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27.04.2010
 

Risiko Umschuldung

Griechen-Krise bedroht deutsche Staatsbanken

Von Anne Seith, Frankfurt am Main

HRE-Zentrale: Die Krisenbank gehört zu den großen Gläubigern GriechenlandsZur Großansicht
dapd

HRE-Zentrale: Die Krisenbank gehört zu den großen Gläubigern Griechenlands

Die Idee klingt so einfach wie verlockend: Weil Banken mit griechischen Anleihen gezockt haben, sollen sie sich an der Rettung des Pleitelands beteiligen, verlangen viele Politiker. Eine Milchmädchenrechnung - denn betroffen wären vor allem Institute, die ganz oder teilweise dem Staat gehören.

Es ist mittlerweile ein natürlicher Reflex: Wenn es um die finanziellen Folgen der Finanzkrise geht, rufen Politiker nach der Beteiligung der Finanzbranche. So auch in Sachen Griechenland: Da ist mittlerweile manch ein Volksvertreter der Meinung, der Krisenstaat könne nur noch via Umschuldung gerettet werden. Das würde bedeuten: Griechenland einigt sich mit seinen Gläubigern darauf, nur einen Teil der Kredite zurückzuzahlen.

Eine Umschuldung fordert auch der CSU-Finanzexperte Hans Michelbach, der großspurig eine internationale Gläubigerkonferenz einberufen möchte. Und in diesem Zusammenhang natürlich auch erwähnt, dass die Finanzbranche bei der Rettung des hellenischen Schuldenstaats ihren Beitrag leisten müsse. Auch der nordrhein-westfälische CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers findet, es müsse genau geschaut werden, "wer die Zeche bezahlt". Er will die Banken ebenfalls für Griechenland zur Kasse bitten. Ein Wunsch, den trotz der anstehenden Landtagswahl selbst SPD-Chef Frank-Walter Steinmeier unterstützt.

Die Botschaft der Politiker ist klar: Diejenigen, die sich mit griechischen Staatsanleihen verzockt haben, sollen nun auch die Kosten tragen.

Doch dem wohlklingenden Appell liegt zumindest teilweise eine Milchmädchenrechnung zugrunde. Denn in Deutschland haben nach jetzigem Kenntnisstand ausgerechnet die Banken viele Griechenland-Papiere in ihren Büchern, die dem Staat ganz oder teilweise gehören: Die Hypo Real Estate (HRE) und die Commerzbank.

Die HRE - die mittlerweile Deutsche Pfandbriefbank heißt und mit rund 100 Milliarden Euro gestützt wird - kam zum 31.12.2009 auf ein Volumen von 7,9 Milliarden Euro an griechischen Staatsbonds. Bei der Commerzbank sind es etwa drei Milliarden. Auch einige Landesbanken sind betroffen. Bei der BayernLB etwa sprechen Finanzkreise von einem Engagement in Höhe von 300 Millionen Euro.

"Euphemistische Beschreibung eines Bankrotts"

Bankenprofessor Hans-Peter Burghof warnt deshalb: Wenn etwa die HRE oder die Commerzbank große Summen abschreiben müssen, geraten sie in neue Finanzprobleme. "Dann kommt man um eine Kapitalerhöhung nicht herum. Und da die Banken dem Staat gehören, muss der das bezahlen." Sprich: Die Verluste aus den Griechenland-Geschäften würden sozialisiert, so oder so. Bei der HRE würden, je nach Wertberichtigungsbedarf, womöglich sogar neue Hilfen in Milliardenhöhe fällig, warnt Konrad Becker, Analyst von Merck Finck. Es könnte für die Regierung "billiger sein, Griechenland direkt zu helfen."

Auch sonst ist das Risiko einer Umschuldung - die Bankenprofessor Burghof als "euphemistische Beschreibung eines Staatsbankrotts" charakterisiert - schwer zu kalkulieren. Viele deutsche Geldinstitute geben sich reichlich verschlossen, was ihr genaues Engagement in Griechenland betrifft. Bei der Landesbank Baden-Württemberg will man sich zu einzelnen Posten des Portfolios generell nicht äußern, bei der Hessischen Landesbank spricht man von einem "äußerst geringen" Betrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Und die Zahlen, die man bekommt, stimmen nicht unbedingt optimistisch. Insgesamt, so heißt es bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, schuldet Griechenland deutschen Geldinstituten rund 43 Milliarden Euro. Die Allianz erklärt, die gesamte Gruppe habe mit Stichtag 31. Dezember etwa 3,5 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen in den Büchern. Bei der Münchner Rück waren es Ende 2009 rund 2,2 Milliarden Euro.

Märkte rechnen mit Umschuldung

Wie viel von diesen Summen nun unter Umständen tatsächlich bedroht ist, weiß niemand. Die EU-Kommission ist sogar noch immer davon überzeugt, dass eine Umschuldung erst gar nicht nötig sein wird. Das Spar- und Reformprogramm, das die EU Anfang Mai vorlegen will, werde die grassierende Unsicherheit beenden, sagte der Generaldirektor für Wirtschaft und Finanzen, Marco Buti. Und er versucht zu beruhigen: "Um es sehr klar zu sagen - es wird keine Schulden-Restrukturierung als Teil des Programms geben."

