und Industrieunfääle und ähnliches. Und die Art und Weise wie diese kommuniziert und dann auch effizient bewältigt werden. Beim übrigen [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Wirtschaft in China | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH