Wirtschaft



ThemaFinanzkrise ab 2007RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
16.03.2010
 

Schrottanleihen

US-Firmen sehen Pleitewelle anrollen

New Yorker Börse: Sind die Finanzmärkte mit der Refinanzierung der Rekordschulden überfordert? Zur Großansicht
AP

New Yorker Börse: Sind die Finanzmärkte mit der Refinanzierung der Rekordschulden überfordert?

Amerikas Finanzmärkten droht ein neues Beben. Ab 2012 werden laut "New York Times" Schrottanleihen im Wert von 700 Milliarden Dollar fällig. Zahlreiche Firmen brauchen dringend frisches Geld, dürften aber bei der Refinanzierung leer ausgehen. Mögliche Folge: eine Welle von Pleiten.

New York - Droht der US-Finanzbranche ein "Tag der Abrechnung"? Dieses Szenario entwirft die "New York Times": Demnach stehen insbesondere Private-Equity-Unternehmen, die sogenannten Heuschrecken, und Firmen mit schwacher Bonität vor einem massiven Schuldenproblem.

In den Jahren 2012 bis 2014 werden laut der US-Zeitung 700 Milliarden Dollar an hochverzinslichen Risikoanleihen ("junk bonds") fällig. Die Unternehmen müssen entsprechend neue Kredite aufnehmen oder Anleihen an den Märkten platzieren. Unklar sei, ob die Märkte diese immense Menge von Refinanzierungswünschen überhaupt erfüllen werden. Das bedeutet: Zahlreichen Firmen können gezwungen sein, höhere Zinsen zu zahlen. Im schlimmsten Fall droht ihnen die Pleite.

Das Schuldenproblem wird noch durch zwei weitere Faktoren verschlimmert: Auch die US-Regierung müsse 2012 1,8 Billionen Dollar für neue und fällig werdende Schulden finanzieren. Unternehmen mit guter Bonität ("investment grade") würden 2012 526 Milliarden Dollar an neuen Schulden aufnehmen müssen. Die Folge könne ein "finanzieller Tag des jüngsten Gerichts" sein, bei dem die Gläubiger mit der schlechtesten Bonität auf der Strecke bleiben.

US-Schuldenberg: Schwachen Schuldnern droht der Kredit-EntzugZur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

US-Schuldenberg: Schwachen Schuldnern droht der Kredit-Entzug

Das Problem hätte dann laut "New York Times" gravierende Auswirkungen auf die gesamte US-Wirtschaft, könnte zu steigender Arbeitslosigkeit und geringeren Konsumausgaben führen. Zudem hätten auch Privatpersonen Probleme, an neue Kredite kommen.

Die düsteren Prophezeiungen stammen nicht nur von chronischen Schwarzsehern. Sogar die Rating-Agentur Moody's, die für ihre Zurückhaltung bekannt ist, schlägt Alarm: "Ab 2012 droht eine Lawine, wenn die Firmen dieses Problem nicht gelöst bekommen", sagte Moody's-Experte Kevin Cassidy der Zeitung. Anleiheexperten sprechen von einer "maturity wall", einer "Mauer der Fälligkeit".

Dass die Unternehmen bald überhaupt so massive Probleme mit ihren Schulden bekommen dürften, liegt in der Zeit vor dem Ausbruch der Finanzkrise begründet: Vor 2007 war es für Firmen - insbesondere aus dem Private-Equity-Bereich - sehr leicht, an neues Geld zu kommen. Typischerweise werden diese Kredite aber nach fünf bis sieben Jahren fällig, also ab 2012. Dazu kommt: Viele Unternehmen, deren Kredite eigentlich 2009 und 2010 fällig wurden, konnten diese nicht zuletzt wegen massiver Staatshilfen noch einmal um zwei bis drei Jahre verlängern. Dadurch stauten sich noch mehr Schulden an.

Zahltag für Heuschrecken

Für ein "Who's Who" der Private-Equity-Firmen ist damit Zahltag, schreibt die "New York Times". Denn die "Heuschrecken" haben ihre Firmenkäufe zum Großteil über Schulden finanziert und diese Kredite dann den gekauften Unternehmen aufgebürdet - viele gelten schon jetzt als völlig überschuldet. Die Krankenhauskette HCA, gekauft von Bain Capital und Kohlberg, Kravis & Roberts (KKR), muss etwa in den Jahren 2012 bis 2014 13,3 Milliarden Dollar refinanzieren. Weitere 20,9 Milliarden Dollar werden beim KKR-Tochterunternehmen TXU fällig, einem texanischen Versorger.