Die Veröffentlichung des "sehr, sehr ernsthaften" und glaubwürdigen Programms werde an den Finanzmärkten Vertrauen schaffen und die Zinsaufschläge bei griechischen Staatsanleihen reduzieren, ist Buti überzeugt. Das Programm werde über einen Zeitraum von drei Jahren Einsparungen und tiefgreifende Strukturreformen vorsehen.

Bankenprofessor Burghof allerdings findet, eine Umschuldung wäre trotz aller Risiken "ehrlicher". Dort wo das Risiko eingegangen wurde, würde es auch abgeschrieben: in den Büchern der Banken.

Auch an den Märkten gehen die Anleger inzwischen davon aus, dass Griechenland seine Kredite nicht ganz wird zurückzahlen können. Finanzwerte sackten am Dienstag weltweit in den Keller. Zur Verunsicherung trugen noch die Aussagen deutscher Regierungspolitiker bei, die Zweifel am vereinbarten Hilfspaket aufkommen ließen. "Das ist ein sehr gefährliches Spiel, das hier gespielt wird. Eigentlich preist der Markt inzwischen schon einen Ausfall Griechenlands ein - zumindest teilweise", sagte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. "Da spielt auch die Bundesregierung mit ihrer Taktiererei mit dem Feuer. Die Märkte warten ja nur auf das grüne Licht aus Berlin."

Deutsche Bank: Wir haben mit Griechenland nichts zu tun

Zu den stärksten Verlierern im Dax gehörte absurderweise die Deutsche Bank. Die Aktien von Deutschlands größtem Geldhaus verloren zeitweise um fast fünf Prozent an Wert - dabei hatte der Konzern am Dienstag glänzende Quartalszahlen vorgelegt. Doch die Börsianer störten sich nicht nur an einem ausgesprochen zurückhaltenden Ausblick von Finanzchef Stefan Krause - auch die Belastung durch die Übernahme von Sal. Oppenheim sorgt die Finanzexperten.

Denn durch die erstmalige Einbeziehung der Kölner Privatbank schmolz die Kernkapitalquote von Dezember bis Ende März von 12,6 auf 11,2 Prozent. Damit liege die Deutsche Bank am unteren Ende im Vergleich zu ihren Wettbewerbern, kritisierte Unicredit-Analyst Stefan Stalmann. Börsianer machen sich daher Sorgen, ob die Bank nicht doch mehr Kapital braucht.

Immerhin: In der Debatte um eine mögliche Griechenland-Pleite kann sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der sonst oft als Vorzeige-Buhmann der Bankenbranche herhalten muss, entspannt zurücklehnen. Sein Haus hat nach eigenen Aussagen mit der ganzen Sache wenig zu tun.

Natürlich sagen auch die Deutsch-Banker nicht genau, was in ihren Büchern an griechischen Anleihen steht. Aber auf Nachfrage in einem Analysten-Call konnte Finanzchef Stefan Krause zwei beruhigende Nachrichten in die Welt setzen. "Very limited", sehr begrenzt, sei das Engagement des Hauses in Griechenland. "Wir sind nicht beunruhigt."

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Die neuesten Beiträge:
20.07.2010 von Ghost12:

Was Sie als "verbrecherische Methoden" bezeichnen- wird in der kompletten Eurozone praktiziert. Nebenhaushalte, Hochverschuldung. Keine Solidarität mit so etwas, das ist richtig. Auch keine Solidarität mit den [...] mehr...

19.07.2010 von totalmayhem:

entschuldigung, wer sich mit verbrechererichen methoden (unterstuetzt von G&S et al) zugang zu dieser waehrungsunion erschleicht hat jeglichen anspruch auf solidaritaet verwirkt. zum thema 'solidaritaet' steht im im vertrag [...] mehr...

13.07.2010 von zuhören und verstehen:

Wenn die Europäer zusammen halten, kann Griechenland durchaus "gerettet" werden. Man muss einfach nur dabei helfen, das Chaos zu beseitigen und finanzielle Rückendeckung geben. Bsp. Die Regierung wusste bisher [...] mehr...

13.07.2010 von fatalismo: Aber doch nicht ausgerechnet Kreta...

...wissen wir doch, dass alle Kreter Lügner sind. Spaß beiseite. Die Griechen mögen uns alles in allem ganz schön beschwindelt haben. Aber eine Entschuldung müsste bei gutem Willen innerhalb des Euro-Systems möglich sein. Wir [...] mehr...

25.06.2010 von redhead72: Jetzt verkaufen die Griechen wirklich ihre Inseln...

Tja, da haben die Griechen wohl in der Tat den Rat eines deutschen Politikers befolgt, und verkaufen zur Schuldentilgung ein paar Inseln: http://www.guardian.co.uk/world/2010/jun/24/greece-islands-sale-save-economy Also, [...] mehr...

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EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Hilfe

Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.

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So viele Schulden hat Griechenland bei Banken im AuslandZur Großansicht
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So viele Schulden hat Griechenland bei Banken im Ausland

Die Konditionen im Detail

Volumen

Im Rahmen eines Dreijahresprogrammes werden alle Euro-Länder im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde zusätzliche Mittel bereitstellen und von dem gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, also weitere 15 Milliarden Euro.

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