Es gibt aber auch Optimisten, die darauf hinweisen, dass in den vergangenen Monaten gerade die Hochrisiko-Anleihen auf große Nachfrage gestoßen seien. Wenn das so weitergehe, könnten die Unternehmen sich refinanzieren, bevor Anleihen fällig werden, sagte Branchenexperte Martin Fridson der "New York Times": "Die Unternehmen haben zwei Jahre Zeit, um die 'maturity wall' umzuwerfen."

Neben den Firmen könnte das Refinanzierungsproblem laut "New York Times" auch die US-Regierung betreffen. Kreditwürdig bleibt die größte Volkswirtschaft der Welt natürlich, allerdings könnte die Verschuldung für die USA teurer werden. Moody's warnte am Montag davor, die Vereinigten Staaten seien einem möglichen Verlust ihres AAA-Top-Ratings "substantiell" näher gerückt.

Momentan gibt die US-Regierung bereits sieben Prozent ihrer Einnahmen dafür aus, alte Kredite zu bedienen. Laut einem Szenario von Moody's könnten es 2013 schon elf Prozent sein.

cte

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 35 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.03.2010 von Silverhair: Wachstum

Tja, vielleicht beantwortet sich diese Frage selber wenn man sich die Politik des Staates(der Parteien) anschaut. Wir rekapitulieren: Der Staat finanziert sich aus den Löhnen der Arbeitnehmer - man will ja die Unternehmen [...] mehr...

17.03.2010 von bürgerschreck: Selten so einen Unsinn gelsen

Der ROI ist eindeutig vom betrachteten Gewerk abhängig. Bei Fenstern und Türen ist er erfahrungsgemäß ehr lausig, aber es gibt Maßnahmen, wie z.B. die Isolierung von Kellerdecken oder Dachboden-Böden, die sich innerhalb weniger [...] mehr...

16.03.2010 von henningr: nun...

Ich hatte doch nicht geschrieben, dass danach keine Steuern mehr gezahlt werden, oder? Bleiben doch noch genug Schulden übrig :) mehr...

16.03.2010 von redwed09: Schwurbelnde Wähler

Was haben uns Deutschen denn die ach so freien Märkte gebracht? Die Katastrophe haben uns doch diese freien Märkte eingebracht. Eine Katastrophe mit 6 Millionen Arbeitslosen, mit Billiglöhnen von denen keiner existieren kann, [...] mehr...

16.03.2010 von janka: ...

Nein, das war kein Witz. Aber Sie kennen mein wirklich bescheidenens, altes Häuschen ja nicht. Da zieht es durch alle Ritzen. Sie scheinen vom Fach insofern glaube ich Ihnen die Analyse, was die Amortisation der Investition [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Finanzkrise ab 2007

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Krisen-ABC

Von Asset Backed Securities bis Zertifikate - alle Fremdwörter der Finanzkrise einfach erklärt:

Alle Begriffe zur Finanzkrise...


Lehren aus dem Kollaps

Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

AP
"Die Banken setzen die Lehren aus der Krise Schritt für Schritt um. Schwerpunkt dieser Reformen ist das Risikomanagement: Die gewohnten Modelle werden gründlich überarbeitet, Stresstests intensiver eingesetzt. Die Banken haben ihr Eigenkapital erhöht, die Fremdfinanzierung ihrer Geschäfte abgebaut, ihre Liquiditätspuffer verstärkt, die Abhängigkeit von kurzfristigen Geldern verringert und die Strukturen von Forderungen und Verbindlichkeiten noch mehr miteinander in Einklang gebracht. Überkomplexe Finanzprodukte sind zugunsten mehr standardisierter und transparenter Produkte aus dem Angebot verschwunden. Die Leitlinien für die Kundenberatung wurden überarbeitet, und besonders für Verbriefungen und Derivate entstehen derzeit übersichtlichere und solidere Marktinfrastrukturen. Nicht zuletzt passen die Banken aber auch ihre Vergütungsmodelle an. Ziel ist dabei, die Vergütung noch besser am nachhaltigen Erfolg und den längerfristigen Interessen der Aktionäre auszurichten."

Lloyd C. Blankfein, Vorstandsvorsitzender von Goldman Sachs

Niall Ferguson, Historiker an der Harvard-Universität und Autor

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank






TOP



TOP